Sunday, 26. June 2016
30.01.2011
 
 

Ist Zypern der nächste EU-Bankrott-Staat?

Michael Grandt

Noch beachtet niemand die kleine Insel im Mittelmeer, doch sie könnte bald schon in den Mittelpunkt des Interesses rücken, wenn ihr das gleiche Schicksal droht wie Griechenland – der Staatsbankrott.

Bisher hat die Mainstreampresse den kleinen Inselstaat im Mittelmeer ignoriert, der erst im Jahr 2008 in die Europäische Währungsunion aufgenommen wurde. Das könnte sich aber bald ändern, denn das Wirtschaftswachstum und die Finanzstabilität hängen stark von der Entwicklung in Griechenland ab, das immerhin 22 Prozent der zyprischen Exporte abnimmt und somit der größte Handelspartner ist.

Geht es also Griechenland schlecht, ist auch Zypern in ernster Gefahr – und die Zeichen stehen auf Sturm: Anlass zur Sorge geben die steigenden Defizite und Schulden und die schon angesprochene enge Verflechtung der zyprischen Wirtschaft mit dem maroden Griechenland, dessen BIP 2010 um 4,2 Prozent und 2011 um weitere drei Prozent schrumpfen wird. Die zyprische Wirtschaft läuft also Gefahr, in den griechischen Sog zu geraten. Zudem sind die zyprischen Banken mit hohen Risiken konfrontiert, weil sie sich sehr in ihrem Nachbarland engagieren. Die Beteiligung der zyprischen Geldinstitute entspricht rund dem 2,5-Fachen der Wirtschaftsleistung der kleinen Mittelmeerinsel.

Die drei größten zyprischen Banken, die Bank of Cyprus, die Marfin Popular Bank und die Hellenic Bank haben sich in den vergangenen Jahren auf dem griechischen Markt konsequent eingerichtet. Das rächt sich in Zeiten der Rezession, die Griechenland besonders hart trifft: Nicht nur heimische auch zyprische Banken, die rund 40 Prozent ihrer Kredite an Griechenland vergeben, kämpfen mit zunehmenden Kreditausfällen. Prognosen zufolge wird die Quote der notleidenden Darlehen in diesem Jahr bei zwölf Prozent der gesamten Kreditsumme sein. Ein nicht zu unterschätzendes Problem also auch für die Banken in Zypern, denen dann hohe Abschreibungen drohen dürften.

Aber nicht nur die Kreditvergabe stellt für die zyprischen Banken ein Risiko dar, sondern auch das Engagement in griechischen Staatsanleihen, die Bonds im Volumen von rund fünf Milliarden Euro halten.

Diese hohen Risiken, eine Staatsverschuldung, die von 58,3 Prozent (2008) auf 79 Prozent (2011) steigen soll und die »schiere Größe« des Bankensektors veranlasste die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) dann auch im November 2010 dazu, die Kreditwürdigkeit Zyperns von »A+« auf »A–« herunterzustufen, was die Rendite von zyprischen Staatsanleihen um fast zwei Prozent in die Höhe trieb.

Im Dezember 2010 warnte Zyperns Zentralbankchef Athanasios Orfanides vor der Haushaltspolitik der Regierung, die den aufgeblähten Staatssektor beschneiden und die Gehälter im öffentlichen Dienst kürzen solle, anstatt die Rentenversicherung zu sanieren. Damit mache die Regierung dieselben Fehler, die Griechenland bereits an den Rand des Bankrotts gebracht habe.

 

 

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Quelle: Welt am Sonntag vom 28. Dezember 2010

 

 


 

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