Tuesday, 24. May 2016
23.09.2010
 
 

Rumänien steht vor dem Staatsbankrott

Michael Grandt

Der rumänische Premierminister musste vor dem Parlament zugeben, dass niemand mehr seinem Land Geld leihen will, die Zahlungsunfähigkeit droht.

Rumänien wurde erst am 1. Januar 2007 in die europäische Familie aufgenommen. Nun droht innerhalb von nur 19 Monaten der zweite Staatsbankrott. Das jedenfalls musste Premierminister Emil Boc am 21. September im Parlament in Bukarest schweren Herzens zugeben und einräumen, dass »niemand unserem Land langfristig Geld leihen will wegen der makroökonomischen Ungleichgewichte«.

Zuletzt konnte Rumänien seine Staatsanleihen am Finanzmarkt nicht mehr in voller Höhe platzieren. Als letzten Ausweg kündigte der Premierminister nun an, nächstes Jahr ein neues Milliardenabkommen mit dem IWF abzuschließen.

Dabei war das erneute Desaster absehbar. Bereits Ende Februar 2009 erklärte die rumänische Zentralbank, das Land müsse die EU und den Internationalen Währungsfonds um Hilfe bitten.

Das Ganze hatte eine Vorgeschichte, denn die rumänischen KMU (kleine und mittlere Unternehmen) kamen in den vorausgegangenen Jahren ihren Steuerzahlungen nicht mehr nach. Daraufhin schickte der Staat Gerichtsvollzieher, um die überfälligen Steuern einzutreiben. Dies führte in 90 Prozent (!) der Fälle zu Pleiten, worauf die Wirtschaft praktisch zum Stillstand kam und die Arbeitslosigkeit massiv anstieg.

Im Jahr 2009 ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um rund 7,5 Prozent zurück, währenddessen es 2007 noch um 7,5 Prozent anstieg. Der Internationale Währungsfonds mit seinen milliardenschweren Notkrediten war schon damals der Retter in der Not. Doch anstatt das Geld zur Konsolidierung des Staatshaushaltes zu verwenden, stiegen zunächst die Löhne um 20 Prozent, die Renten wurden drastisch erhöht und die Zahl der Staatsbediensteten vervielfachte sich.

Ob die Regierung in Bukarest erneut Milliarden vom IWF erhält, ist fraglich, denn nach wie vor kann das Land die ihm auferlegten Sparmaßnahmen nicht umsetzen. Ohne dieses neue Geld aber ist Rumänien pleite – der nächste Staatsbankrott in der EU bahnt sich an.

 

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Quellen:

 

Handelsblatt vom 22.09.2010

Handelsblatt vom 25.11.2009

http://www.thomsonreuters.com/products_services/financial/financial_products/investment_management/research_analysis/datastream

Handelsblatt vom 08.12.2009

 


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