Saturday, 25. June 2016
05.11.2013
 
 

Allzeithoch bei Arbeitslosigkeit: Wirtschaftsdepression in Europa verschärft sich immer weiter

Michael Snyder

Die Arbeitslosenrate in der Euro-Zone hat einen neuen Rekordstand erreicht. In der letzten Woche berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press, dass die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone im September auf ein Allzeithoch von 12,2 Prozent angestiegen ist. Im Januar 2012 hatte sie »noch« bei 10,4 Prozent gelegen. Jeder, der gehofft hatte, die Lage in Europa habe sich gebessert, wird nun von der Realität eingeholt.

Die Wirtschaftsdepression hat sich im Gegenteil immer weiter verschärft. Die etablierten Medien werden die derzeitige Situation dennoch kaum als »Rezession« bezeichnen, auch wenn die Arbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland nun höher liegt, als es in den USA selbst während

der Großen Depression der 1930er Jahre jemals der Fall war. In den Schlagzeilen findet man in der letzten Zeit kaum Meldungen über die Finanzkrise in Europa, weil die Europäische Zentralbank (EZB) die Schuldenprobleme der europäischen Peripherie zumindest im Moment übertüncht hat.

Aber die wirtschaftliche Lage vor Ort verschlechtert sich für die durchschnittlichen Europäer anhaltend. Weiter unten werden Sie noch die Geschichte eines 25-jährigen Spaniers lesen, der drei akademische Abschlüsse besitzt, aber auf der verzweifelten Suche nach einem Arbeitsplatz nach London gezogen war, wo er nun Toiletten reinigt, um überleben zu können. Der wirtschaftliche Zusammenbruch Europas schreitet voran, und ein Ende ist nicht in Sicht.

 

Um zu erkennen, dass die Lage in Europa immer schlimmer wird, reicht es aus, einen Blick auf die neuesten Arbeitslosenzahlen zu werfen:

  • In Italien ist die Arbeitslosenrate auf 12,5 Prozent angestiegen – im Januar 2012, also vor weniger als zwei Jahren, lag sie noch bei 8,9 Prozent.

  • In Griechenland liegt die Arbeitslosigkeit bei erschreckenden 27,6 Prozent und damit 6,2 Prozentpunkte höher als im Januar 2012.

  • In Spanien sind 26,6 Prozent der Arbeitnehmer ohne Arbeit, im Januar 2012 waren 22,8 Prozent arbeitslos und im Januar 2008 sogar »lediglich« 8,6 Prozent.

Die Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit fallen noch weit erschreckender aus:

»Die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen stieg im September um 22 000 auf 3 548 000 Personen – und trieb die Arbeitslosenrate damit auf 24,1 Prozent hoch. In Frankreich stieg die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen von 25,6 Prozent auf 26,1 Prozent, während sie in Italien von 40,2 Prozent auf 40,4 Prozent anwuchs.«

Aber so schlecht diese Zahlen auch aussehen, sie sind nichts im Vergleich mit der Lage in Spanien und Griechenland. In Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 56,5 Prozent, und in Griechenland stieg sie auf 57,3 Prozent an.

 

Aber die Arbeitslosigkeit ist natürlich nicht das einzige gegenwärtige Problem der europäischen Wirtschaft. Im Folgenden einige weitere Fakten über die europäische Wirtschaft, die deutlich machen, dass sich die Wirtschaftsdepression in Europa immer weiter verschärft:

  • Die Zahl der Automobilverkäufe in Europa ist auf dem besten Wege, 2013 ein 23-Jahres-Tief zu erreichen.

  • Der prozentuale Anteil nichtrückzahlbarer Kredite hat in Spanien einen neuen Rekordstand erreicht.

  • Die Zahl neuer Hypothekenanträge in Spanien ist seit dem Höchststand des Marktes um 90 Prozent eingebrochen.

  • Citigroup geht davon aus, dass die Arbeitslosenrate in Griechenland 2015 32 Prozent erreichen wird.

  • In den vergangenen Jahren musste Italien seinen bisher größten Einbruch des Bruttoinlandsprodukts hinnehmen. Insgesamt schrumpfte das BIP seit 2008 um etwa acht Prozent.

  • Die Zahl der arbeitslosen Arbeiter auf Zypern ist gegenwärtig fünfmal so hoch wie vor der Finanzkrise des Jahres 2008.

  • Es wird allgemein davon ausgegangen, dass das Verhältnis von Schulden zum BIP bis Jahresende auf fast 100 Prozent ansteigen wird.

  • In Portugal liegt das Verhältnis Schulden/BIP schon jetzt bei 123 Prozent und in Italien bei 127 Prozent.

  • Trotz Griechenlands drastischer Sparmaßnahmen liegt das Verhältnis Schulden/BIP bei 156 Prozent.

Aber diese nüchternen Zahlen sind kaum in der Lage, einem das Ausmaß des Leidens und die Verzweiflung nahezubringen, die Millionen von Europäern derzeit durchleben müssen.

 

Nehmen wir z.B. das Schicksal des 25-jährigen Spaniers Benjamín Serra Bosch, der auf seiner verzweifelten Suche nach einem Arbeitsplatz nach London kam.

 

Er verfügt über drei akademische Abschlüsse, darunter auch einen Master der IEBS Business School in Barcelona. Im Folgenden ein Auszug aus einer Mitteilung, die er vor Kurzem auf Facebook postete:

 

»Mein Name ist Benjamín Serra. Ich besitze zwei Bachelor-Abschlüsse und einen Master-Abschluss, und ich reinige Toiletten.

Nein, das ist kein Witz. Ich muss diese Arbeit erledigen, um die Miete für mein Zimmer in London bezahlen zu können.

Ich arbeite seit Mai in einer bekannten Café-Kette in England, und heute, nachdem ich schon seit fünf Monaten hier arbeite, ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, was ich hier eigentlich tue. Ich reinige Toiletten. Mein erster Gedanke war: ›Meine wissenschaftliche Arbeit wurde mit meinen beiden Abschlüssen anerkannt, und ich reinige jetzt fremde Toiletten.‹ Na gut, ich mache auch Kaffee, reinige die Tische und spüle Geschirr.

Und ich schäme mich nicht dafür. Reinigungstätigkeit ist ein ehrenwerter Beruf. Mich bringt aber auf, dass ich diese Arbeit annehmen muss, weil niemand mir in Spanien eine Chance gegeben hat. Wie mir ergeht es vielen Spaniern, besonders in London. ›Ihr seid eine Plage‹, sagte man mir einmal. Machen wir uns nichts vor. Wir sind keine jungen Leute, die sich auf eine Abenteuerreise begeben haben, um die Sprache eines fremden Landes zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln. Wir sind Einwanderer.

Ich war immer schon sehr stolz, das bestreite ich nicht. Diejenigen, die mich kennen, wissen das. Ich musste mir schon des Öfteren ein Lachen gegenüber einem Kunden verkneifen, der mich verächtlich als ›barrista‹ (so nennen sie uns hier) betrachtete. Einige verhalten sich so abstoßend, dass ich manchmal meine akademischen Abschlüsse und meinen Master-Abschluss herausholen und ihnen ins Gesicht schlagen möchte. Aber das würde nichts wirklich ändern. Manchmal scheint es, als hätten diese akademischen Titel keinen anderen Sinn und Zweck, als den Dreck zu beseitigen, den die anderen in den Toilettenräumen hinterlassen. Das ist wirklich schade.

Ich hatte gehofft, etwas Besseres zu verdienen, nachdem ich so viel Mühe und Arbeit in meine akademische Ausbildung gesteckt habe. Aber dies war wahrscheinlich ein Irrtum.«

Da sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in ganz Europa weiterhin verschlechtern, werden entsprechend auch die Verärgerung und Frustration über das »europäische Experiment« weiter zunehmen. Der Vorsitzende der britischen United Kingdom Independent Party (UKIP), Nigel Farage, beschrieb diese Gefühlslage sehr eloquent am 23. Oktober in einer Rede. »Wir sagen – viele von uns aus jedem einzelnen EU-Mitgliedsstaat –, wir wollen diese Flagge nicht, wir wollen diese Hymne nicht, der Sie alle gestern so stocksteif zugehört haben, wir wollen keine EU-Pässe, wir wollen keine politische Union«, erklärte er.

 

Aber leider ist die politische Elite Europas so sehr von ihrem kleinen Experiment besessen, dass die einzige »Lösung« ihrer wirtschaftlichen Probleme, der sie zustimmen würde, in einer noch stärkeren europäischen Integration liegt. Aber die Amerikaner sollten die Ereignisse in Europa nicht geringschätzig beiseite wischen.

 

Was sich derzeit in Italien, Frankreich, Spanien und Griechenland ereignet, wird schon bald auch auf die USA zukommen. Denn selbst inmitten dieses so genannten »Wirtschaftsaufschwungs« nimmt die Armut in den USA in erschreckendem Maße zu.

 

Die Wirtschaftslage in den USA und in Europa konnte bisher in keiner Weise wieder an die Situation vor der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 anknüpfen. Und jetzt kündigt sich bereits die nächste Wirtschaftskrise an.

 

Aber das ist erst der Anfang. In den kommenden Jahren ist mit einer Verbesserung der Lage nicht zu rechnen – im Gegenteil.

 

 

 

 


 

 

 

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