Friday, 30. September 2016
25.04.2011
 
 

Spanien: »Retter« oder »Zerstörer« des Euro?

Michael Grandt

Nach Griechenland und Irland steht jetzt auch Portugal vor der Zahlungsunfähigkeit. Aber schon längst haben die Märkte den nächsten Kandidaten im Visier: Spanien alles läuft nach demselben Drehbuch.

Spanien als »Retter« oder »Zerstörer« des Euro? – So jedenfalls sehen das derzeit viele Finanzexperten, denn die Zukunft der Gemeinschaftswährung wird vom Reformeifer der Iberer beeinflusst.

Spaniens sozialistischer Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero kämpft seit September 2009 um eine Verbesserung der finanziellen Lage seines Landes. Schon damals kündigte er drastische Steuererhöhungen an, um die öffentlichen Finanzen zu konsolidieren, und machte im Parlament deutlich, wie schwierig die Lage in seinem Land ist. Auch sein Anfang Dezember 2010 vorgestelltes »Anti-Krisen-Paket« brachte bisher nicht den durchschlagenden Erfolg. Ein großes Problem stellen nach wie vor die heimischen Banken dar, die sich im Immobiliensektor verzockt haben: 445 Milliarden Euro schuldet der Bausektor den spanischen Kreditinstituten und die faulen Kredite sind nur zu 35 Prozent durch Rückstellungen gedeckt. Das ist viel zu wenig, meinen Kritiker. Dazu kommen die vielen privaten Sparkassen, die, Schätzungen zufolge, dieses Jahr noch rund 40 Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen müssen, doch bereits jetzt schon auf dem freien Markt nur noch schwerlich Geld beschaffen können. Auch der spanische Staat braucht bis 2013 rund 350 Milliarden Euro neues Kapital.

Ende September vergangenen Jahres stufte die zweitgrößte Ratingagentur der Welt, Moody’s, Spanien denn auch folgerichtig auf »Aa2« herab. Das begehrte »Triple-A«-Rating ist für Madrid seither Geschichte, denn keine der drei großen Ratingagenturen bewertet das Land noch mit der Spitzennote.

Und jetzt auch noch der De-facto-Staatsbankrott von Portugal, Spaniens westlichem Nachbarn, bei dem die heimischen Geldinstitute mit rund 80 Milliarden Dollar engagiert sind. Noch Ende November 2010 sagte die spanische Finanzministerin: »Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir keine Hilfe brauchen« und Spaniens Europaminister Lopez Garrido fügte hinzu: »Für Spanien gibt es keinen Grund, die EU um Hilfe zu bitten. Wir reduzieren unser Defizit und kommen aus der Krise. Wir bezahlen unsere Schulden aus eigener Kraft zurück, kein Zweifel.« Vergangene Woche ließ die spanische Wirtschaftsministerin Elena Salgado verlauten, dass es »absolut ausgeschlossen« sei, dass die Krise auf Spanien überspringe. Wirklich?

Dieses Gerede kennen wir zur Genüge. Fast dieselben Worte haben die Finanzminister von Griechenland, Irland und jüngst Portugal gebraucht, bevor sie sich von den anderen EU-Staaten retten lassen mussten.

Doch Spanien ist weit mehr als diese drei Länder zusammen. Spanien hat die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Zudem liegt das aktuelle Haushaltsdefizit bei satten neun Prozent – höher als bei Portugal, und auch das Außenhandelsdefizit ist ohne ernsthaftes Sparen nicht mehr zu finanzieren. Weitere Achillesfersen sind die Rekordarbeitslosigkeit und die hohe Verschuldung der privaten Haushalte, was den Binnenkonsum lähmt. Viele Hausbesitzer können ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen und die Banken sitzen deshalb auf ausfallgefährdeten Krediten in Milliardenhöhe. Anders als bei den anderen Bankrott-Kandidaten halten nur etwa ein Drittel ausländische Investoren spanische Staatsanleihen. Optimisten sehen das als gutes Zeichen, Pessimisten hingegen verweisen darauf, dass Spanien gerade deswegen europäische Hilfe in Anspruch nehmen könnte, damit die heimischen Wähler nicht vor den Verlust ihrer Ersparnisse und Vermögen gestellt werden, um keine sozialen Unruhen heraufzubeschwören wie etwa in Griechenland.

Ich tippe auf Spaniens Crash in den nächsten zehn Monaten. Dann wird alles sehr schnell gehen. Denn fällt Spanien, fällt der Euro und auch die EU, so wie wir sie kennen.

 

 


 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

  • Wachstumsmarkt Mitleidsindustrie: Geschäft mit dem schlechten Gewissen
  • Finanzielle Notlage? Bundesregierung deckt 60 Prozent Wucherzinsen
  • Silbermünzen: Weniger Silber und ein Drittel teurer
  • Geheimdienste: Spionage in den Genen

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Werden die Iren noch vor Griechenland umschulden müssen?

Michael Grandt

Die ganze Welt schaut in diesen Tagen auf Griechenland oder die USA. Doch Irland, das bereits durch die EU und den deutschen Steuerzahler »gerettet« schien, steht jetzt endgültig vor dem Kollaps.  mehr …

So funktioniert der Euro-Rettungsschirm

Michael Grandt

Irland, Portugal, Spanien und Griechenland stehen an den Finanzmärkten wegen ihrer hohen Verschuldung immer noch oder wieder unter Druck. Der Euro-Rettungsschirm soll das Schlimmste verhindern.  mehr …

Brodelnde Krisenherde: Ungarn, Spanien und Belgien

Redaktion

Ungarn verstaatlicht die privaten Rentenersparnisse seiner Bürger, Spanien setzt säumige Mieter auf die Straße und Belgien droht ohne Regierung bankrott auseinanderzubrechen.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Das Super-Auge des Pentagon

Andreas von Rétyi

Das US-Verteidigungsministerium läutet eine neue Ära der Weltraumüberwachung ein. Dazu betraute es seine hauseigene Denkfabrik DARPA mit der Entwicklung eines neuartigen Großteleskops, das verschiedene Aufgaben übernehmen soll. So sollen unter anderem auch militärische Satelliten vor Kollisionen mit anderen Orbitalflugkörpern geschützt werden. Das  mehr …

Werden die Iren noch vor Griechenland umschulden müssen?

Michael Grandt

Die ganze Welt schaut in diesen Tagen auf Griechenland oder die USA. Doch Irland, das bereits durch die EU und den deutschen Steuerzahler »gerettet« schien, steht jetzt endgültig vor dem Kollaps.  mehr …

Wissenschaftler: Erwärmung durch Kohlendioxid ist viel zu gering, um sich darüber Sorgen machen zu müssen!

David Evans

Die Debatte über die globale Erwärmung hat mittlerweile lächerliche Ausmaße angenommen und steckt voller mikrodünner Halbwahrheiten und Missverständnisse. Ich bin ein Wissenschaftler, der einst auf dem Zug der Erwärmung mitgefahren war, der die Beweise versteht, der einst ein Alarmist war, der aber inzwischen Skeptiker geworden ist. Es war  mehr …

Positiv denken: Die guten Nachrichten des Tages

Udo Ulfkotte

Die Welt ist schlecht. Viele Nachrichten deprimieren uns. Dabei gibt es auch sie, die GUTEN Nachrichten. Weil sie den Medien oft nicht wichtig erscheinen, nachfolgend eine kleine aktuelle Auswahl.  mehr …

Steigende Nahrungsmittelpreise führen in den USA zur Zunahme dreister Diebstähle bei landwirtschaftlichen Produkten und Fleisch

Ethan A. Huff

Vergessen Sie Diamanten und Bargeld, wenn es um Raubüberfälle geht. Die steigende Inflation und die angeschlagene amerikanische Wirtschaft haben eine neue Welle der Organisierten Kriminalität entstehen lassen: den Diebstahl von Lebensmitteln. Die New York Times (NYT) berichtete, eine Gruppe hochspezialisierter Betrüger habe vor Kurzem einen  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.