Tuesday, 26. July 2016
20.09.2011
 
 

Ungarn zieht Österreich in die Krise

Michael Grandt

Das Euro-Crash-Spiel geht munter weiter: Aufgrund eines neuen ungarischen Gesetzes müssen Österreichs Banken bis zu 25 (!) Prozent ihrer Fremdwährungskreditforderungen abschreiben. Das ruft die Rating-Agentur Standard & Poor’s auf den Plan, die Österreich auf »Beoachtung« setzt.

Wie meine Kollegin Christine Rütlisberger in ihrem Beitrag »Österreich: Banken droht Enteignung wegen Ungarn-Krediten« bereits geschrieben hat, bahnt sich die nächste finanzielle Katastrophe in Österreich an: »Dort haben die Banken nämlich viele Kredite in Euro oder Schweizer Franken an Privatleute in ehemaligen Ostblockstaaten vergeben [zu günstigen Zinsen, MGR]. Zwei Drittel der Schuldner können bereits nicht mehr zahlen. Es geht um 5 Milliarden Euro, die österreichische Banken allein in Ungarn an Bürger verliehen haben. Von 1,3 Millionen Kreditnehmern können 800.000 schon jetzt nicht mehr zahlen. Und jeden Tag werden es mehr. Die österreichischen Banken hatten den Ungarn Franken-Kredite vermittelt, als der Kurs des Euro im Verhältnis zum Franken hoch war.

Jetzt hat das Parlament in Budapest, trotz heftiger Proteste der österreichischen Regierung, das umstrittene Gesetz verabschiedet. Es ermöglicht eine vorzeitige Tilgung von hypothekarischen Fremdwährungskrediten zu einem festgelegten Wechselkurs. Dadurch können die Inhaber von Fremdwährungskrediten ihre Hypotheken in einer Summe zum Kurs von 180 Forint je Schweizer Franken (was fast ein Viertel unter dem tatsächlichen Wechselkurs liegt) tilgen. Den Verlust müssen hauptsächlich österreichische Banken abschreiben, die die meisten Fremdwährungskredite in Ungarn vermittelten.

Es geht um rund eine Million dieser Kredite, über 90 Prozent in Schweizer Franken. Da dieser aber immer stärker wurde, sind die Fremdwährungskreditraten so teuer geworden, dass immer mehr Ungarn nicht mehr tilgen können. Denn statt 150 Forint muss man heute 235 Forint für einen Schweizer Franken bezahlen.

Die österreichische Regierung kennt die Risiken dieser enormen Abschreibungen aufgrund des neuen ungarischen Gesetzes und protestierte heftig gegen die staatliche »Enteignung« ihrer Banken, die nun Milliarden abschreiben müssen und selbst in Schieflage geraten könnten. Sie erwägt juristische Schritte und hofft auf Unterstützung aus Brüssel.

Die Folge: Die Rating-Agentur Standard & Poor's nimmt jetzt auch Österreich ins Visier, weil deren Banken »erhebliche Beträge« (fast 25 Prozent) verlieren könnten.

Übrigens habe ich bereits im Mai 2010 in meinem Buch »Der Staatsbankrott kommt!« diese Entwicklungen vorausgesehen und geschrieben: »Die gigantischen Zahlungsausfälle würden Österreich an den Rand des Ruins bringen, denn das Land kann für die ausstehenden Kredite nicht geradestehen.«

 

 


 

 

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