Griechenland kann sich den Euro nicht leisten
Michael Grandt
Viele Leser haben mir geschrieben, wie ich denn die Lage betreffs Griechenlands einschätze. Offizielle Verlautbarungen würden nur die Situation verschleiern und Schönfärberei betreiben. Genauso sehe ich das auch, deshalb hier Klartext.

Griechenland ist bankrott. Alle Rettungsversuche sind gescheitert, und auch künftige werden scheitern. Das Land kann sich den Euro einfach nicht leisten. Es ist nicht wettbewerbsfähig, denn seine Lohnstückkosten sind zu hoch. In Griechenland sind der Dienstleistungssektor und der Tourismus sehr ausgeprägt. Beide Sektoren sind aber zu teuer und generieren keinen Wirtschaftsaufschwung, sondern genau das Gegenteil: eine noch tiefere Rezession und höhere Arbeitslosigkeit als vor den Rettungsmaßnahmen. Immer mehr Milliarden werden daran nichts, aber auch gar nichts ändern.
Was bleibt? Griechenland muss aus dem Euro-Währungssystem aussteigen und die Drachme wieder einführen mit einer Abwertung von etwa 50 Prozent. Natürlich werden kundige Leser sich gleich fragen: Aber die Auslandsschulden bleiben doch in Euro? Das ist richtig. Die Wiedereinführung der Drachme würde nur die Inlandsschulden (teilweise) tilgen. Die Auslandsgläubiger müssten über ein Moratorium ebenfalls auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Griechenland wäre dann wieder wettbewerbsfähiger. Ohne Haircut (Schuldenschnitt) wird es nicht gehen, niemals! Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
Die EU kann den Griechen nicht helfen, es ist vorbei. Vielleicht aber gelingt ihnen die Selbsthilfe, wie der Verwaltungs- und Staatsrechtler Prof. Dr. jur. Karl Albrecht Schachtschneider in der neuen Publikation Das Euro-Abenteuer geht zu Ende schreibt: »Zudem ist jedenfalls Griechenland vermögend genug, um seine Schulden selbst zu begleichen. Die Hellenische Republik hat Grundvermögen in reichlichem Umfang und insbesondere haben die Griechen Privatvermögen, das mehrfach die Staatsschulden übersteigt (…). Es ist selbstverständlich und rechtlich geboten, dass das ganze griechische Volk für die Schulden einsteht, die es durch seinen Staat gemacht hat (…) Die fahrlässige, wenn nicht vorsätzliche Verschwendung und die korrupte Verteilung des Vermögens rechtfertigt keine Entlastung der Bürger. Fremde Völker für die eigenen Schulden in Anspruch zu nehmen, ist skandalös (…) «*
*Karl Albrecht Schachtschneider: Der letzte Akt des Euro-Abenteuers, in: W. Hankel/W. Nölling/K.A. Schachtschneider/D. Spethmann/J. Starbatty: Das Euro-Abenteuer geht zu Ende, Rottenburg 2011, S. 177
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