Großbritannien: Steuerbehörde soll Löhne auszahlen
Michael Grandt
Ein Vorschlag der britischen Steuerbehörde sorgt derzeit für Aufruhr: Künftig sollen Arbeitgeber die Bruttolöhne ihrer Beschäftigten zuerst an die Steuerbehörde überweisen, die dann die Steuerabzüge vornimmt, bevor das Geld auf die Konten der Arbeitnehmer transferiert wird.
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Die britische Steuerbehörde Her Majesty’s Revenue and Customs (HMRC) hat den Vorschlag gemacht, dass Arbeitgeber die Gehaltsschecks ihrer Arbeiter und Angestellten zuerst an eine Regierungsstelle senden sollen. Nach Abzug der Steuern soll der Restbetrag dann auf die Bankkonten der Beschäftigten überwiesen werden.
Die HMRC begründet ihren ungewöhnlichen Vorschlag damit, so zeitnahe und verlässlichere Informationen zu erhalten. Mit der Kontrolle der Zahlung könne außerdem besser überwacht werden, dass die anfallenden Steuern ordnungsgemäß entrichtet werden.
Derzeit behalten die Arbeitgeber die Steuer ein und zahlen diese am Jahresende in einem Einmalbetrag an die Steuerbehörde. Diese Regelung wird »Pay As You Earn« (PAYE) genannt. Dabei gibt es keine Möglichkeit für die Arbeitnehmer, die Steuerzahlung auszusetzen oder Steuern zurückzubehalten.
Sollte der neue Vorschlag der HMRC umgesetzt werden, würde zukünftig die Steuerbehörde zuerst die Gehälter der Arbeitnehmer erhalten, bevor diese dann nach Abzug der Steuer überwiesen werden.
»Der nächste Schritt könnte darin bestehen, die Echtzeitinformationen als Grundlage für die Zentralisierung der Berechnung der Steuerabzüge zu verwenden« heißt es weiter in dem Papier der HMRC. Die Steuerbehörde beschreibt ihr Vorhaben selbst als »radikale« Abkehr vom bisherigen System, das seit 66 Jahren weitgehend unverändert geblieben ist.
Kritiker hingegen befürchten, ein direkter Zugriff des Staates auf die Bankkonten der Arbeitnehmer könnte das Vertrauen der Menschen unterminieren und halten die Idee, dass Löhne zukünftig direkt von der Steuerbehörde bearbeitet werden und Beamte mit den Bruttolöhnen von Beschäftigten arbeiten als »völlig inakzeptabel«. Zwar sei klar, dass das System modernisiert werden müsste, aber nicht zu diesem Preis. Zudem gebe es jetzt schon genug Beispiele, etwa bei der zentralen Gesundheitserfassung, dass es beim Umgang mit solch gewaltigen Datenmengen zu vielen Fehlern kommen kann. Weitere Probleme würden sich aus fehlerhaften Abzügen ergeben. Es könne lang dauern, bis das Geld vom Staat dann tatsächlich auf dem Konto des Arbeitnehmers zur Verfügung stehen würde. Auch der Datenschutz sei ein großes Problem, denn bei der zentralen Speicherung solch gigantischer Datenmengen würden unweigerlich Sicherheitsrisiken bestehen.
Nichtsdestotrotz schätzt die HMRC mit der Einführung dieses neuen Konzeptes könnten Arbeitgeber etwa 500.000 Pfund (rund 575.000 Euro) einsparen. Skeptiker verweisen aber auf »phänomenal hohe Kosten« für die Umsetzung des Systems, und das in einer Zeit, in der die Regierung drastisch sparen müsse. Der Sprecher des Schatzamtes (Finanzministeriums) war zu keiner Stellungnahme bereit.
Meiner Einschätzung nach ist das ein verzweifelter Versuch des (fast) bankrotten Großbritanniens, schneller an Steuergelder seiner Bürger zu kommen als bisher. Anscheinend wird jedes Pfund dringend gebraucht.
Anmerkung: Danke an unseren Leser Thomas Ritter für die Information
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Quelle:
http://www.cnbc.com/id/39265847/UK_Proposes_All_Paychecks_Go_to_the_State_First
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