Saturday, 25. June 2016
01.06.2011
 
 

Griechenland: Hochverrat und Insidergeschäfte

Niki Vogt

Im Frühjahr 2010 berichtete der Kopp Verlag in seiner DVD-Reihe Unzensiert bereits darüber, dass die griechische Postbank (TT Hellenic Postbank) Kreditausfallversicherungen in Höhe von etwa einer Milliarde Euro auf den Staatsbankrott Griechenlands gekauft hatte. Es wirkte ein wenig seltsam, dass ein griechischer Staatsbetrieb auf die Pleite des eigenen Landes setzte. In diesen Tagen stellt sich aber heraus, dass das erst die Spitze  des Eisberges war. Premierminister Papandreou scheint in einen schier unglaublichen Skandal verwickelt zu sein. Über Umwege sind diese Credit Default Swaps in den Besitz seiner Familie und seines Freundeskreises geraten – und angesichts des tatsächlich drohenden Staatsbankrotts mittlerweile etwa 23 Milliarden Euro wert.

Dass die Postbank sich gegen eine Insolvenz Griechenlands schützen wollte, ist ja noch durchaus nachvollziehbar. Im August 2009 – zu der Zeit war Kostas Karamanlis Premierminister – wurden diese Papiere gekauft und mögen durchaus als Absicherung für den schlimmsten Fall gedacht gewesen sein. Mit dem Regierungswechsel zu den Sozialisten wechselten die CDS auch den Besitzer. Der neue Eigentümer war die Privatfirma Informed Judgement Partners in Genf, die die Papiere für 1,3 Milliarden erwarb. Das war zwar ein Gewinn von ca. 35 Millionen für TT Hellenic Postbank, im Vergleich zu dem, was die CDS heute wert sind, aber ein verdammt schlechtes Geschäft. Die Kreditausfallversicherungen haben nämlich eine Wertsteigerung von aktuell 2.700 Prozent erfahren, denn der Staatsbankrott Griechenlands ist in greifbare Nähe gerückt.

Jetzt könnte Griechenland so viel Geld gut brauchen. Das wäre eine ungeheure Hilfe, wo es an allen Ecken und Enden brennt. Doch, wie gesagt, die Sicherheitspapiere sind in der Hand von IJ Partners. Wer ist denn diese glückliche Eigentümerin des 23-Milliarden-Schatzes?

Das Genfer Unternehmen kümmert sich um eine erlesene Kundschaft von Millionären, und wie man sieht, mit Erfolg. Und erstaunlicherweise befinden sich viele Griechen darunter, griechische Banker und Exporteure und auch die Ökonomin Miranda Xafa, die in den griechischen Verhandlungen mit dem IWF vermittelte. Der Vizepräsident von IJ Partners, Jose-Maria Figueres, ist ein sehr guter Bekannter von Herrn Andreas Papandreou, dem Bruder von Premierminister Papandreou, unter dessen Ägide eben jene CDS an IJ Partners verkauft wurden.

Besonders pikant ist der Zeitpunkt dieses an sich schon sehr merkwürdigen Geschäftes. Genau zu dieser Zeit nämlich verhandelte Papandreou mit dem IWF, genauer Dominique Strauss-Kahn (!), hinter verschlossenen Türen über ein Hilfspaket, das später als das berühmte »alternativlose« 110-Milliarden-Bailout-Paket zur Rettung Griechenlands durchgepeitscht wurde und in die Geschichte einging. Der Öffentlichkeit war von diesen Verhandlungen damals noch nichts bekannt, das griechische Parlament war von der desolaten Finanzlage des Landes noch nicht unterrichtet, die »Unstimmigkeiten« der griechischen Bilanzen noch gar nicht herausgekommen. Die griechischen Staatsanleihen liefen großartig, die Zinsen dafür lagen nicht viel höher als die Deutschlands – mit anderen Worten, die Kreditmärkte waren noch ahnungslos und die Kreditausfallversicherungen geradezu spottbillig. Ein idealer Zeitpunkt, um diese Papiere zu kaufen.
Ganz besonders für jemanden, der wusste, welche Sprengsätze in den griechischen Staatsbilanzen verborgen waren und bald explodieren würden.

Als die desolate Lage der griechischen Finanzen sich in der Folgezeit immer klarer abzeichnete, stiegen die Preise für eine Absicherung gegen einen griechischen Staatsbankrott rasant – und damit der Wert dieser griechischen CDS.

Premierminister Papandreou hat nicht nur den Verkauf dieser CDS an eine fremde Privatfirma geduldet oder sogar arrangiert, obwohl er bereits um die verzweifelte finanzielle Lage seines Landes wusste und als Inhaber des höchsten politischen Amtes diese immens wichtigen Sicherheiten hätte unbedingt zum Wohl des Landes einsetzen müssen. Dieses ungeheure Staatsvermögen wurde auch noch an eine Firma verkauft, zu der er und seine Familienmitglieder enge Beziehungen pflegen. Er hat nicht nur astronomische Profite für sich und die Seinen mit diesen Papieren erlangt, er hatte auch das Amt inne, die Geschicke seines Landes zu lenken.
Welche Interessenslage hat sein Handeln mehr bestimmt?

Während Papandreou lauthals Vorwürfe gegen die bösen Spekulanten erhob, die die Zinsen für Griechenlands Staatsanleihen durch den Handel mit CDS hochtrieben, handelte er mit genau diesen Papieren zum Vorteil seiner Verwandten, Freunde und auch möglicherweise zum eigenen Profit.

Wie die Nachrichtenseite Coveringdelta berichtet, beförderte die Zentralbank Griechenlands durch seltsame Regeländerungen auch noch zusätzlich die Leerverkäufe der Griechenbonds durch die großen Banken. Darunter die üblichen Verdächtigen wie Goldman Sachs, JP Morgan, Royal Bank of Scotland, UBS, Deutsche Bank und Societé Général. Das beschleunigte den Preisverfall der griechischen Staatsanleihen und jagte die Zinsen, die das Land zahlen musste, in immer größere Höhen. Gleichzeitig stiegen die Preise für griechische Zahlungsausfallversicherungen drastisch. Die illustren Kunden von IJ Partners werden ihre helle Freude an der Wertsteigerung der neu erstandenen Papiere gehabt haben.

Selbst wenn Georgios Papandreou nicht persönlich von diesem Handel mit den CDS profitiert hat, hätte er unter diesen gegebenen Umständen und in der gefährlichen Lage, in der sich sein Land befand, niemals einen solch immensen Schaden für Griechenland zulassen dürfen.

Der griechische Parlamentsabgeordnete Panos Kammenos brachte diese ungeheuerlichen Vorgänge in einem Fernsehinterview vor wenigen Tagen an die Öffentlichkeit. Er trug seine Vorwürfe auch im griechischen Parlament vor und bezeichnete Papandreou als einen »bezahlten Broker der internationalen Spekulanten«. Der Vorsitzende der LAOS-Partei, George Karatzaferis, unterstützte ihn dabei. Griechenland war einen Moment geradezu gelähmt vor Schreck. Zu ungeheuerlich scheint es, dass die einfachen Menschen nicht wissen, wie es weitergehen soll, und die Zeche bitter bezahlen müssen. Es könnte um Griechenland kaum schlimmer bestellt sein, wenn es einen Krieg verloren hätte und nun der Willkür der Besatzer ausgeliefert wäre. Nach Art der deutschen Treuhand soll nun das Staatseigentum Griechenlands unter der Führung der »Troika« (EZB, EU und IWF) verkauft werden. Wie die ehemalige DDR würde das Land geplündert und abgewrackt, sogar das Zentralbankgold Griechenlands soll möglicherweise als Gegenleistung für weitere, sinnlose Kredite verkauft werden.

Die Souveränität einer alten europäischen Nation – ja, letztendlich ihre Existenz, wird auf dem Altar des ideologischen Großprojekts »EU-Superstaat« geopfert. Gleichzeitig füllen sich die Banken sowie die Reichen und Mächtigen auf Kosten der arbeitenden Menschen die Taschen. Nicht einmal vor der Ausplünderung ihres eigenen Landes schrecken sie zurück.

Es gehört keine Seherkunst dazu vorherzusagen, dass in Athen die Lunte am Pulverfass brennt. Die wütenden Griechen halten nicht mehr nur Transparente und Pappschilder hoch. Sie recken kleine Galgen mit baumelnden Henkerschlingen in die Luft. Daran steht: »Papandreou, Du bist fällig!«

 

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Quellen:

 

 


 

 

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