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Die USA versuchen ihre horrenden Staatsschulden zu verringern, die Japaner ihr Wachstum zu steigern und die Chinesen weiterhin ihren stark wachsenden Export auf Kosten der anderen Wirtschaftsnationen aufrecht zu erhalten. Das sind die Gründe, warum der Euro gegenüber dem US-Dollar, dem chinesischen Yuan und dem japanischen Yen so stark angestiegen ist. Aber was sich für die eine Wirtschaft positiv auswirkt, bringt für die andere Nachteile. Die Strategie der niedrigen Preise verteuert die Exporte aus Europa und macht die Importe aus Ländern mit schwacher Währung deutlich billiger, was einheimischen Unternehmen immer mehr zu schaffen macht.
Die Europäer reagieren. Laut dem »Handelsblatt« äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Asien-Europa-Gipfel in Brüssel dahingehend, dass man »schnellstmöglich über die Zukunft einer Währungsordnung reden« müsse. Und auch der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy will seine, am 12. November beginnende Präsidentschaft der G20, der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, dazu nutzen, den Grundstein für eine »neue Währungsordnung« zu legen.
Europa setzt mit seiner Geldpolitik traditionell auf stabile Wechselkurse und eine geringe Inflation. Die Europäische Zentralbank übt sich in Zurückhaltung, was eine Abwertung des Euros betrifft, da Devisenmarktinterventionen auf dem europäischen Kontinent schon immer als ein Zeichen von Schwäche galten.
Bei einem Krieg der Währungen könnte die Eurozone leicht als der weltweite Verlierer dastehen, da alle übrigen großen Wirtschaftsnationen versuchen, mittels Inflation ihre Defizite zu bereinigen.
Japan hat bereits auf die währungspolitischen Veränderungen reagiert. Im September stieg der Yen auf den höchsten Stand seit 15 Jahren. Daraufhin beauftragte die japanische Regierung die Notenbank, auf dem Devisenmarkt im großen Stil Dollar zu kaufen.
Amerika greift ebenfalls zu drastischen Mitteln, um die stockende heimische Wirtschaft wieder ins Laufen zu bringen. »Die USA drucken immer mehr Geld. Man will sich über die Schwächung der Währung Schub von außen besorgen«, so die Aussage von Hans-Günter Redeker, Währungsexperte von BNP Paribas.
Im Gegensatz zu Europa hat die Politik der künstlich niedrig gehaltenen Währung in China bereits Tradition. Anlässlich des oben bereits erwähnten Asien-Europa-Gipfels sollte demnach auch die Bundeskanzlerin dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao in aller Form klargemacht haben, dass Europa sich eine geregelte und umfassende Aufwertung des Yuan wünsche. Der chinesische Ministerpräsident soll daraufhin nur freundlich gelächelt haben.
Der frühere US-Finanzminister, John Connally, sagte einmal: »Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.« Ein Statement, bei dem die Chinesen offenbar sehr genau aufgepasst haben, denn aus Peking ging dann auch die Aussage »Der Yuan ist unsere Währung, aber euer Problem« an den Rest der Welt.
Der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, hatte zuvor bei einem Treffen in Brüssel festgestellt, dass China aufgrund des unterbewerteten Wechselkurses eine geregelte Aufwertung vornehmen solle.
Das Repräsentantenhaus der USA hat bereits Strafzölle gegen China auf den Weg gebracht, um so eine Reaktion der chinesischen Regierung zu erzwingen. Die Politkommissare betreiben nach wie vor die Wechselkurspolitik eines Entwicklungslandes, doch wird China bis zum Ende des Jahres Japan überholen und sich hinter den USA als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt einreihen. China verfügt zudem mit ca. 2,5 Billionen Dollar über die größten Devisenreserven auf dem Planeten.
Nach Schätzungen von Experten aus dem Bundesfinanzministerium ist der chinesische Yuan bis zu 27 Prozent unterbewertet, der koreanische Won um die 20, der brasilianische Real bis zu 23 und der argentinische Peso um bis zu 37 Prozent. Der US-Dollar und der Euro sind demnach um 13 Prozent überbewertet.
Je geringer der Wechselkurs, umso wettbewerbsfähiger sind die Exporte auf den Weltmärkten. Eine drastische Aufwertung des Yuans innerhalb von kürzester Zeit würde jedoch kein Jobwunder auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt auslösen, denn es sind unter anderem auch mangelhafte und zu teuer produzierte Produkte, die den amerikanischen Export bremsen.
Chinesen und Amerikaner sind jedoch nicht die Einzigen, die versuchen, auf Kosten anderer Länder die eigene Wirtschaft anzukurbeln. Andere asiatischen Staaten achten durch eigene Interventionen, auf gleicher Höhe mit dem Yuan zu bleiben, um so nicht an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.
Eine Nebenwirkung der Politik der schwachen Währung erfährt gerade Brasilien. Da die Leitzinsen der großen Industrieländer auf annähernd null gehalten werden, sind viele Investoren auf Brasilien aufmerksam geworden und haben in hohem Maße investiert. Als Reaktion darauf stieg der brasilianische Real rapide im Wert an und die Exporte verteuerten sich. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega warnte bereits vor einem Währungskrieg. Als Reaktion der Aufwertung des Reals hat die brasilianische Regierung den Steuersatz für Anleihen von zwei auf vier Prozent verdoppelt.
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