
Bereits am 19. August 2010 und 20. September 2010 habe ich darauf hingewiesen, dass sich in Frankreich etwas zusammenbraut. Diese Prognose bestätigt sich mehr und mehr.
Der Wirtschaftsjournalist Robert Rethfeld (Wellenreiter-Invest) hat interessante Überlegungen angestellt, warum Frankreich die eigentliche Gefahr für Europa ist. Ausgerechnet Frankreich, ein Gründungsmitglied der Europäischen Union, das nach Deutschland den zweiten Platz bei der Bevölkerungszahl einnimmt und auch die zweitgrößte Volkswirtschaft in der EU darstellt. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat sich seit seinem Amtsantritt auf die Fahnen
geschrieben, seinem Land in der Union ein stärkeres Gewicht zu verleihen. Zusammen mit Angela Merkel versucht er mit sowohl populären als auch unpopulären Vorschlägen, etwa zu einer europäischen Wirtschaftsregierung, den Führungsanspruch beider Länder gegenüber anderen Mitgliedsstaaten durchzusetzen.
Doch von Frankreich geht eine schlummernde Gefahr aus. Robert Rethfeld hat die Entwicklung des französischen Aktienleitindex CAC 40 (Cotation Assistée en Continu) im Vergleich mit anderen europäischen Leitindizes, den Zins-Spreads und den Renditen zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen verglichen.
Hier Auszüge seiner Analyse:
Frankreich hat enorme binnenwirtschaftliche Probleme, dies ist mit einem Blick auf den französischen Aktienleitindex zu erkennen. Der CAC tendiert seit 14 Jahren Richtung der 3.000-Punkte-Marke. Im Vergleich dazu schafft es der DAX, zu seinem französischen Pendant eine Distanz von etwa 1.500 Punkten zu halten.
Auch der Zins-Spread (Differenz oder Spanne) zwischen französischen und deutschen Bonds weitet sich aus und lag mit 0,75 Punkten auf dem höchsten Niveau der vergangenen Jahre. Rethfeld analysiert weiter, dass »die Rendite französischer Staatsanleihen das Tief vom Sommer 2010 – im Gegensatz zur Rendite deutscher Staatsanleihen – bisher nicht unterschritten hat. Dies könnte man als ein erstes Anzeichen dafür deuten, dass die französische Rendite der spanischen und italienischen Rendite nachzueifern beginnt.« Und folgert daraus: »Deutschland und Frankreich
sind die großen europäischen Kernstaaten. Frankreich ist durch die höhere Arbeitslosenquote (9,9%), ein vergleichsweise schwächeres Wirtschaftswachstum sowie durch den hohen Bestand französischer Banken an Staatsanleihen der europäischen Peripherie für das spekulative Geld einfacher anzugreifen als Deutschland. Fiele der CAC40 unter die 3.000-Punkte-Marke und stiege gleichzeitig der Spread zwischen der Rendite französischer und deutscher Staatsanleihen weiter an, so würde Frankreich von einem Rettungsschirm-Geberland zu einem Nehmerland mutieren (…)«.
Dazu kommt, dass die Ratingagentur Moody's vor kurzem die Bonität der französischen Kreditinstitute Société Générale und Crédit Agricole herabstufte, weil diese sich übermäßig in Griechenland, Italien und Spanien engagierten. Die dritte Großbank, die BNP Paribas, blieb bisher verschont, aber auch ihr Rating wird auf eine Herabstufung geprüft. Alle drei Banken sind für das gesamte Bankensystem sehr wichtig.
Das Misstrauen der Märkte gegenüber Frankreich wird also immer größer. Präsident Nicolas Sarkozy sagte: »Ich bin nicht sicher, ob die Franzosen wirklich verstehen, was los ist«, und sein Premierminister François Fillon sprach es noch deutlicher aus: »Seit zwei Jahren versuche ich, die politische Klasse wachzurütteln, die nicht glauben will, dass wir am Rand des Abgrunds stehen. Wir pfeifen aus dem letzten Loch.« *
Vergessen Sie Griechenland – Frankreich ist das Problem der Eurozone.
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* Zitat aus: DER SPIEGEL 38/2011, S. 98
Andere Quellen:
EU-Kommission
Auswärtiges Amt
Timesonline
Wall Street Journal
Manager-Magazin
FAZ.net
dpa-AFX
Bloomberg
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