Fremdwährungskredite – die tickende Zeitbombe
Michael Grandt
In Teilen Osteuropas können viele Schuldner die Raten für ihre Darlehen kaum noch aufbringen, weil der Schweizer Franken immer stärker wird. Eine Katastrophe bahnt sich an.

Die Stärke des Schweizer Franken wird für den Privat- und Bankensektor in Osteuropa zu einem immer größeren Problem. In Ungarn, Kroatien, Polen und Rumänien gehören Franken-Hypotheken zum Alltag. Das rächt sich nun, denn die Landeswährungen werten immer weiter ab und für Banken, Unternehmen, Privatkunden und Gemeinden wird es zunehmend schwieriger, die monatlichen Raten für die Tilgung noch aufzubringen. Kreditausfälle häufen sich.
In Ungarn ist das Problem am größten. Dort machen die Franken-Darlehen rund 15 (!) Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, zusammen mit anderen Fremdwährungskrediten in Euro, Yen und US-Dollar sogar satte 20 Prozent. In Polen beträgt die Quote zehn Prozent, alle Fremdwährungskredite zusammen zwölf Prozent, in Rumänien drei Prozent Franken-Darlehen, zusammen mit anderen Fremdwährungskrediten zwölf Prozent.
Der ungarische Forint hat gegenüber dem Franken seit 2008 rund zwei Drittel an Wert verloren. Viele Kreditnehmer können deswegen ihre Schulden nicht mehr tilgen. Darunter sind auch viele Gemeinden und Kommunen, die mehr als 80 Prozent ihrer gesamten Anleihen auf Franken-Basis vergeben haben. Jetzt liegt ihr Schuldenstand bei rund 4,5 Milliarden Euro – eine riesige Zahl für ungarische Verhältnisse. Der Gemeindebund warnte bereits vor einem Finanzkollaps auf kommunaler Ebene und hat die Regierung gebeten, einen Teil der Schulden zu übernehmen.
Auch die Verantwortlichen in Budapest wissen um die prekäre Lage und haben mit den Banken für Privatkunden bereits vereinbart, dass die Franken-Schulden gestreckt werden. Zins und Tilgung sollen zu einem hypothetischen Wechselkurs von 180 Forint je Franken erfolgen, die Differenz soll nach Ablauf von drei Jahren fällig werden. Eine enorme Belastung für die Banken, denn derzeit liegt der Kurs bei rund 250 Forint je Franken. Wie viele Banken können diesen »Verlust« für die nächsten drei Jahre verkraften? Die nächste Katastrophe bahnt sich also an.
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