Saturday, 28. May 2016
14.06.2011
 
 

Infiziert der »Griechenland-Virus« jetzt auch Bulgarien?

Michael Grandt

Beide Länder sind wirtschaftlich sehr eng miteinander verflochten. Griechische Banken halten rund ein Drittel aller Aktiva auf dem bulgarischen Finanzmarkt. Fällt Griechenland, ist auch Bulgarien in höchster Not.

Bulgarien wurde am 1. Januar 2007 in die Europäische Union (EU) aufgenommen. Viele kritisierten dies damals, stand das Land 1996 doch vor dem Bankrott und konnte sich nur durch Milliardenhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank halbwegs konsolidieren. Zudem lag die allgemeine Preissteigerung im Beitrittsjahr bei rund 13 Prozent.

Bulgarien weist heute die höchste Armutsquote (über 20 Prozent) und das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen (10.600 Euro pro Einwohner) innerhalb der EU auf. Die Arbeitslosenquote liegt laut Eurostat knapp über 11 Prozent (Gesamt-EU: 9,4 Prozent). Besonders benachteiligt sind Arbeitslose, Behinderte und Rentner. Bulgarien ist somit offiziell das »ärmste Land« der EU.

Jetzt hat die weltweite Wirtschafts-, Finanz- und Schuldenkrise die Situation noch verschlimmert. Die Wirtschaft, besonders der Bausektor, ist abgestürzt und die Investitionsbereitschaft nimmt immer mehr ab. Die Folge: höhere Arbeitslosigkeit. Der konservative Ministerpräsident Bojko Borissow schwor seine Mitbürger in einem Fernsehinterview unlängst auf noch härtere Zeiten ein und rief dazu auf, jenen, denen es schlecht gehe, im eigenen Garten Kartoffeln anzubauen, da es in Bulgarien ja schließlich genug fruchtbares Land gebe. Er selbst hätte ja auch noch nie Kartoffeln in einem Gemüseladen eingekauft.

Das hörten die Menschen natürlich nicht gerne und fühlten sich zu recht verschaukelt. Denn angesichts der Tatsache, dass die Bulgaren im Durchschnitt nur ein Drittel soviel verdienen wie die Westeuropäer und die Durschnittseinkommen in den letzten zwei Jahren gesunken sind, klingt die Forderung des Ministerpräsidenten wie blanker Hohn. »Gerächt« haben sich die Bürger schon im letzten Jahr: Als die Regierung die Tabaksteuer drastisch erhöhte, besorgten sie sich mehrheitlich Zigaretten auf dem Schwarzmarkt, sodass anstatt der erhofften Mehreinnahmen durch die Steuer ein sehr viel geringeres Aufkommen generiert wurde.

Dazu kommt, dass griechische Banken etwa 30 Prozent aller Aktiva auf dem bulgarischen Finanzmarkt halten. Beide Länder sind wirtschaftlich sehr eng miteinander verflochten. Ist Griechenland bankrott oder muss umschulden, ist auch Bulgarien – und damit auch andere osteuropäische Länder – in höchster Not. Experten warnen schon jetzt vor einer Katastrophe auf dem Balkan, die schnell auch auf Österreich überschwappen könnte.

Jetzt soll ein Drei-Jahres-Plan Bulgarien retten, um die maroden Staatsfinanzen zu sanieren und das dazu dringend benötigte Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Doch vieles hängt von den Entwicklungen in Griechenland ab.

 

__________________________

Quellen:

IWF

eurostat

investor.bg

bulgarisches Finanzministerium

IWF

google

Handelsblatt vom 06.06.2011

 

 


 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • EU: Gier-Beamte zahlen nur 1,1 Prozent Steuern
  • Schweiz: Gentechnik lohnt sich für viele Bauern nicht
  • Bioterror mit EHEC? Was die Politik den Bürgern verschweigt
  • Blackout: Ohne Strom in die Katastrophe

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Endlich Termin: Bundesverfassungsgericht verhandelt Klagen gegen Euro-Rettungsschirm am 5. Juli 2011

Redaktion

Die Euro-Politiker wird es nicht freuen, doch die Euro-Kritiker atmen nach mühevollem Kampf auf. Denn endlich wurde der Termin bekanntgegeben: Das Bundesverfassungsgericht verhandelt mündlich am 5. Juli über die Klagen gegen den Euro-Rettungsschirm sowie gegen die Griechenland-Hilfe. Geklagt hat eine Gruppe um den Tübinger  mehr …

Kaufen Sie Griechenland-Anleihen!

Michael Grandt

Es hört sich wie ein Witz an und doch ist es ernst: Die Euro-Zone will private Anleger dazu bringen, freiwillig griechische Staatsanleihen zu kaufen. Sie werden vielleicht sagen: »Gut so, dann sind auch mal die Banken dran, das wünsche ich mir schon lange« – aber Vorsicht mit diesem vorschnellen Urteil, denn das könnte schnell zum Bumerang für Sie  mehr …

»Bad Bank« EZB

Michael Grandt

Die Europäische Zentralbank hält für viele Hundert Milliarden Euro »toxische« Anleihen der Krisenstaaten Griechenland, Portugal, Irland und noch andere »nicht marktfähige Finanzinstrumente«. Das wird für die EZB selbst zu einem immer größeren Problem. Doch die Verantwortlichen verdrängen und schweigen.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Vielleicht verurteilen Ihre Gene Sie gar nicht zu Krebs oder anderen Krankheiten – Wissenschaftler halten Risikoforschung für ungenau

S. L. Baker

Zahllose Menschen haben sich regelmäßig teuren Tests unterzogen und möglicherweise sogar ganze Organe entfernen lassen, weil man ihnen aufgrund einer genetischen Untersuchung eingeredet hat, sie würden mit Sicherheit an Krebs erkranken. So wurden beispielsweise Frauen die Brüste amputiert, um einer späteren Krebserkrankung zuvorzukommen. Andere  mehr …

Verliert Großbritannien das »AAA«-Rating?

Michael Grandt

Götterdämmerung in Europa: Die Ratingagentur Moody’s droht dem Vereinigten Königreich mit der Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Jetzt sollen eine halbe Million Menschen im öffentlichen Dienst entlassen, die Sozialhilfe und das Kindergeld gekürzt werden.  mehr …

Britische Aristokraten als Kannibalen?

Andreas von Rétyi

Waren die Mitglieder des britischen Königshauses bis ins 17. Jahrhundert Kannibalen? Das jedenfalls behauptet ein Historiker. Was abwegig klingt, hat allerdings einen realen Hintergrund.  mehr …

Forensische Hinweise darauf, dass E.-coli-Supererreger möglicherweise biotechnisch hergestellt wurden, um Menschen zu töten

Mike Adams

In der gesamten EU macht man zurzeit Gemüse für den Ausbruch des super-resistenten E.-coli-Stamms verantwortlich. E. coli führt zu schweren Erkrankungen, Krankenhäuser in Deutschland verzeichnen einen wahren Ansturm von Patienten. Und dennoch spricht kaum jemand darüber, wie es eigentlich möglich ist, dass E.-coli-Bakterien gegen acht verschiedene  mehr …

Ehec-Rätsel gelöst? Informationen über ein geheimes B-Waffen-Forschungsprojekt der Bundeswehr

Udo Ulfkotte

Wie es aussieht, hat die Bundesregierung in Zusammenhang mit dem gefährlichen Ehec-Darmbakterium der Bevölkerung wohl nicht die Wahrheit gesagt. Denn die Bundeswehr unterhält ein streng geheimes B-Waffen-Forschungsprojekt, um deutsche Soldaten bei Auslandseinsätzen in Afrika vor mutierten Bakterien zu schützen. In diesem Zusammenhang soll man in  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.