Wednesday, 23. May 2012
12.06.2011
 

Verliert Großbritannien das »AAA«-Rating?

Michael Grandt

Götterdämmerung in Europa: Die Ratingagentur Moody’s droht dem Vereinigten Königreich mit der Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Jetzt sollen eine halbe Million Menschen im öffentlichen Dienst entlassen, die Sozialhilfe und das Kindergeld gekürzt werden.

Nun gerät auch Großbritannien ins Visier der Ratingagenturen. Moody’s droht sogar mittelfristig mit der Herabstufung vom Triple-A-Rating, wenn das Wirtschaftswachstum sich nicht stabilisiert und die Sparmaßnahmen nicht rigoros umgesetzt werden. Bereits in diesem Jahr muss London sieben Prozent seiner Einnahmen für den Schuldendienst ausgeben, bis 2013 werden es knapp neun Prozent sein, warnt Moody’s. Großbritannien steht also vor schweren Zeiten. Aber wie konnte es soweit kommen?

»Inflate or die« war das Motto der Bank von England zu Gordon Browns Zeiten, um den Konsum anzukurbeln. Doch dadurch geriet der Staat noch viel tiefer in die Krise.

Auch die neue Regierung Cameron bemüht sich verzweifelt, die wirtschaftliche Lage des Vereinigten Königreichs zu verbessern. Bisher vergeblich, denn der Zustand der britischen Volkswirtschaft ist nach wie vor verheerend, die Immobilienblase gigantisch. Schon vor mehr als einem Jahr warnte die Bank of England in ihrem Bericht zur Stabilität der Finanzmärkte ungewöhnlich deutlich vor den Gefahren, die vom Immobilienmarkt für die Sanierung des Bankensektors ausgehen. Die Notenbanker sahen hier sogar eines der »Schlüsselrisiken« für die Finanzmärkte. Die Warnung kam nicht von ungefähr: 160 Milliarden britische Pfund an Krediten für Immobilien stehen noch innerhalb der nächsten drei Jahre zur Refinanzierung an. Welche verheerenden Auswirkungen es haben kann, wenn die Refinanzierung in Schwierigkeiten gerät, hat uns die Subprime-Krise in den USA vor zwei Jahren deutlich vor Augen geführt: eine Weltwirtschaftskrise unbekannten Ausmaßes. Diesesmal würde sie nicht von den Amerikanern, sondern von den Briten ausgehen.

Das Staatsdefizit liegt bei 10,4 Prozent, nur knapp weniger wie das Griechenlands. Bis zum Ende der Legislaturperiode will London 80 Milliarden Pfund (das entspricht 90 Milliarden Euro) sparen.

Auch die private Verschuldung ist enorm: Derzeit liegt sie bei über 155 Prozent. Ende der 1970er-Jahre arbeiteten noch sieben Millionen Menschen, fast 26 Prozent aller Beschäftigten, in der britischen Industrie. Heute sind es nur noch 2,9 Millionen, also 9,4 Prozent aller Jobs. Hinzu kommt eine Aufblähung der Bankbilanzen. So erreichte die Bilanzsumme britischer Banken fast 484 Prozent der Wirtschaftsleistung (Deutschland 317 Prozent; Euro-Raum 354 Prozent). Die gesamte Haushaltslage ist so katastrophal wie seit den 1950er-Jahren nicht mehr. Das Hauptproblem ist, wie die kleinen und mittleren Unternehmen wieder an Geld kommen.

So wird die Lage der britischen Staatsfinanzen immer bedrohlicher und schürt damit das Misstrauen gegenüber der Bonität des Königreichs: Allein im Oktober 2009 wuchs der Schuldenberg um 11,4 Milliarden Pfund; das war der schnellste Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen. In den ersten zwölf Monaten nach der Lehman-Pleite musste sich die britische Regierung damit rund 138 Milliarden Pfund leihen.

London hat angesichts der desaströsen Aussichten nun radikale Maßnahmen für die Bürger beschlossen: 500.000 Jobs im öffentlichen Dienst sollen wegfallen, die Sozialhilfe und das Kindergeld werden gekürzt. Die Schlinge zieht sich derweil immer mehr zu.

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Quellen:

 

Bank of England

Bloomberg

Telegraph

Silber Bulletin

Handelsblatt

 

 


 

 

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