Wednesday, 23. May 2012
30.08.2011
 

So erpressen die Griechen Europa

Michael Grandt

Langsam gehen die Lichter aus für Griechenland. Der Staatsbankrott scheint unabwendbar. Mit letzten Tricks versucht man noch über die Runden zu kommen.

Dass Griechenland umschulden muss, war schon lange klar, allerdings nicht den Politikern. Als es dann doch soweit war, wurde schnell ein zweites Hilfspaket geschnürt und private Gläubiger gedrängt, sich auf »freiwilliger« Basis an der Rettung zu beteiligen, bevor Athen den Staatsbankrott verkünden musste.

Doch so freiwillig wie es scheint, ist die Beteiligung der privaten Anleihegläubiger (das heißt Banken, Versicherungen, Fonds und andere Anleger) nicht. Die griechische Regierung FORDERT nun eine hohe Beteiligung an der geplanten Umschuldung: Sollten weniger als 90 Prozent der

privaten Investoren zum Tausch ihrer Staatsanleihen bereit sein, soll der Schuldentausch nicht stattfinden. Das geht aus einem Brief der griechischen Regierung an 57 ausländische Finanzminister hervor. Diese sollen dann offensichtlich Druck auf die privaten Gläubiger ausüben, sich dem Willen Athens zu unterwerfen. Zwar hatte der Bankenweltverband IIF einen Schuldentausch von Altanleihen (Laufzeit bis 2020) in neue, niedrig verzinste, aber besser abgesicherte Bonds in einem Volumen von 135 Milliarden Euro angeregt, aber bisher liegt die Beteiligungsquote nur bei 60 bis 70 Prozent, was die Griechen einmal mehr erzürnt.

 

Sollte Athen seine Drohung (das heißt Erpressung) wahr machen und den Anleihetausch scheitern lassen, werden höhere Abschreibungen auf den europäischen Finanzsektor zukommen. Anstatt Banken und Versicherungen – wie bisher vereinbart – auf 21 Prozent ihrer Forderungen verzichten (müssen), dürfte der Schaden um einiges größer sein, denn griechische Bonds haben ihren Wert an der Börse nahezu halbiert. Somit verfügen die Griechen über ein gutes Erpressungspotenzial, das sie auch skrupellos in die Waagschale werfen.

Dabei steht das eigene Land kurz vor dem endgültigen Kollaps: Reformen und Privatisierungspläne kommen nicht richtig voran und man rutscht immer tiefer in die Rezession. Volkswirte erwarten jetzt sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent, Anfang des Jahres ging man noch von lediglich 3,8 Prozent aus. Das Haushaltsdefizit in den ersten sechs Monaten betrug 15,57 Milliarden Euro und ist damit 3,1 Milliarden Euro höher als im Vorjahreszeitraum – und das trotz zweier Rettungspakete.

 

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Quellen:

Wall Street Journal vom 28. August 2011

Handelsblatt vom 29. August 2011

 

 

 


 

 

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