Friday, 29. July 2016
03.04.2011
 
 

Europa am Ende

Michael Grandt

Immer neue EU-Krisengipfel, immer mehr Geld, das in das marode Euro-Währungssystem gepumpt wird und immer weitere europäische Länder, die vor dem Bankrott stehen. Doch unsere »Volksvertreter« wollen das alles nicht wahrhaben. Milliarden über Milliarden unserer Steuergelder versenken sie in einem Fass ohne Boden. Dabei ist eines klar: Der Euro und damit die EU sind am Ende.

Die halbseidenen Rettungsmaßnahmen zur Stabilisierung des Euro kosten nur eines: unnötig Geld – und zwar das Geld der Bürger. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich die Märkte von den Rettungsaktionen nicht blenden lassen, sondern die volkswirtschaftlichen Kennziffern einzelner schwacher Euro-Staaten immer weiter zerpflücken. Nachdem im Jahr 2009 Rumänien und Lettland de facto vor dem Staatsbankrott standen, erwischte es 2010 Griechenland.

 

Bankrott: Griechenland

Ausufernde Staatsschulden und eine Regierung, die die Vorgaben der Europäischen Kommission zum Abbau der Defizite nicht beachtet hatte, brachten Griechenland immer mehr in Bedrängnis.

Doch das Land gehört zur EU und konnte sich darauf verlassen, dass die anderen europäischen Staaten es nicht bankrottgehen lassen. So stiegen die Zinsen für griechische Staatsanleihen immer weiter und Käufer vertrauten darauf, dass die EU haften würde. Zwei Ratingagenturen stuften im Dezember 2009 das Rating Griechenlands von »A–« auf »BBB+« zurück. Damit hatte Griechenland das mit Abstand schlechteste Rating unter den Ländern der Eurozone. Mit der Herabstufung auf »BBB+« unterschritten die griechischen Anleihen sogar die bis dahin geltende Mindestanforderung der Europäischen Zentralbank (EZB), die bis Oktober 2008 mindestens eine Bonität von »A–« für bei ihr als Sicherheit hinterlegte Papiere verlangte. Wegen der Finanzkrise hatte sie diese Grenze aber auf »BBB–« gesenkt. Das war der erste Verstoß gegen die Finanzstabilitätskriterien, die sich die EZB selbst erlassen hatte.

Im Mai 2010 wurde in einer Krisensitzung ein Notfallplan erstellt, um Griechenland vor dem Staatsbankrott zu retten: Die EU-Staaten und der IWF stellten Athen Notkredite über 110 Milliarden Euro mit einem Zinssatz von 5,5 Prozent in Aussicht. Deutschlands Anteil davon betrug rund 22 Milliarden Euro. Die Gelder sollten zuerst in insgesamt zwölf Tranchen bis März 2013 überwiesen und nach drei tilgungsfreien Jahren in acht vierteljährlichen Raten zurückgezahlt werden.

Mit diesem Rettungspaket trug die EU den Vertrag von Maastricht zu Grabe, denn im Jahr 1996 beschlossen die Verantwortlichen der EU-Staaten, dass jedes Land für sich selbst haftet und die Gemeinschaft nicht für Verbindlichkeiten anderer Mitglieder eintritt. Dies ist im Artikel 104b festgelegt, was auch als sogenannte »No Bailout«-Klausel bekannt ist. Doch seit dem Rettungsplan für Athen war das alles nicht mehr das Papier wert, auf dem es stand.

Nur vier Monate nach den vollmundig angekündigten Griechenlandhilfen zeigten sich Experten darüber besorgt, ob Athen seine Kredite überhaupt jemals zurückzahlen könne. Es kam, wie es kommen musste: Bereits Ende November 2010 sprangen die Euro-Finanzminister schon wieder für das immer höher verschuldete Griechenland ein: Athen konnte sich mit der Tilgung der Hilfskredite nun viereinhalb Jahre länger Zeit nehmen, als ursprünglich vereinbart. Mit dieser Entscheidung wollte man den absehbaren Staatsbankrott des Landes ein zweites Mal hinausschieben. Seither wird ein Schuldenschnitt immer wahrscheinlicher und der deutsche Steuerzahler würde einmal mehr zur Kasse gebeten.

 

Bankrott: Irland

Irland war einst einer der reichsten Staaten der EU. Das Pro-Kopf-Einkommen lag sogar um ein Drittel höher als in Deutschland. Doch die Wirtschaftskrise traf die Insel besonders hart, war der Wohlstand doch vor allem durch Spekulationsblasen (meist im Immobiliensektor) entstanden. Durch die fallenden Immobilienpreise sind viele Iren nach wie vor maßlos überschuldet.

Erwartungsgemäß senkte die Ratingagentur Fitch Irlands Bonität bereits im Dezember 2009 von»AA+« auf »AA–«, was ein verheerendes Signal für ausländische Investoren war. Irland befand sich in einer gefährlichen Lage: Es stand kurz vor dem Bankrott, musste sparen, was den Abbau liebgewonnener Sozialleistungen bedeutete. Das wiederum erzürnte das Volk. Soziale Unruhen waren nicht mehr auszuschließen. Dennoch blieb den Verantwortlichen keine andere Wahl. Mitte Dezember 2009 legten sie den »härtesten« Haushalt in der Geschichte der irischen Republik vor: Im öffentlichen Dienst wurden die Löhne zwischen fünf und 15 Prozent gekappt, das Arbeitslosengeld reduziert und Sozialleistungen gekürzt.

Die Lage war mehr als dramatisch: Irland hatte das höchste Haushaltsdefizit in der gesamten EU, sogar noch höher als das der Griechen. Über Jahrzehnte hinweg flossen finanzielle EU-Hilfen in Milliardenhöhe nach Irland, das so zu einem der wohlhabendsten Länder in Europa aufstieg. Aber das Geld heizte auch einen fast beispiellosen Immobilienboom an. Jeder dritte Euro an Steuereinnahmen kam schließlich aus dem Immobiliensektor. Als die Blase schließlich platzte, kollabierten auch die Staatseinnahmen. Seither stehen Regierung und Bankensystem unter Dauerdruck. Alle großen Finanzinstitute sind bereits teilverstaatlicht und die Regierung hat ihnen ihre faulen Hypothekenkredite abgenommen. Doch das reicht bei Weitem nicht, die Lage unter Kontrolle zu bekommen.

Natürlich tat die EU – ähnlich wie damals bei Griechenland – alles dafür, die Lage schön zu reden. So sagte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn, er habe »volles Vertrauen«, dass Irland die zusätzlichen Sparmaßnahmen bewältigen werde. Doch Irlands Fall war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufzuhalten. Am 27. Oktober 2010 half dann alles Schönreden und alle Verschleierung nichts mehr. Irlands Ministerpräsident bekräftigte in einer sechsstündigen Dringlichkeitssitzung die enorme Haushaltskrise seines Landes und gestand damit den De-facto-Staatsbankrott öffentlich ein. Durch die erneute Bankenrettung betrug das Defizit im Jahr 2010 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zur Rettung ihrer Finanzinstitute bürgte Dublin bereits mit 350 Milliarden Euro, das war doppelt so viel, wie die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes. Außerdem musste Irland künftig 20 Prozent seiner Steuereinnahmen nur für Zinsen ausgeben.

Am 22. November 2010 unterstrich EU-Währungskommissar Olli Rehn dann doch, dass Hilfe für Irland erforderlich sei, um die finanzielle Stabilität in Europa zu wahren. Jetzt war die Katze aus dem Sack.

Dann ging wieder alles sehr schnell. Am Sonntag, den 28.November 2010, noch vor Öffnung der Börsen, einigten sich Vertreter der EU, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des IWF auf die Grundzüge eines Rettungspakets im Umfang von 85 Milliarden Euro. Ein Drittel des Kreditpaketes kam von der EU und ein zweites vom IWF.

Der Markt ließ sich davon jedoch nicht hinters Licht führen. Nur wenige Tage später wurde die Rechnung präsentiert: Trotz des Euro-Schutzschirmes im Rücken verlor Irland an den Finanzmärkten weiterhin an Kreditwürdigkeit. Die Ratingagentur Fitch stufte die Bonität des Landes schließlich auf »BBB+« herab.

Am 16. Dezember 2010 stimmte das irische Parlament dem Rettungspaket von EU und IWF dann mit einer hauchdünnen Mehrheit zu. Nach Griechenland war Irland somit der zweite europäische Staat, der innerhalb von nur zehn Monaten vor der Zahlungsunfähigkeit, das heißt vor dem Bankrott stand und mit Milliardengarantien und Geld gerettet werden musste. Doch auch das schien den Iren nicht viel zu nützen, denn am 17. Dezember 2010 stufte die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit des Landes gleich um fünf (!) Noten auf »Baa1« zurück, zwei Noten über Ramschniveau.

Anfang/Mitte Januar 2011 dann der nächste europäische Rettungsversuch: Die EU-Kommission platzierte verschiedene Anleihen zur Refinanzierung eines Teils der Kredite an Irland. Bis Ende 2011 soll das Volumen dieser Anleihenemissionen bis zu 17,6 Milliarden Euro betragen. Doch Irland steht trotz aller Rettungsversuche immer noch kurz vor dem Bankrott.

 

Bankrott-Kandidat Portugal

Den nächsten Staatsbankrott-Kandidaten haben die Märkte schon selektiert: Portugal. Die Renditen der portugiesischen Staatsanleihen steigen immer weiter. Und wieder wird das gleiche Verdummungsspiel wie bei Griechenland und Irland gespielt: EU-Währungskommissar Olli Rehn beschwichtigte und gab an, dass der Bankensektor in Portugal »gesund« sei.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) teilte im Dezember 2010 jedoch mit, dass sie innerhalb von drei Monaten über eine Herabstufung der Bonitätsnote für Portugal entscheiden werde, da die »Kreditwürdigkeit der Regierung mit erhöhten Risiken bewertet« sei. Außerdem habe das Land ein hohes Leistungsbilanzdefizit und die Wirtschaft werde im Jahr 2011 real zwei Prozent schrumpfen. Bereits im April 2010 hatte S&P das Rating der Portugiesen um zwei Stufen abgewertet, das seither auf einer Stufe mit Botswana steht.

Nicht umsonst warb die sozialistische Regierung angesichts der prekären Wirtschafts- und Finanzlage für eine parteiübergreifende große Koalition, weil nur so die »nötige politische Stabilität« gesichert werden könne, ansonsten sei sogar das Ausscheiden Portugals aus der Währungsunion nicht mehr auszuschließen. Dessen ungeachtet versicherte Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos, dass sein Land keine Hilfe aus dem EU-Rettungsfonds brauche und nicht mit Irland zu vergleichen sei. Und auch Premierminister José Sócrates verkündete noch Anfang Dezember vergangenen Jahres: »Wir brauchen keine Hilfe von außen.« Doch jetzt ist er zurückgetreten und überlässt das Land seinem Schicksal. So einfach ist das.

Sócrates zog damit die Konsequenzen aus der Ablehnung seines jüngsten Sparpakets im Parlament und warf der Opposition Blockade vor, die auch die Glaubwürdigkeit Portugals in Mitleidenschaft ziehen werde.

Das Sparpaket, das vor allem Sozial- und Lohnkürzungen vorsieht, ist aber von entscheidender Bedeutung, damit Portugal seine Schulden in den Griff bekommt. Da es nicht zustande gekommen ist, macht eine europäische Rettungsaktion unwahrscheinlicher, denn das Parlament hatte gerade die Bedingungen boykottiert, die Voraussetzung sind, um europäische Hilfe überhaupt zu bekommen. Somit bliebe nur noch ein Ausweg: Staatsbankrott. Im hoch verschuldeten Portugal hat der Rücktritt des sozialistischen Regierungschefs eine schwere Krise ausgelöst. Es wird schnellstmöglichst Neuwahlen geben.

 

Bankrott-Kandidat Spanien

Die Baubranche liegt in Trümmern und Hunderttausende von neuen Häusern stehen leer, die Steuereinnahmen brechen ein, die Arbeitslosigkeit steigt auf über 20 Prozent – die höchste Quote in der gesamten EU. Der Zusammenbruch des Bau- und Immobiliensektors riss die spanische Wirtschaft in eine tiefe Rezession und das hohe Verschuldungsniveau privater Haushalte verschärfte die Lage zusätzlich. In der Eurozone hatte Spanien nun das dritthöchste Haushaltsdefizit.

Die Märkte reagierten folgerichtig: Ende September vergangenen Jahres stufte die zweitgrößte Ratingagentur der Welt, Moody’s, Spanien herunter, da sie Zweifel an der Bonität des Landes hatte. Mit der Bewertung von »Aa1« verlor erstmals ein großes EU-Land auch bei Moody’s das begehrte »Triple-A«-Rating, was eine Verteuerung der Refinanzierung am Kapitalmarkt bedeutete.

Seither steht Spanien, das eine der größten Volkswirtschaften in der EU ist, mit dem Rücken an der Wand. Da die Verflechtung der Iberer mit anderen Staaten sehr groß ist, könnten bei Zahlungsnöten auch viele andere Staaten ernsthafte Probleme bekommen und der Euro-Rettungsschirm wohl schnell an seine Belastbarkeitsgrenze gelangen.

Anfang Dezember 2010 stellte Zapatero dann ein weiteres »Anti-Krisen-Paket« vor. Der harte Sparkurs der spanischen Regierung konnte die Märkte bisher aber noch nicht so richtig überzeugen. Zudem kämpfen die heimischen Banken mit Milliardenlasten toxischer Kredite aufgrund der Krise am Immobilienmarkt und großen Refinanzierungsnöten. Die gigantische Summe von 445 Milliarden Euro schuldet der Bausektor nämlich den spanischen Kreditinstituten, und die faulen Kredite sind nur zu 35 Prozent durch Rückstellungen gedeckt. Experten sagen, dass sich die Lage während des Jahres 2011 noch verschärfen wird, denn die Zahlungsausfälle werden noch ansteigen. Außerdem sind die Institute mit fast 80 Milliarden Dollar im Krisenland Portugal engagiert.

Die Zinsen für spanische Anleihen stiegen ebenfalls und spanische Banken müssen ähnlich hohe Risikoaufschläge bezahlen. Einer Berechnung von Unicredit zufolge braucht das Land bis Ende 2013 rund 350 Milliarden Euro neues Kapital. Das ist aber bei diesen hohen Zinsen nur schwerlich zu refinanzieren, weswegen Wirtschaftsstaatssekretär Jose Manuel Campa dieses Problem als »besorgniserregend« bezeichnete.

Doch noch Ende November 2010 sagte die spanische Finanzministerin: »Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir keine Hilfe brauchen« und Spaniens Europaminister Lopez Garrido fügte hinzu: »Für Spanien gibt es keinen Grund, die EU um Hilfe zu bitten. Wir reduzieren unser Defizit und kommen aus der Krise. Wir bezahlen unsere Schulden aus eigener Kraft zurück, kein Zweifel.«

Die Ratingagentur Moody’s sah das ganz anders und setzte Spaniens Bonitätsnote Mitte Dezember 2010 auf die Prüfliste für eine weitere Herabstufung. Damit war wahrscheinlich, dass die Iberer ihre Ratingnote »Aa1« bald verlieren könnten. Prompt ruderte die bislang so arrogant auftretende Wirtschaftsministerin zurück und verlangte stattdessen die Aufstockung des Euro-Rettungsschirmes.

 

Bankrott-Kandidat Ungarn

Ungarn stand schon vor Jahren als erster EU-Mitgliedsstaat kurz vor dem Zusammenbruch. Damals konnte der Staatsbankrott nur durch massive finanzielle Hilfe verhindert werden.

Ausländische Experten sind übereinstimmend der Meinung, dass sich das Land noch immer in einer »Schuldenfalle« befindet. Die Ratingagentur Moody’s senkte das Rating des osteuropäischen Landes am 6. Dezember 2010 auf gerade mal »Baa3«. Damit liegt die Bewertung von Ungarns Anleihen nur noch eine Note über dem »Ramschstatus«.

Moody’s begründete den Schritt mit den langfristigen haushaltspolitischen Problemen des Landes, das zudem für externe Risiken anfällig sei. Im Dezember 2010 wurden deshalb noch radikalere Methoden als bisher angewendet: Das Land verstaatlichte einen Teil des Geldes, das die Bürger für ihre Rente angespart hatten. Seit 1998 existierte eine private Säule der Altersabsicherung. Diese ging nun an den Staat über. Die Menschen wurden so ihrer privaten Ersparnisse enteignet. Das Geld sollte dafür verwendet werden, das Defizit der staatlichen Rentenversicherung zu senken und die Staatsschulden zu sanieren. Wer sich weigerte, verlor auch den gesamten Anspruch auf die staatliche Rente.

Die Rechnung der Finanzmärkte kam schnell: Bereits zwei Wochen später senkte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Ungarns für Staatsanleihen mit längerer Laufzeit von »BBB« auf »BBB–« mit »negativem Ausblick«. Damit drohte eine weitere Herabstufung auf Ramschniveau. Volkswirte sind bis heute darüber besorgt, dass eine Zuspitzung der desaströsen Lage in Ungarn auf die gesamte osteuropäische Region Einfluss nehmen und andere Länder wie etwa Österreich mit in den Abwärtsstrudel ziehen könnte.

 

Bankrott-Kandidat Belgien

Auch in Belgien kündigt sich Unheil an. Das kleine europäische Land zählt zu den EU-Ländern mit der höchsten Staatsverschuldung, was allerdings in den Medien nicht oft erwähnt wird. Doch das Land macht schwere Zeiten durch. Die Staatsverschuldung ist bereits auf mehr als 100 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts angewachsen. Und das Land hat schon seit April 2010 keine funktionierende Regierung mehr, die die schwerwiegenden Finanzprobleme angehen könnte.

Die Ausfallversicherungen für belgische Staatsanleihen steigen, was ein untrügerisches Zeichen dafür ist, dass auch Belgien in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Zudem drohen nicht nur soziale, sondern auch ethnische Unruhen zwischen Flamen und Wallonen (Frankofonen). Das Auseinanderbrechen des ganzen Staates ist sogar möglich. Im Land herrscht Ratlosigkeit, wie die tiefe Staatskrise zu lösen ist. Und genau diese politische Lähmung bewegt auch die Finanzmärkte: Ohne funktionierende Regierung gibt es in Belgien auch keine Pläne, wie man die Schulden in den Griff bekommen kann. Größere Sparpakete sind demnach nicht geplant. Im Klartext: Es wird weiter abwärts gehen.

Mitte Dezember 2010 senkte die Ratingagentur Standard & Poor’s logischerweise dann den Ausblick für das Land auf »negativ«. Somit droht eine Herabstufung in den nächsten sechs Monaten, sollte nicht rasch eine handlungsfähige Regierung gebildet werden. Belgien ist somit ebenfalls ein »heißer« Kandidat für die nächste EU-Rettungsaktion.

 

Bankrott-Kandidat Zypern

Bisher hat die Mainstreampresse den kleinen Inselstaat im Mittelmeer ignoriert, der erst im Jahr 2008 in die Europäische Währungsunion aufgenommen wurde. Das könnte sich aber bald ändern, denn das Wirtschaftswachstum und die Finanzstabilität hängen stark von der Entwicklung in Griechenland ab, das immerhin 22 Prozent der zyprischen Exporte abnimmt und somit der größte Handelspartner ist.

Geht es also Griechenland schlecht, ist auch Zypern in ernster Gefahr – und die Zeichen stehen auf Sturm: Anlass zur Sorge geben die steigenden Defizite und Schulden und die schon angesprochene enge Verflechtung der zyprischen Wirtschaft mit dem maroden Griechenland. Zudem sind die zyprischen Banken mit hohen Risiken konfrontiert, weil sie sich sehr in ihrem Nachbarland engagieren. Die Beteiligung der zyprischen Geldinstitute entspricht rund dem 2,5-Fachen der Wirtschaftsleistung der kleinen Mittelmeerinsel. Aber nicht nur die Kreditvergabe stellt für die zyprischen Banken ein Risiko dar, sondern auch das Engagement in griechischen Staatsanleihen, die Bonds im Volumen von rund fünf Milliarden Euro halten.

Diese hohen Risiken, eine Staatsverschuldung, die von 58,3 Prozent (2008) auf 79 Prozent (2011) steigen soll und die »schiere Größe« des Bankensektors veranlasste die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) dann auch im November 2010 die Kreditwürdigkeit Zyperns von »A+« auf »A–« herunterzustufen, was die Rendite von zyprischen Staatsanleihen um fast zwei Prozent in die Höhe trieb.

Im Dezember 2010 warnte Zyperns Zentralbankchef Athanasios Orfanides vor der Haushaltspolitik der Regierung, die den aufgeblähten Staatssektor beschneiden und die Gehälter im öffentlichen Dienst kürzen solle, anstatt die Rentenversicherung zu sanieren. Damit machte die Regierung dieselben Fehler, die Griechenland bereits an den Rand des Bankrotts gebracht habe. Zypern ist somit ebenfalls in akuter Gefahr.

Europa ist am Ende

Euroland ist also abgebrannt. Für die Länder des kaputten System gibt es nur noch eine Lösung: Austritt aus der Gemeinschaft und Wiedereinführung der nationalen Währungen. Das würde uns zwar kurzfristig Verluste bringen, aber langfristig das Überleben sichern. Lieber ein Schrecken mit Ende, als ein Schrecken ohne Ende. Das Volk versteht das, unsere Politiker jedoch versuchen sich noch immer in die Tasche zu lügen, denn letztlich zahlen sie keinen Cent für ihre irrationalen Rettungsversuche. Die Zeche zahlen wir, die Steuerzahler.

 

 


 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

  • Enthüllt: Die Wahrheit über angeblich »frische« Lebensmittel
  • Made in China: Unsere Luft wird schmutziger
  • Glaubwürdigkeits-GAU: Der Fall des ARD-Journalisten Ranga Yogeshwar
  • Die Tricks der Meinungsmacher
  • So machen wir Diktatoren reich

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Steht Portugal vor dem Staatsbankrott?

Michael Grandt

Das europäische Staatsbankrottspiel geht munter weiter: Nach Griechenland und Irland steht jetzt auch Portugal vor dem Crash.  mehr …

SOS Europa: Rette Dich, wer kann!

Redaktion

Als das Sachbuch Der Staatsbankrott kommt! des Finanzfachmannes Michael Grandt erschien, da wurde der Autor belächelt und als »Crashprophet« abgetan. Seine zentrale Aussage lautete damals immerhin, einzelne EU-Länder stünden vor dem Bankrott und auch reiche EU-Länder wie Deutschland kämen durch immer höhere Verschuldung ebenfalls in Gefahr. Heute  mehr …

Belgien = Griechenland 2.0?

Michael Grandt

Während alle europäischen Politiker gebannt auf die Krisen in Irland und Griechenland blicken, bahnt sich in unserem Nachbarland Belgien bereits das nächste Unheil an.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

+++ Der Liveticker und die Nachrichtenseite des KOPP-Verlags werden derzeit von der Redaktion aktualisiert und in der nächsten Woche wieder geöffnet +++ Wir bitten um Ihr Verständnis +++

Redaktion

HINWEIS: Fremdsprachige Artikel können Sie mit dem Übersetzer bearbeiten ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Update 04.04.2011 um 21.15 Uhr: +++ Schweiz: Dutzende tunesische Flüchtlinge wollen illegal ins Land +++ Armee verstärkt Kontrollen  mehr …

Tankstellensterben durch Berliner Umweltpolitik

Udo Schulze

Fast genau 21 Jahre ist es her, dass die deutsche Teilung überwunden wurde – für alle Zeiten. Doch inzwischen hat sie sich wieder in unseren Alltag eingeschlichen. In Form des neuen Kraftstoffs E10. Den gibt es nämlich nur im Osten und Süden der Republik zu kaufen. Westliche und nördliche Tankstellen haben ihn erst gar nicht im Angebot. Dennoch  mehr …

KOPP EXKLUSIV: Ab 2012 Kriege wieder mitten in Europa

Udo Ulfkotte

Der renommierteste Zukunftsforscher der Welt, Gerald Celente, prognostiziert den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in seiner jüngsten Studie nach zwei Generationen des Friedens nun ethnische Spannungen und Nationalismus, Zerfall und Kriege – zudem die Vertreibung aller Muslime aus Europa. Und das alles schon in wenigen Monaten.  mehr …

Libyen: der Kampf um das Öl

Michael Grandt

Fast die ganze Welt hat sich – hauptsächlich initiiert von den USA und Frankreich – ein neues Feindbild geschaffen: den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi. In den vergangenen 40 Jahren wurde er aber gerade von jenen Staaten hofiert und mit Milliarden Dollar unterstützt, die ihn nun bekämpfen. Warum also jetzt diese plötzliche Wende und warum  mehr …

Glaubwürdigkeits-GAU: Der Fall des ARD-Journalisten Ranga Yogeshwar

Eva Herman

Seit dem Reaktorunglück von Fukushima ist ARD-Journalist Ranga Yogeshwar ein viel gefragter Mann. Doch kaum jemand ahnt, dass Yogeshwar wohl zwei Herren dient: der Wahrheit, zu der er als ARD-Journalist verpflichtet ist, und der Kraftwerksbranche, von der er ebenfalls Geld erhielt.  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.