Friday, 26. August 2016
20.09.2010
 
 

In Frankreich braut sich etwas zusammen

Michael Grandt

Der EU-Wirtschaftskommissar ermahnt Paris und zeigt sich besorgt über die Wirtschaftslage in den europäischen Krisenstaaten.

Frankreich ist Gründungsmitglied der Europäischen Union und nimmt nach Deutschland den zweiten Platz bei der Bevölkerungszahl ein. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat sich seit seinem Amtsantritt auf die Fahnen geschrieben, sein Land in der Union ein stärkeres Gewicht zu verleihen. Zusammen mit Angela Merkel versucht er mit populären als auch unpopulären Vorschlägen, etwa zu einer europäischen Wirtschaftsregierung, den Führungsanspruch beider Länder gegenüber anderen Mitgliedsstaaten durchzusetzen.

Doch jetzt hat der ehrgeizige Franzose einen Dämpfer erhalten – und zwar von EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Der Finne ist nicht gerade euphorisch, was die Zukunft Europas anbelangt und ist »besorgt über die Wirtschaftslage in einigen Ländern.« Er meinte damit nicht die bekannten Krisenherde wie Griechenland, Spanien, Portugal oder Irland, sondern auch den zweitgrößten EU-Staat - Frankreich.

Wörtlich sagte er: »Ich kann Frankreich nur ermutigen, die Reformen fortzusetzen« und schielte dabei wohl auf die anhaltenden Proteste der französischen Bevölkerung gegen die Anhebung des Rentenalters von 60 auf 62 Jahre. Frankreich profitiert vom (angeblichen) Aufschwung bisher kaum, und nächstes Jahr soll die Konjunktur auf gerade mal 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum abflauen. Das läge sogar noch unter dem EU-Durchschnitt von 1,8 Prozent. Die Regierung in Paris selbst hatte zwei Prozent prognostiziert.

Aber das in der EU wichtigste Industrieland (nach Deutschland) leidet unter der Wirtschafts- und Finanzkrise. Das Bruttoinlandsprodukt fiel im Jahr 2009 um 2,25 Prozent. Die Exportschwäche hält an. Haushaltspolitische Risiken bestehen ebenfalls im Sozialbereich. Die Arbeitslosenquote stieg von 7,8 Prozent im Jahr 2008 auf 10,2 Prozent in diesem Jahr und ist unter Jugendlichen besonders hoch.

Bereits Mitte August meldete die britische Zeitung The Times, das der Triple-A-Status für Frankreichs Kreditwürdigkeit gefährdet sein könnte. Moody’s Investors Service hatte in einer Stellungnahme zuvor vor dessen Verlust gewarnt. Die Times berief sich dabei auf »nicht näher genannte Regierungsquellen«.

Frankreichs Wirtschaftsminister François Baroin hatte gegenüber lokalen Fernsehsendern erklärt, das Festhalten am AAA-Rating würde ein ganz schönes Stück Arbeit werden. Später schwächte er seine Bemerkung jedoch wieder ab.

Bei Europas Möchtegern-Musterschüler braut sich also etwas zusammen …

 

___________________________

Quellen:

EU-Kommission

Auswärtiges Amt

http://business.timesonline.co.uk/tol/business/economics/article7140657.ece

http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704476104575438893967835302.html?mod=WSJ_economy_LeftTopHighlights

 


 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • Neue Mauern in Europa - Schutzwälle gegen Zuwanderung von Roma
  • Achtung: Weniger Silber in deutschen Silbermünzen
  • Astronautenpech: Mars macht immobil
  • Berlin und die Kita-Pflicht für Einjährige

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Europa: Die Geldgier der Eurokraten

Udo Ulfkotte

In den Niederlanden bekommen Rentner vom 1. Januar 2011 an bis zu 14 Prozent weniger Geld. In Dänemark wird die Bezugszeit von Sozialhilfe halbiert. In Großbritannien soll eine neue Akademikersteuer eingeführt werden. In Griechenland steigt mit einer Erwerbslosenquote von bis zu 70 Prozent auch die Wut der Bevölkerung. Und wie reagiert man in  mehr …

Der EU-Banken-Stresstest – ein großer Schwindel

F. William Engdahl

Vor wenigen Tagen hat der Europäische Ausschuss der Bankenaufseher der EU (Committee of European Banking Supervisors, CEBS) die Ergebnisse seines »Stresstests« der europäischen Banken veröffentlicht. Erstaunlicherweise ist das Bankensystem laut diesem Testergebnis weitaus gesünder als von den Märkten befürchtet. Sofort nach Bekanntwerden des  mehr …

Das »Euro-Spiel« geht munter weiter

Michael Grandt

Die Kursrallye des Euro ist noch lange nicht zu Ende. Aber im Gegensatz zu früher folgt sie keiner volkswirtschaftlichen Logik mehr und wird für den Sparer immer unberechenbarer.  mehr …

Gesucht: Die WAHREN Schuldigen am größten EU-Betrug aller Zeiten

Michael Grandt

Der drohende Staatsbankrott Griechenlands gefährdet noch immer die Stabilität der Währungsunion und des Euro. Der »kleine Mann« muss nun dafür büßen. Dabei hätte es gar nicht so weit kommen müssen, wenn die politisch Verantwortlichen in der Vergangenheit richtig reagiert hätten. Hier sind die Namen der »Versager« und ihre Vergehen.  mehr …

Mütterrevolution in Frankreich: Frauen wollen wieder ins Haus zurück!

Eva Herman

Es tut sich was im Staate Deutschland. In Frankreich. In ganz Europa. Die Menschen sind aufgewacht. Sie protestieren, demonstrieren, widersprechen und fordern! Sie gehen auf die Straße und melden sich, sprechen endlich aus, was sie sich gestern noch nicht getrauten: Im Ausland sind es Einschnitte ins sozial abgesicherte Leben, hier ebenso. Und  mehr …

»Deutschland und Frankreich könnten AAA-Rating verlieren«

Udo Ulfkotte

Politik ist die Kunst, die Bürger immer wieder so schnell über den Tisch zu ziehen, dass sie glauben, die dabei entstehende Reibungshitze sei Nestwärme. Angela Merkel und Wolfgang Schäuble sind – wie auch der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder – Meister auf diesem Gebiet. Nun haben sie die Reibungshitze so sehr erhöht, dass ein Flächenbrand  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Bürgerbewegungen lassen europäische Politiker zusammenzucken

Udo Schulze

Noch reden die etablierten Politiker in Europa die Situation schön, noch hangeln sie sich an hohlen Versprechungen und dem angeblich existierenden »europäischen Geist« entlang. Noch blenden sie die Realität wenig gekonnt aus, wollen nicht wahrnehmen, was sich in ihren Ländern tut. Und doch wissen sie genau, dass ihnen das Wasser buchstäblich bis  mehr …

Ultraschall: Der Horror aus Nachbars Garten?

Gerhard Wisnewski

Sie lauern überall: In Dachböden und in Kellern ebenso wie am Straßenrand und in Nachbars Garten. Wo man auch geht und steht, werden kleine Apparate aktiv und senden schrille Ultraschall-Töne aus, die lauter sind, als ein startendes Flugzeug: Sogenannte Marder- und Ungezieferschreckgeräte. Besonders am Stadtrand oder auf dem Land sollen sie die  mehr …

Jupiter – selten so nahe!

Andreas von Rétyi

Was derzeit jeden Abend so auffallend hell über dem östlichen Horizont auftaucht, ist Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems. Augenblicklich steht er besonders nahe, heute Nacht erreicht er seinen geringsten Abstand zur Erde. Und fast schon wirkt Jupiter wie ein leuchtendes UFO am Himmel. Erst im Jahr 2022 wird er uns wieder vergleichbar  mehr …

Alles nur ein Missverständnis? Deutschland schiebt Roma ab

Udo Schulze

Jaja, so kann es gehen: Kaum den französischen Staatspräsidenten düpiert und schon aufgefallen. Während Bundeskanzlerin Merkel nach dem EU-Gipfel die Empörte spielte und behauptete, mit Sarkozy nie über Abschiebungen von Roma aus Deutschland gesprochen zu haben, packen diese bereits ihre Koffer – auf Anweisung der Bundesregierung!    mehr …

Europa: Die Geldgier der Eurokraten

Udo Ulfkotte

In den Niederlanden bekommen Rentner vom 1. Januar 2011 an bis zu 14 Prozent weniger Geld. In Dänemark wird die Bezugszeit von Sozialhilfe halbiert. In Großbritannien soll eine neue Akademikersteuer eingeführt werden. In Griechenland steigt mit einer Erwerbslosenquote von bis zu 70 Prozent auch die Wut der Bevölkerung. Und wie reagiert man in  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.