
Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern: Die Abstufung der Franzosen ist wohl nur noch eine Frage der Zeit.
Doch diese wäre wohl der Auslöser für eine Kettenreaktion, die kaum noch zu kontrollieren wäre. Das Volumen des europäischen Rettungsschirms EFSF würde dann wohl um rund 35 Prozent auf nur noch 286 Milliarden Euro schrumpfen – und das, nur weil Frankreich abgestuft würde! Doch von diesem Rest sind bereits Irland, Portugal und Griechenland Rettungspakete von 222 Milliarden Euro zugesichert worden. So verblieben lediglich noch 64 Milliarden Euro zur Stützung anderer EU-Staaten, die auch noch in Schieflage geraten können.
Die Märkte haben jetzt besonders die Schwergewichte Frankreich, Italien und Spanien im Visier. Frankreich ist schon angeschlagen. Das Prekäre: Der bisher noch auf 440 Milliarden Euro begrenzte Fonds wird zum großen Teil gerade von Frankreich und Deutschland gestützt.
Frankreichs drohende Abstufung würde sicherlich auch das Aus für die Hebelung des Rettungsschirms bedeuten, denn es wäre dafür wohl keine ausreichende Liquidität mehr da und die Märkte würden Anleihen, bei denen gerade diese EU-Schwergewichte mithaften, gnadenlos in die Ecke treiben.
Das beste Beispiel dafür ist Frankreich selbst, denn dessen Risikoprämien kletterten auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro und immer mehr Investoren meiden französische Bonds. Sie halten Frankreich für immer weniger vertrauenswürdig, seit die Ratingagentur Moody's Mitte Oktober das Spitzenrating des Landes in Frage gestellt hatte.
Nicht zu Unrecht, denn die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Parameter stehen gar nicht gut: Noch für dieses Jahr wird ein Haushaltsdefizit von satten 5,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwartet. Die Prognose für 2012 wurde von Paris schon selbst von 1,75 Prozent auf 1,0 Prozent gesenkt. Frankreich muss sparen. Um nicht noch mehr Vertrauen zu verlieren, kündigte Staatspräsident Nicolas Sarkozy eilig an, nächstes Jahr weitere 6 bis 8 Milliarden Euro einsparen zu wollen. Viel zu wenig, wie Skeptiker meinen.
Frankreich ist immerhin Gründungsmitglied der Europäischen Union und nimmt nach Deutschland den zweiten Platz bei der Bevölkerungszahl ein. Sarkozy hat sich seit seinem Amtsantritt auf die Fahnen geschrieben, seinem Land in der Union ein stärkeres Gewicht zu verleihen. Zusammen mit Angela Merkel versucht er sowohl mit populären als auch mit unpopulären Vorschlägen, etwa zu einer europäischen Wirtschaftsregierung, den Führungsanspruch beider Länder gegenüber anderen Mitgliedsstaaten durchzusetzen.
Doch jetzt bekommt der ehrgeizige Franzose einen Dämpfer nach dem anderen. Zu seinem Verdruss hatte Moody's vor kurzem die Bonität der französischen Kreditinstitute Société Générale und Crédit Agricole herabgestuft, weil diese sich übermäßig in Griechenland, Italien und Spanien engagierten. Die dritte Großbank, die BNP Paribas, blieb bisher verschont, aber auch ihr Rating wird auf eine Herabstufung geprüft. Alle drei Banken sind für das gesamte Bankensystem sehr wichtig. Und jetzt auch noch der Schuldenschnitt oder gar der Staatsbankrott für Griechenland, in dem französische Großbanken besonders engagiert sind.
Bei Europas Möchtegern-Musterschüler braut sich also etwas zusammen, das die gesamte EU in ihren Grundfesten erschüttern könnte.
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