Sunday, 25. September 2016
06.03.2015
 
 

Front-Medien: Deutsche Presse-Agentur entrussifiziert die Ukraine

Peter Harth

Kiew hungert den rebellischen Osten des Landes aus. Kein Gas, keine Renten, keine Sozialleistungen, keine Schulen, kein Geld. Jetzt bestraft auch die Deutsche Presse-Agentur pro-russische Ukrainer: Geografische Namen gibt es nur noch auf Ukrainisch, auch wenn man dort russisch spricht. Dürfen deutsche Medien mit dem Rechtschreib-Krieg Politik machen?

 

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) wird »künftig geografische Namen der Ukraine (mit wenigen Ausnahmen) nicht mehr russisch, sondern ukrainisch transkribieren«. Das verkündet dpa-Nachrichtenchef Froben Homburger beiläufig auf seinem Twitter-Account. Ohne Erklärung. Das ist jetzt einfach so. Unter den Kommentaren meldet sich gleich der Account »Euromaidan Deutsch«: »Das wurde aber auch Zeit. Hoffentlich wird das von den Medien übernommen.«

 

Die dpa ist nicht nur eine Nachrichten-Agentur, sie ist DIE Nachrichten-Agentur in Deutschland. Nahezu jede Zeitung abonniert ihre Ticker und füllt die Seiten mit dpa-Meldungen. Hunderte Journalisten schreiben für die dpa, sie betreibt ein großes Netzwerk mit Korrespondenten. Im Auslands-Journalismus ist sie Quasi-Monopolist, da sich kaum eine Zeitung eigene Journalisten etwa in der Ukraine leisten kann.

 

Handlanger der Entrussifizierung

 

Der Einfluss der dpa geht aber noch weiter. Sie prägt die sogenannte »Agentur-Sprache«, die alle Journalisten nachahmen. Zuerst wird gefragt: »Wie schreibt das die dpa?« Damit hat sie täglich einen größeren Einfluss auf die deutsche Schriftsprache als der Duden.

 

Wenn die »Agentur-Sprache« jetzt entrussifiziert wird, heißt es bald in allen Zeitungen Charkiw statt Charkow, Luhansk statt Lugansk, Dnipropetrowsk statt Dnjepropetrowsk. Darüber kann man im ersten Moment lachen. Die dpa macht sich aber zum Handlanger der Kiewer Regierung unter Poroschenko, der seinen Bürgerkrieg mit allen Mitteln zu einem Krieg in Europa eskalieren lässt.

 

Er hungert die pro-russischen Rebellen im Osten förmlich aus: Sozialleistungen werden eingestellt, der Gashahn abgedreht, Behörden, Kliniken, Schulen, Notdienste bleiben geschlossen. Eine zivile Versorgung gibt es dort nicht mehr. Der russische Präsident Wladimir Putin spricht gar von »Völkermord«.

 

Die Front ist nicht die Sprachgrenze

 

In Kiew fühlt man sich bei dieser Marginalisierungs-Politik bestärkt, wenn westliche Medien die Ukraine freiwillig geografisch entrussifizieren. Zur Erinnerung: Sogar in Kiew spricht man überwiegend russisch, der größte Teil der Ukrainer beherrscht beide Sprachen fließend, die Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko ist russische Muttersprachlerin.

 

Die Sprachsituation ist verzwickt: 2011 sprachen 42,8 Prozent ukrainisch, 38,6 Prozent russisch, 17,1 Prozent wechselten. Außerdem liegen nach Kiew die größten Städte im russischen Mehrheits-Gebiet – Donezk, Charkow, Dnjepropetrowsk.

 

Vor dem Ukraine-Krieg fühlten sich auch die russischen Muttersprachler als Ukrainer. Jetzt werden sogar die Namen ihrer Städte national und international getilgt. Das demütigt und wühlt emotional auf. Überhaupt ist es Politik durch Rechtschreibung, die man von gelenkten Staatsmedien in Russland erwartet, aber nicht von einer Nachrichten-Agentur in Deutschland! Wo gerade viel getan wird, um einen ukrainischen Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA zu verhindern.

 

Die Sprachregelung führt ins Chaos – auch beim Leser

 

Wenn die dpa mit Schreibweisen schon ein politisches Statement abgibt, sollte sie wenigstens journalistisch objektiv bleiben. Vielleicht eine Karte mit dem orthografischen Frontverlauf zeichnen? Gestern wurde Debalzewe noch von den Ukrainern gehalten, heute rücken die pro-russischen Rebellen ein, also lesen wir in den deutschen Tageszeitungen morgen von Debalzewo.

 

Was ist aber, wenn die Stadt wieder den Besitzer wechselt? Dann ist das Chaos perfekt. Überhaupt tut die dpa so, als ob es kein Minsker Waffenstillstandsabkommen gäbe. Dort wird den aufständischen Regionen Autonomie gewährt. Aber keine sprachliche?

 

Das Ganze wird zum Schnellschuss, bei dem keiner nachgedacht hat. Wie lautet denn die Regel dahinter? Bestimmt: »Den bösen Russen wischen wir jetzt eins aus.« Das geht aber nicht offiziell, also müsste die dpa eine Regel erfinden: Geografische Namen werden nur in der offiziellen Landessprache geschrieben.

 

Dann lesen wir aber auch nicht mehr Bozen in Südtirol, sondern Bolzano in Alto Adige. Das wird kein Deutscher mehr kennen. Was ist mit Straßburg und Mülhausen im Elsass? Brüssel? Wie sieht das in der viersprachigen Schweiz aus? Dublin, die Hauptstadt von Irland, heißt eigentlich Baile Átha Cliath.

 

Krieg der Worte

 

Diese Kopfgeburt der dpa entwickelt eine unangenehme Duftnote. Warum gerade jetzt? Die Ukraine ist seit 24 Jahren unabhängig. Wie hält es die Nachrichten-Agentur mit der Krim? Zu wem gehört die jetzt? Gottseidank schreibt sich das auf Russisch und Ukrainisch gleich: Krym. Moment, jetzt müssen die Journalisten auch Kyjiw statt Kiew schreiben.

 

Dem schiebt dpa-Mann Homburger gleich einen Riegel vor. Sogar Tschernobyl bleibt Tschernobyl, obwohl es jetzt Tschornobyl lauten müsste. Dort flog aber ein böses, sowjetisches Atomkraftwerk in die Luft und die Ukraine war wieder das Opfer … nein, mit Logik hat die dpa nicht mehr viel am Hut. Das ist nur noch ein Krieg der Worte.

 

Und es bleibt eine Frage: Kam die dpa wirklich von selbst auf diese Idee? Ihr neuer Chefredakteur Sven Gösmann wurde im Axel-Springer-Verlag groß. Dessen Grundsatz ist »die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika«.

 

 

 

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Leser-Kommentare (21) zu diesem Artikel

09.03.2015 | 12:03

Kaufnix

Hallo jan !Bei welchem Arzt bist Du in Behandlung? Wenn auch einige gedankliche Ansätze bezüglich des Islams auf lichte Augenblicke schließen lassen, möchte ich Dir trotzdem anraten, eine Nervenklinik aufzusuchen.


07.03.2015 | 19:45

jan

ukraine wird schlimmer als griechenland werden.das falschgeldsystem unter der obhut der zionisten versucht es mit allen mitteln.die kreatur der geldfälschenden satanisten dürft ihr nicht unterschätzen. die lubawitscher kabala ist verdammt mächtig.russland und china ,wie die bric ist die letzte chance der menschheit auf dieser welt nicht unter dem joch dieser menschenverachteten satanisten zu kommen. wenn es gelingt dieses pack zu züchtigen ,muss erstmal die verfuckte goldman...

ukraine wird schlimmer als griechenland werden.das falschgeldsystem unter der obhut der zionisten versucht es mit allen mitteln.die kreatur der geldfälschenden satanisten dürft ihr nicht unterschätzen. die lubawitscher kabala ist verdammt mächtig.russland und china ,wie die bric ist die letzte chance der menschheit auf dieser welt nicht unter dem joch dieser menschenverachteten satanisten zu kommen. wenn es gelingt dieses pack zu züchtigen ,muss erstmal die verfuckte goldman sucks zusammenbrechen. wir stehen kurz vorm kollaps weil dieses langnasenfalschgeld nicht mehr generiert wird. ich hoffe nach dem zusammenbruch werden auch alle lügen über den 2.weltkrieg aufgedeckt,und wir deutsche werden wieder ein stolzes volk und schmeissen endlich die islamisten aus europa raus.kameltreiber oder islam gehört nicht zu europa.merkel ,gauck und konsorten-verpisst euch aus unserem land-ihr habt genug schaden angerichtet. rotgrüne brdgmbh-ihr journalisten der lügenpresse seid auch noch dran. jeder der unser land geschadet und verraten hat -wird dran sein.


07.03.2015 | 18:52

MEIERS

Die Verballhornung historischer Namen zur Durchsetzung machtpolitischer Interessen (meistens ausländischer machtpolitischer Interessen!) hat aber leider in Deutschland eine unselige Tradition. Der Artikel schreibt "Was ist mit Strassburg und Mülhausen im Elsass?" Mit Verlaub; ich stamme aus dem Elsass und Strassburg und Mülhausen sind so ziemlich die letzten elsässischen und lothringischen Ortsnamen die nicht in der französischen Verballhornung in der deutschen Presse...

Die Verballhornung historischer Namen zur Durchsetzung machtpolitischer Interessen (meistens ausländischer machtpolitischer Interessen!) hat aber leider in Deutschland eine unselige Tradition. Der Artikel schreibt "Was ist mit Strassburg und Mülhausen im Elsass?" Mit Verlaub; ich stamme aus dem Elsass und Strassburg und Mülhausen sind so ziemlich die letzten elsässischen und lothringischen Ortsnamen die nicht in der französischen Verballhornung in der deutschen Presse wiedergegeben werden. Auch weisen alle Strassenschilder in Baden-Würtemberg auf "Strasbourg" und "Mulhouse" hin. Ortnamen wie Falkenberg in Lothringen (Faulquemont), Kattenhofen (Cattenom, mit dem KKW), Diedenhofen (Thionville), Finstingen (Fénétrange), Oth (Audun le Tiche), Markirch (St-Marie aux Mines), Saargemünd (Sarreguemines), Reichenweier (Riquewihr), Dagsburg (Dabo), Dammerkirch (Dannemarie), Gunderchingen (Gondrexange) sind allenfalls noch Historikern ein Begriff, keinesfalls aber deutschen Journalisten. Auch wenn man den deutschen Osten betrachtet wird immer öfter von Kaliningrad statt Königsberg, nach dem Verbrecher und Stalin-Komplizen Kalinin gesprochen, Gdansk statt Dantzig, Szscezin statt Stettin, Wroclaw statt Breslau gesprochen. Eine verauseilende geographische Entnationalisierung!


07.03.2015 | 18:17

Livia

Wenn man derartig tief im A... der USA steckt, darf man garnicht anders und kann wahrscheinlich auch garnicht anders denken, als so wie der "große Bruder es will. Die deutsche Sprache hat man ja auch erfolgreich derart mit Anglizismen verhunst, daß, würde meine Großmutter heute wiederkehren, sie kaum ein Wort noch verstünde... Das nutzt allem Möglichen, aber nicht den klaren Verständnis - aber vielleicht ist ja gerade das so gewollt!


07.03.2015 | 10:42

LoewenGrube

Hoffentlich wird von DPA die Tatsache "Boroschenko,Klitschko,usw" als Freunde der deutschen Regierung als Kriegstreiber und Kriegsverbrecher richtig geschrieben! Obwohl die Luegenmedien sowiso fast keiner mehr liest,ob so oder so geschrieben wird!


07.03.2015 | 09:43

Silke

Warum TV und Morgenpost Unwahrheiten verbreiten http://mike.blog-net.ch/2015/03/07/warum-tv-und-morgenpost-unwahrheiten-verbreiten/

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