Thursday, 1. September 2016
21.11.2012
 
 

Der amerikanisch-israelische Angriff auf Gaza

Prof. Michel Chossudovsky

Die westlichen Medien haben den israelischen Angriff auf Gaza einhellig als eine aus dem Stegreif begonnene Antiterror-Operation der israelischen Streitkräfte dargestellt, die im Rahmen der »Selbstverteidigung« als Reaktion auf palästinensische Raketenangriffe auf Israel erfolgt sei. Berichten zufolge gab Präsident Obama Tel Aviv nach den Präsidentschaftswahlen am 6. Oktober zwar »grünes Licht«, aber die entscheidende Frage betrifft weniger die Unterstützung Washingtons als die direkte Beteiligung der amerikanischen Regierung und des US-Militärs an der Planung und der Umsetzung der Angriffe auf Gaza.

Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass die Operation Wolkensäule im Zusammenhang mit umfassenderen alliierten Militärplanungen in enger Absprache mit Washington erfolgte. Hochrangige amerikanische Militärvertreter hielten sich in den Tagen vor Beginn der Angriffe in Israel auf.

Operation Wolkensäule begann am 14. November genau eine Woche nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Ihr Termin stand unabhängig vom Wahlausgang in den USA fest. Als erster Schlag erfolgte die gezielte Ermordung des militärischen Führers der Hamas, Ahmed Dschabari. Seitdem hat sich die Operation zu anhaltenden Luftangriffen und Artilleriefeuer ausgeweitet. Darüber hinaus bereitet sich Israel auf eine Invasion mit Bodentruppen vor, für die 75.000 Soldaten mobilisiert wurden.

 

Amerikanisch-israelische Manöver

Bei der Bewertung der amerikanischen Beteiligung an Operation Wolkensäule ist vor allem hervorzuheben, dass die USA und Israel nur einen Monat vor den Angriffen die bisher größten gemeinsamen Manöver in der israelischen Geschichte durchführten. Ziel der Manöver war es, die Fähigkeiten der israelischen Raketenabwehr bei Angriffen aus der Nähe oder aus weiteren Entfernungen insbesondere seitens des Iran, der Hisbollah und der Hamas zu erproben.

 

US-Verteidigungsminister Leon Panetta und sein israelischer Amtskollege Ehud Barak stehen in enger Absprache miteinander. Panetta hielt sich bereits Anfang August in Israel auf und besuchte das Land bereits am 3. Oktober, zwei Wochen vor Beginn der gemeinsamen Manöver, die den Namen »Harte Herausforderung« trugen und aus zwölf einzelnen Übungen bestanden, erneut.

 

Am 18. Oktober begannen diese Manöver dann in Israel mit ihrer ersten Phase. Sie dauerten insgesamt vier Wochen, überlappten sich mit den amerikanischen Präsidentschaftswahlen am 6. November und gingen praktisch nahtlos in die Angriffe auf Gaza am 14.November über. In gewisser Hinsicht gingen die gemeinsamen Manöver der USA und Israels mit Beginn der Operation Wolkensäule aus dem Zustand fiktiver Übungen in die praktische Wirklichkeit über.

 

Dabei muss man sich klar machen, dass diese gemeinsamen Manöver bewusst darauf angelegt waren, in einer tatsächlichen Militäroperation zu münden. Operation Wolkensäule wurde sorgfältig und umfassend vorbereitet und war in die Strukturen der gemeinsamen amerikanisch-israelischen Manöver »eingebettet«.

 

An den Manövern »Harte Herausforderung« nahmen 3.500 amerikanische und 1.000 israelische Soldaten teil. Das amerikanische Truppenkontingent bestand aus 1.000 in Israel stationierten Soldaten sowie Militärberatern und Angehörigen von Spezialeinheiten und weiteren 2.500 Soldaten, die unter dem Kommando der Sechsten US-Flotte im östlichen Mittelmeer und dem US-Regionalkommando US European Command (EUCOM) standen (siehe dazu: UPI).

 

Koordiniert wurden die gemeinsamen Übungen durch den US-Luftwaffen-Generalleutnant Craig Franklin und den israelischen Brigadegeneral Schachar Schohat. Das erklärte Ziel dieser Übungen bestand darin, »Stresssituationen« im israelischen Luftraum und der Mittelmeerküste zu simulieren, um die Fähigkeiten beider Länder zu erproben, gegen Angriffe aus der Nähe [Hamas und Hisbollah] sowie aus größerer Entfernung [Iran] vorzugehen.

 

Die Leitung der Manöver hatte EUCOM-Kommandeur Admiral James G. Stavridis. Verschiedene Berichte verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass damit amerikanische Kommandoposten und Leitzentralen innerhalb Israels errichtet wurden, die unter der Befehlsgewalt von EUCOM standen. Admiral Stavridis erklärte dazu, dass

»beide Seiten hart daran gearbeitet haben, während dieser Übungen reale nachrichtendienstliche und informationstechnische Fähigkeiten aufzubauen. Diese Manöver sollen einen ausgedehnten Krieg in der Nahmittelost-Region simulieren, in den die USA gezwungen wären, einzugreifen und Israel mit weiteren Verteidigungsmöglichkeiten gegen Raketen zu versorgen«. (Siehe dazu: Haaretz, 24. Oktober 2012.)

Ein wichtige Rolle bei den Übungen spielte der Einsatz des Luftabwehrsystems Patriot 3 PAC, das in ganz Israel stationiert ist. Ein amerikanischer Raketenkreuzer, der mit dem elektronischen Warn- und Feuerleitsystem AEGIS ausgestattet ist, »ankerte vor der Küste und war in die Manöver einbezogen«.

»Die Übungen zur Raketen- und Flugabwehr bilden einen integrierten Bestandteil des allgemeinen Manövers. Die israelischen und amerikanischen Truppen werden üben, Ziele, die sich Israel nähern, zu identifizieren und dann zu entscheiden, mit welchem System sie abgefangen werden, sowie das Verteidigungssystem  so rasch wie möglich zu aktivieren, bevor die hereinkommenden Raketen oder Flugkörper israelisches Territorium erreichen.« (Ebenda.)

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak unterstrich, »die gemeinsamen Manöver spiegeln die intensive und tief greifende Zusammenarbeit mit den Amerikanern« wider, die als Mittel gesehen werde, gegen die anhaltende Bedrohung durch die Hamas vorzugehen. Diese Erklärung wurde am 12. November, also zwei Tage vor Beginn der Angriffe auf Gaza, abgegeben:

»In diesen Zeiten ist es für uns besonders wichtig, die Koordination unserer Raketenabwehr angesichts der vor uns liegenden Herausforderungen sowie vor dem Hintergrund des anhaltenden Vorgehens gegen die Hamas und die Terrorgruppen in Gaza zu verbessern, wobei damit zu rechnen ist, dass diese ihre Aktivitäten ausweiten und verschlimmern werden… Der Gazastreifen stellt eine erhebliche Herausforderung dar. In seinen Zentren ist die Feuerkraft und insbesondere die von den Raketen ausgehende Gefahr, in deren Reichweite die Dan-Region liegt, konzentriert.« (Siehe dazu: Haaretz, 12. November 2012, Hervorhebungen von M.C.)

Im Zusammenhang mit den Manövern wurden die Hamas und die Hisbollah als »nahe Feinde« eingestuft:

»Die gemeinsamen Manöver simulieren umfassende und groß angelegte Raketenangriffe auf Israel sowohl aus der Nähe als auch aus größerer Entfernung, sowie einen Krieg gegen den Iran und die Hisbollah.«

Darüber hinaus bestätigte Verteidigungsminister Barak:

»Nach den Abschussübungen wird der Verteidigungsbereich weitere Tests veranstalten, in denen die Möglichkeit simuliert wird, noch moderne und fortschrittlichere Verteidigungssysteme wie die Flug- und Raketenabwehrsysteme Arrow 3 und Magic Wand (auch »Davids Schleuder«) die bisher noch nicht in Gefechten eingesetzt wurden, in die Abwehr einer Vielzahl gleichzeitig angreifender Raketen einzubeziehen.« (Ebenda.)

 

Die heimtückische Rolle Katars

 

18. Oktober: Die gemeinsamen Manöver der USA und Israels beginnen.

23. Oktober: Der Emir Katars, Scheich Hamad ibn Khalifa Al Thani, besuchte den Gazastreifen. Er trifft dort mit der Hamas-Regierung zusammen und verspricht finanzielle Hilfe.

24. Oktober: Der israelische Präsident Schimon Peres unterstellt, Katar, ein enger Verbündeter der USA, unterstütze die Hamas nicht nur militärisch, sondern ermutige die Hamas dazu, die Raketenangriffe auf Israel zu verstärken:

»Er (der Emir von Katar) hatte Gaza kaum verlassen, das begann die islamistische Gruppe, die in Gaza herrscht, damit, ganze Raketensalven gegen Israel abzufeuern…

Peres erklärte am Mittwoch (24. Oktober) dazu, es sei inakzeptabel, dass die Machthaber in Gaza vom Emir von Katar Millionen von Dollar erhielten und dann Raketen abfeuerten. Nirgendwo in der Welt, weder in London noch in New York, würde es hingenommen, wenn Gelder, die für Baumaterial vorgesehen seien, für Raketen ausgegeben würden. Israel werde das nicht länger tolerieren, erklärte der Präsident: ›Es liegt nun an Gaza, sich zwischen Entwicklung einerseits und Terror und Mord andererseits zu entscheiden.‹«

24. Oktober: Israel tötet bei Luftangriffen auf Gaza vier Zivilisten als Vergeltung für Raketenangriffe aus Gaza, bei denen vier ausländische Arbeiter verwundet wurden. In Presseberichten wird auf den zeitlichen Zusammenhang zwischen den israelischen Luftangriffen und dem Beginn der gemeinsamen amerikanisch-israelischen Manöver hingewiesen:

»Die militärischen Scheinmanöver und computergestützten Kriegssimulationen … fielen zeitlich mit realen israelischen Luftangriffen 70 Kilometer weiter südlich im Gazastreifen als Vergeltung für palästinensische Raketenangriffe zusammen. Vier Bewohner Gazas wurden bei den israelischen Angriffen getötet. Zuvor hatten militante Palästinensergruppen mindestens 75 Raketen gegen Israel abgefeuert, die nach Polizeiangaben drei ausländische Arbeiter verwundeten, darunter zwei schwer, und Sachschäden anrichteten.« (Siehe dazu: Bloomberg, 25. Oktober 2012.)

Diese Berichte deuten an, dass die Luftangriffe vom 24. Oktober auf Gaza im Rahmen der gemeinsamen Manöver der USA und Israels stattfanden. Alles weist darauf hin, dass die Angriffe auf Gaza, die am 14. November begannen, als Fortsetzung der gemeinsamen Manöver zu betrachten sind, die tatsächlich bereits Ende Oktober militärische Wirklichkeit geworden waren.

 

Ein Besuch mit Hintergedanken?


Vieles deutet bei dem Besuch des Emirs von Katar in Gaza so kurz vor Beginn des gemeinsamen Manövers der USA und Israels in die Richtung, dass es sich dabei um eine verdeckte amerikanische Operation handelt. Katar ist ein von den USA unterstütztes Marionettenregime und unterhält in nachrichtendienstlichen und militärischen Belangen enge Beziehungen sowohl zu den USA als auch zur NATO, während das Land andererseits die Hamas finanziell unterstützt.

 

In einem Bericht heißt es: »Der Emir von Katar lieferte den Israelis Informationen, die dann beim Angriff auf wichtige Gebäude der Hamas benutzt wurden.« (Siehe dazu: Fars News, 17. November 2012.)

 

Auf die tiefer gehenden Auswirkungen des Krieges gegen Gaza im Zusammenhang der anhaltenden militärischen und geheimdienstlichen Operationen der USA und der NATO in der Nahmittelost-Region einzugehen, würde den Umfang dieses Artikels sprengen.

 

 

 

 


 

 

 

 

 

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