Sunday, 26. June 2016
29.05.2011
 
 

Währungsabwertung in Weißrussland

Michael Grandt

Über Nacht verloren die Menschen in der Ex-Sowjetrepublik mehr als die Hälfte ihres Vermögens. Was können wir daraus lernen?

Weißrussland, das seit mehr als 16 Jahren von Präsident Alexander Lukaschenko, dem »letzten Diktator Europas« mit eiserner Hand geführt wird, steht kurz vor dem Staatsbankrott. Die Staatsausgaben sind seit Jahren viel höher als die Einnahmen. Billige Sozialwohnungen, eine Gehaltserhöhung von 52 Prozent für Staatsbedienstete, eine neue Autobahn nach Litauen und im Gegenzug eine schwache Wirtschaft und Bürger, die lieber Importwaren kaufen als heimische Produkte, bescheren der ehemaligen Sowjetrepublik ein riesiges Leistungsbilanzdefizit, das die Devisenreserven schnell schmelzen lässt. Die Renditen auf weißrussische Anleihen erklettern Rekordhöhen und die Inflation beträgt bereits knapp neun Prozent. Betrugen die Schulden 2009 noch 11,47 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, stiegen sie 2011 auf 25,3 Prozent. Das entspricht rund dem Doppelten des Schuldenstandes der Griechen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) verweigert neue Finanzhilfen, da Lukaschenko sich hartnäckig dagegen sträubt, dringend notwendige Reformen umzusetzen. Im Januar 2009 hatte der IWF noch ein finanzielles Rettungspaket von 2,46 Milliarden Dollar zugesagt. Die letzte Tranche floss Anfang 2010. Lukaschenko blieb jetzt nichts anderes übrig, als quasi »über Nacht« den Rubel um real 58 Prozent gegenüber konvertierbaren Währungen abzuwerten. Die Menschen verloren also innerhalb weniger Stunden über die Hälfte ihres Vermögens und ihrer Altersvorsorge. Nur wenige hatten ihr Geld in andere Währungen umgetauscht. Zuvor war der Verkauf von Gold an die Bevölkerung eingestellt worden.

Wir können daraus lernen, dass jede Währungsreform in etwa gleich abläuft:

- Im Geheimen, damit die Menschen ihr Geld nicht in Sicherheit bringen können.

- Sie wird über Nacht vollzogen.

- Den Abwertungskurs legt die Regierung fest.

- Preissteigerungen sind die Folge.

- Die Menschen verlieren je nach Kurs einen großen Teil ihres Vermögens und der Altersvorsorge.

- Bargeld und Sparkonten sind nicht sicher.

- Der Verkauf von Edelmetallen kann eingestellt werden.

- Man ist der Willkür der Regierung schutzlos ausgeliefert.

In Weißrussland war Russland wieder einmal Helfer in der Not. Über den eurasischen Anti-Krisen-Fonds bewilligte es seinem Nachbarn einen Kredit über eine Milliarde Dollar, der in den nächsten Wochen ausbezahlt werden soll. Das verschafft Lukaschenko eine erneute Atempause. Doch Moskau macht dies nicht ohne Hintergedanken: Ohne Reformen wird Weißrussland nicht überleben können und so hoffen die Russen, bei den anstehenden Privatisierungen der weißrussischen Wirtschaft vor den Europäern zum Zuge zu kommen.

___________________

Quellen:

International Monetary Fund

World Economic Outlook, April 2011

Handelsblatt vom 24.05. und 25.05.2011

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,601007,00.html

Ria Novosti

 

 


 

 

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