Sonntag, 4. Dezember 2016
13.08.2011
 
 

Griechenland steht vor dem endgültigen Aus

Michael Grandt

Trotz massiver Erhöhungen nahm Athen in den letzten sieben Monaten rund 3,3 Milliarden Euro weniger an Steuern ein, die Sozialkassen stehen kurz vor dem Bankrott und die Regierung zahlt Rechnungen in Milliardenhöhe nicht mehr.

Die Ausweitung der Schuldenkrise gefährdet die Umsetzung des neuen Hilfspakets für Griechenland. Erst Ende Juli hatten die EU-Mitgliedsstaaten Athen neue Nothilfen für die Vermeidung des endgültigen Staatsbankrotts zugesagt.

Finanzminister Evangelos Venizelos versicherte wieder einmal, dass die Finanzierung seines Landes »für die nächsten Monate gesichert« sei, aber Glauben schenkt ihm dabei niemand mehr. Denn Athen braucht bereits im September die nächste Tranche der EU-Hilfsgelder über acht

Milliarden Euro, um überhaupt noch über die Runden zu kommen. Angesichts der riesigen Schuldenprobleme von Spanien und Italien zittern die Verantwortlichen jetzt schon, ob diese Staaten ihren Anteil der Hilfskredite auch PÜNKTLICH überweisen werden.

Die Angst ist nicht unbegründet, denn der griechische Staatshaushalt läuft aus dem Ruder und Athen steht vor dem endgültigen Aus. Und das, obwohl den Griechen ab dem 1. September neue Einbußen drohen: Löhne und Gehälter werden gekürzt, Waren und Dienstleistungen werden teurer, weil die Mehrwertsteuer zum dritten Mal hintereinander erhöht wird. Kaffee, Tee, Fruchtsäfte, Sprudel, Süßigkeiten, Restaurantrechnungen und andere Nahrungsmittel werden dann mit 23 Prozent anstatt wie bisher mit 13 Prozent besteuert. Das soll den Haushalt bis 2015 um zusätzliche 28,4 Milliarden Euro entlasten, was rund 13 Prozent des BIP entspricht. Doch Gewerkschaften warnen bereits davor, dass durch die höhere Besteuerung der Gastronomie Tausende Cafés, Restaurants und Tavernen in die Pleite geschickt werden.

Doch es läuft alles anders als geplant. Von Januar bis Juli 2011 summierten sich die Steuereinnahmen – trotz massiver Erhöhungen – auf 26,8 Milliarden Euro, geplant waren jedoch 30,1 Milliarden. Betrug das Haushaltsdefizit im Jahr 2010 noch 24,1 Milliarden Euro, soll es, nach Zielvorgaben der EU in diesem Jahr auf 17,1 Milliarden und bis 2014 sogar nur noch auf 6,4 Milliarden Euro sinken. Doch die Rechnung geht nur dann auf, wenn die Konjunktur endlich anspringt. Doch daran glauben selbst die größten Schönredner nicht mehr.

Das Wirtschaftswachstum wird für dieses Jahr sogar von der Regierung selbst bei MINUS 3,9 Prozent angegeben, Wirtschaftsforscher erwarten sogar ein MINUS von 4,4 Prozent. Damit drohen weitere Steuerausfälle. Ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt, denn durch Sparen kann man keine Wirtschaft ankurbeln.

Athen hat aber nicht nur versiegende Steuereinnahmen, sondern auch ein Ausgabeproblem. In den ersten sechs Monaten lagen diese bereits 1,27 Milliarden Euro ÜBER dem Plan, weil die hohe Arbeitslosigkeit die Sozialkassen höher belastet als erwartet. Griechenlands Sozialkassen stehen ebenfalls vor dem Aus: Die größte Renten- und Krankenkasse hat jetzt bereits schon 91 Prozent ihrer für das Gesamtjahr angesetzten staatlichen Subventionen aufgebraucht, bei der Arbeitsagentur sind es sogar schon 96 Prozent. Wie es danach weitergehen soll, weiß noch niemand.

Der Staat selbst bezahlt seine Rechnungen nur noch punktuell. Rechnungen in Höhe von insgesamt 6,63 Milliarden Euro, immerhin fast drei Prozent des BIP, bleiben unbezahlt. Bei ausländischen Firmen steht der griechische Staat ebenfalls hoch in der Kreide. Viele von ihnen erhielten für ihre Forderungen aus den Jahren 2005 bis 2009 kein Bargeld, sondern griechische Staatsanleihen. Diese wurden bekanntlich bis zu 30 Prozent abgewertet. Schuldentilgung auf Griechisch heißt das.

Aber egal, wie man das Blatt dreht und wendet und egal, was die gekauften Schönredner im Fernsehen sagen: Griechenland steht – trotz vieler Milliarden EU-Hilfen durch die Steuerzahler – vor dem endgültigen Aus.

__________________________

Quelle:

EU-Kommission

 

 

 


 

 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

  • Raus aus den Policen? Deutsche trennen sich von Lebensversicherungen
  • In alter Frische – frisch im Alter
  • Enthüllt: Mit der Steuernummer in den Überwachungsstaat
  • Holz und Wald: Alternative zu Gold?

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Wann kommt die »Wir zahlen nicht!«-Revolte?

Udo Ulfkotte

Von Island und Griechenland aus rollt eine neue Bewegung auf Europa zu: In Massen weigern sich Bürger, für öffentliche Leistungen zu zahlen. Verheerender noch: Sie wollen keine Schulden zurückbezahlen.  mehr …

Trotz neuer Milliarden: Chaos in Griechenland

Michael Grandt

Geringe Produktivität, hohe Arbeitskosten, niedrigere Steuereinnahmen, ein riesiges Haushaltsdefizit und eine schrumpfende Wirtschaft bringen das Land immer weiter an den Rand eines Staatsbankrotts. Die neuen Milliardenhilfen, die auch die deutsche Regierung abgesegnet hat, stellen daher ein Vermögensgefährdungsdelikt gegen die Bürger dar.  mehr …

Griechenland zahlungsunfähig – Deutsche Steuerzahler sind die Dummen

Mike Shedlock

Beim EU-Gipfel wurde erneut ein einstweiliges, wenn auch kompliziertes Hilfspaket ausgehandelt.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Der preisgünstigste, schnellste und leichteste Weg zur Entgiftung des Körpers, zu jüngerem Aussehen und besserer Gesundheit

Jane Goldberg

Vor einigen Jahren hörte ich einen Vortrag von Bernard Jensen, einem der größten Ernährungswissenschaftler in den USA und Autor von über 50 Büchern, über die Geschichte von Samson, »dem sächsischen Riesen«. Samson war ein Gewichtheber und Wrestler, den Florenz Ziegfeld in den 1920er-Jahren in die Vereinigten Staaten geholt hatte, wo er in der  mehr …

Im Teufelskreis – Interview mit Michael Morris

Michael Morris

Michael Morris ist der Autor des neuen Bestsellers Was Sie nicht wissen sollen!, in welchem er erklärt, dass eine kleine Gruppe von Privatbankiers im Geheimen unsere Welt regiert. Diese Bankiers steuern seiner Meinung nach nicht nur die FED oder die EZB, sondern auch überregionale Organisationen wie die UNO, die Weltbank, den IWF und die BIZ. Sie  mehr …

Die nächsten Jahre des Euro – Nach dem Brüsseler Gipfel: Die Rettung der Kunstwährung wird immer teurer, die große Krise kommt erst noch

Bruno Bandulet

Am Donnerstag, dem 21. Juli, wurde der Euro wieder einmal gerettet, es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Was die Regierungs- und Staatschefs der 17 Euroländer nach wochenlangem Streit auf dem Gipfel in Brüssel beschlossen haben, ist technisch kompliziert und in seiner Tragweite schwer abzuschätzen. Aber Intransparenz war – wie im  mehr …

Kollaps Europa: Die verlorene, arbeitslose Jugend – Ist die Jugend Europas noch zu retten? Interview mit Prof. Dr. Adrian, Teil III

Eva Herman

Europa hat große Probleme und befindet sich im Totalumbruch: Viele Länder taumeln dem Bankrott entgegen, wirtschaftlich und sozialpolitisch sieht es düster aus, wie die zahlreichen Unruhen derzeit zeigen. Der Demografie- und Volkswirtschaftsexperte Prof. Dr. Hermann Adrian von der Universität Mainz erläutert angesichts massiv steigender  mehr …

Australien: Bankrotte im Verborgenen

Mike Shedlock

Der Immobilienboom in Australien bricht immer mehr in sich zusammen. Viele australische Hausbesitzer steckten jeden Cent, den sie zur Verfügung hatten, in ihre Häuser, und oft waren mehrere Einkommen erforderlich, um über die Runden zu kommen. Unglücklicherweise gehen immer mehr Arbeitsplätze aufgrund des Einbruchs im Baugewerbe und im  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.