Monday, 26. September 2016
23.05.2011
 
 

Regimewechsel beim IWF: Wurde Strauss-Kahn in eine Falle geschickt?

Prof. Michel Chossudovsky

Die Verhaftung des IWF-Direktors Strauss-Kahn weist alle Anzeichen eines Komplotts auf Anordnung einflussreicher Mitglieder des Finanzestablishments im Einvernehmen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy auf, dessen Präsidentschaft den Interessen der USA mehr als denen Frankreichs und der Europäischen Union dient. Auch wenn im Moment noch keine Beweise für ein solches Komplott vorliegen, verdienen die ungewöhnlichen Umstände seiner Verhaftung eine sorgfältige Untersuchung.

Bereits unmittelbar nach der Verhaftung Strauss-Kahns übte Washington Druck aus, um so schnell wie möglich für seine Ablösung als IWF-Chef und seinen Ersatz vorzugsweise durch einen Nichteuropäer, einen Amerikaner oder einen handverlesenen Kandidaten aus einer »aufstrebenden Marktwirtschaft« oder einem Entwicklungsland voranzutreiben. Seit der Gründung der sogenannten Bretton-Woods-Institutionen 1945 wurde die Weltbank traditionell von einem Amerikaner und der IWF von einem (West-) Europäer geleitet.

Strauss-Kahn gehört sicherlich zu den Elitegruppen, die sich hinter verschlossenen Türen treffen. Er ist Mitglied der Bilderberger und wird als eine der weltweit einflussreichsten Persönlichkeiten angesehen. Er ist einerseits eher ein Akademiker und Politiker als ein Bankier. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern verfügt er über keine direkten Verbindungen zu Banken oder Finanzeinrichtungen.

Andererseits ist er ein leichtes Opfer und Sündenbock. Sein »Vergehen« bestand darin, den Washington-Wall-Street-Konsens infrage zu stellen und sich für Reformen innerhalb des IWF einzusetzen, die die dominierende Rolle Washingtons innerhalb der Institution gefährdet hätten.

Ein Rücktritt Strauss-Kahns könnte dazu beitragen, die Vorherrschaft der USA und ihre Kontrolle des IWF zulasten des, wie der frühere amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld es einmal nannte, »alten Europas« zu festigen.

 

Ausschaltung des Präsidentschaftskandidaten Strauss-Kahn

In den vergangenen Jahren veränderte sich die politische Landschaft Europas nachhaltig. In Frankreich und Deutschland wurden proamerikanische Regierungen ins Amt gewählt, und die Sozialdemokratie wurde geschwächt. Die französisch-amerikanischen Beziehungen wurden auf eine neue Grundlage gestellt, wobei Washington eine zentrale Rolle dabei spielte, eine neue Generation europäischer Politiker heranzuziehen. Unter der Präsidentschaft Nicolas Sarkozys wurde die französische Regierung in vieler Hinsicht praktisch zu einem amerikanischen »Klientel-Regime«, das die amerikanischen Unternehmensinteressen in der EU bereitwillig und umfassend unterstützte und seine Außenpolitik eng mit der amerikanischen absprach.

Bei der Hypothese, bei dem Skandal um Strauss-Kahn handele es sich um ein abgekartetes Spiel, tauchen zwei sich überlappende und miteinander zusammenhängende Komplexe auf: Der erste bezieht sich auf einen »Regimewechsel« innerhalb des IWF, der zweite auf Strauss-Kahn als Kandidaten bei den kommenden Präsidentschaftswahlen 2012. Aber beide Entwicklungen stehen in enger Beziehung zu dem Konflikt zwischen den konkurrierenden amerikanischen und europäischen Wirtschaftsinteressen.

Es gilt als sicher, dass Strauss-Kahn, der führende Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der Sozialistischen Partei, die Wahlen gegen Sarkozy gewonnen und damit den Abgang »unseres Mannes in Paris« besiegelt hätte. Wie Thierry Meyssan dokumentiert hat, spielte die CIA eine zentrale, aber verdeckte Rolle bei der Destabilisierung der gaullistischen Partei und unterstützte Sarkozys Aufstieg zum französischen Präsidenten (siehe dazu: Operation Sarkozy: How the CIA placed one of its agents at the presidency of the French Republic, in: Reseau Voltaire, 4. September  2008).

Strauss-Kahn als französischer Präsident und eine »sozialistische Regierung« hätten einen schweren Rückschlag für Washington und eine deutliche Wende innerhalb der französisch-amerikanischen Beziehungen bedeutet. Zugleich hätte dies Amerikas Bedeutung auf dem politischen Schachbrett Europas verringert und das Machtgleichgewicht zwischen Amerika und den »alten Europa« (vor allem der deutsch-französischen Allianz) verschoben. Und nicht zuletzt hätte es sich auf die innere Struktur der Atlantischen Allianz und der vorherrschenden Rolle der USA in der NATO ausgewirkt.

 

Ein abgekartetes Spiel?

57 Prozent der französischen Bevölkerung, so sagt eine Umfrage vom 17. Mai, ist davon überzeugt, dass Strauss-Kahn in eine Falle gelockt und Opfer eines falschen Spiels wurde. Er wurde aufgrund des Vorwurfs sexueller Nötigung und versuchter Vergewaltigung festgenommen, die auf dürftiger Beweisgrundlage stehen. Seine Inhaftierung geht auf eine Anzeige des Hotels Sofitel, in dem er gewohnt hatte, zurück, die im Namen des angeblichen Opfers, eines namentlich nicht bekannten Zimmermädchens, eingereicht wurde:

»Die 32-jährige Frau erklärte gegenüber den Behörden, sie habe seine Suite am frühen Samstagnachmittag betreten, und er habe sie angegriffen, sagte der Sprecher der New Yorker Polizeibehörde, Paul J. Browne. Sie sagte weiter, sie sei aufgefordert worden, die Suite, die 3.000 Dollar pro Übernachtung kostet, zu reinigen. Sie sei davon ausgegangen, dass sie leer sei.

Nach ihrer polizeilichen Aussage sei Strauss-Kahn nackt aus dem Badezimmer gekommen, habe sie durch den Flur gejagt und dann in ein Schlafzimmer gezerrt. Dort habe er sie sexuell genötigt. Sie sagte, es sei ihr gelungen, ihn abzuwehren, daraufhin habe er sie in das Badezimmer gedrängt, wo er sie zum Oralverkehr zwang und versuchte, ihr die Unterwäsche auszuziehen. Es sei ihr wieder gelungen, sich zu befreien und aus der Suite zu fliehen. Dann habe sie Hotelmitarbeitern von den Ereignissen erzählt, erklärten die Behörden. Diese hätten dann die Polizei gerufen.«

 

Infragestellung des Washington Consensus

Im Kern geht es im Zusammenhang mit Straus-Kahns »Abschuss« um einen »Regimewechsel« innerhalb des IWF. Die Regierung Obama forderte bereits seine Ablösung durch eine gefügigere Persönlichkeit. Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner, der vorher die New Yorker Niederlassung der Federal Reserve geleitet hatte, sprach sich für eine Ablösung von Dominique Strauss-Kahn aus, da dieser »seinen Pflichten als IWF-Generaldirektor nicht länger nachkommen kann«.

»Geithner fordert eine umfassendere formale Anerkennung durch den IWF-Vorstand, dass John Lipsky, der zweite Mann des IWF, weiterhin für eine Übergangszeit als Interims- Generaldirektor eingesetzt werde. Auch wenn Strauss-Kahn erst noch zurücktreten müsse, heißt es aus dem IWF, stehe man mit seinen Anwälten in Kontakt, um über seine Zukunft in der Organisation zu sprechen.«

Was steckt hinter diesem abgekarteten Spiel? Welche einflussreichen Interessen sind darin verwickelt? Immerhin unterhielt Geithner eine enge persönliche Beziehung zu Strauss-Kahn (DSK).

Am 18. Mai forderte der amerikanische Senator Mark Kirk aus Illinois im Senat den Rücktritt von DSK und appellierte an den stellvertretenden IWF-Generaldirektor John Lipsky, »die volle Verantwortung für den IWF« als Interims-Generaldirektor zu übernehmen. Dieser Regelung der »ständigen Nachfolge« solle ohne Verzögerung erfolgen. John Lipsky ist ein sehr gut vernetzter Wall-Street-Banker und früherer stellvertretender Vorstandschef der Investmentbank JPMorgan.

Auf dem Papier ist der IWF zwar eine internationale Organisation, historisch gesehen wird sie aber von der Wall Street und dem amerikanischen Finanzministerium kontrolliert. Die »bittere Wirtschaftsmedizin« des IWF, die sogenannten Strukturanpassungsprogramme (SAP), die zahllosen Entwicklungsländern aufgezwungen wurden, dienen in erster Linie den Interessen der Gläubigerbanken und multinationalen Konzernen.

Der IWF ist nicht der eigentliche Architekt dieser verheerenden Wirtschaftsreformen, die Millionen Menschen in bittere Armut getrieben haben, während gleichzeitig »günstige Bedingungen« für ausländische Investoren in den Niedriglohn-Volkswirtschaften der Entwicklungsländer geschaffen wurden. Das eigentliche Sagen haben die Gläubigerbanken. Der IWF ist eine bürokratische Einrichtung, und seine Funktion besteht darin, diese Wirtschaftspolitik im Interesse der mächtigen und vorherrschenden Wirtschaftsinteressen um- und durchzusetzen.

Die von Strauss-Kahn vorgeschlagenen Reformen gäben dem IWF zwar ein »menschlicheres Gesicht«, stellen aber keinen Richtungswandel dar. Sie bewegen sich alle innerhalb der neoliberalen Ideologie. Sie verändern, aber untergraben keinesfalls die zentrale Funktion der »Wirtschaftsmedizin« des IWF. Die verheerenden soziale Folgen der IWF-»Schocktherapie« blieben auch unter der Leitung von Strauss-Kahn weitgehend bestehen.

Dominique Strauss-Kahn wurde im November 2007 an die Spitze des IWF berufen, weniger als ein Jahr vor der Finanzkernschmelze an der Wall Street von September bis Oktober 2008. Die strukturellen Anpassungsprogramme blieben unverändert. Unter DSK wurde die IWF-»Schocktherapie«, von deren Anwendung ansonsten nur Entwicklungsländer betroffen waren, auch Griechenland, Irland und Portugal zuteil. Unter der Leitung Strauss-Kahns forderte der IWF, die Entwicklungsländer sollten Subventionen für Nahrungsmittel und Benzin einstellen, obwohl die Rohstoffpreise in der gleichen Zeit an der New Yorker und Chicagoer Handelsbörse in die Höhe schossen.

Die Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und Treibstoff, die dem Zusammenbruch an der Wall Street im September und Oktober 2008 vorangingen, gingen zum großen Teil auf Marktmanipulationen zurück. Die Getreidepreise wurden künstlich durch großangelegte spekulative Operationen in die Höhe getrieben. Anstatt die Spekulanten in die Schranken zu weisen und den Preisanstieg einzudämmen, sorgte der IWF dafür, dass Regierungen der stark verschuldeten Entwicklungsländer keinesfalls in den »freien Markt« eingriffen, um die Preise niedrig zu halten. Diese Preissteigerungen bei Lebensmitteln, die die Folge unverhohlener Manipulation (und keineswegs einer Mangelsituation) waren, trieben Menschen weltweit in die Armut. Gerade der Anstieg der Lebensmittelpreise läutete eine neue Phase der weltweiten Verarmung ein.

DSK war an diesem Prozess der Marktmanipulation beteiligt. Die Aufhebung der Nahrungsmittel- und Treibstoffsubventionen in Tunesien und Ägypten waren vom IWF gefordert worden. Die Preise für Lebensmittel und Benzin schossen in die Höhe, die Bevölkerung verarmte, was dann den Weg für die soziale Protestbewegung im Januar 2011 ebnete:

»Vernunft in der Haushaltspolitik blieb die übergreifende Priorität für die [tunesischen] Behörden, die auch die Notwendigkeit erkannten, unter den derzeitigen internationalen Bedingungen 2010 eine unterstützende Haushaltspolitik beizubehalten. Die Bemühungen des vergangenen Jahrzehnts, die Schulden abzubauen, sollten durch eine allzu lockere Haushaltspolitik nicht gefährdet werden. Die Regierung ist entschlossen, die derzeitigen Ausgaben, einschließlich der Subventionen, streng zu kontrollieren …« (IMF Tunisia: 2010 Article IV Consultation – Staff Report; Public Information Notice on the Executive Board Discussion; and Statement by the Executive Director for Tunisia).

»[Der IWF] ermutigt die [ägyptischen] Regierung, die Reformen zu Nahrungsmittel- und Treibstoffsubventionen voranzutreiben und begrüßte ihre Absicht, die Wirksamkeit und Zielgenauigkeit der Nahrungsmittelsubventionen zu verbessern [dies bezieht sich auf die Abschaffung ausgewählter Nahrungsmittelsubventionen].

Es sollten Überlegungen angestellt werden, einen automatischen Anpassungsmechanismus für die einheimischen Treibstoffpreise einzuführen, um Verzerrungen zu vermeiden [das bedeutet nichts anderes als dramatische Preisanstiege bei Treibstoffen ohne staatliche Einmischung], während gleichzeitig auf Barzahlung beruhende Sozialprogramme ausgeweitet werden sollten, um betroffene Gruppen zu schützen (»IMF Executive Board Concludes 2008 Article IV Consultation with the Arab Republic of Egypt Public Information Notice«, PIN, No. 09/04, 15. Januar 2009).

Unter Strauss-Kahn setzte der IWF ebenfalls drastische Sparprogramme gegenüber Ägypten durch und unterstützte die Bemühungen Hosni Mubaraks um eine »Ausweitung der Privatisierungsvorhaben« (ebenda).

 

Die Verbindung Frank G. Wisner – Nicolas Sarkozy

Bei der Richterin, die Strauss-Kahn die Freilassung auf Kaution verweigerte, handelt es sich um Melissa Jackson, die von Michael Bloomberg, der zusätzlich zu seiner Funktion als New Yorker Bürgermeister auch an der Wall Street sehr einflussreich ist, ernannt und protégiert wird. Der Bezirksanwalt von Manhattan, Cyrus Vance jun., warf (bei einer dürftigen Beweislage) Strauss-Kahn sieben Straftaten vor, darunter versuchte Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch, erzwungene Berührungen und unerlaubte Gefangennahme.

Wer ist Cyrus Vance jun.? – Er ist der Sohn des bereits verstorbenen Cyrus Vance, der als Außenminister unter Jimmy Carter tätig war. Aber da gibt es noch weitere Verbindungen, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Der Stiefvater von Nicolas Sarkozy, Frank G. Wisner II., ein bekannte CIA-Beamter, heiratete [Sarkozys] Stiefmutter Christine de Ganay 1977 und war Abteilungsleiter im Außenministerium unter Cyrus Vance, dem Vater des Bezirksstaatsanwaltes Cyrus Vance jun.

Warum ist das von Bedeutung?

Die Familien Wiesner und Vance unterhalten enge persönliche Beziehungen. Und Nicolas Sarkozy unterhält enge familiäre Beziehungen zu seinem Stiefvater Frank Wisner (und seinen Halbbrüdern und -schwestern in den USA, und ein Spross der Familie Wisner war auch am Wahlkampf Sarkozys beteiligt).

Frank G. Wisner II. gehört zu den berüchtigsten Geheimagenten der USA; und sein bereits verstorbener Vater Frank Gardiner Winser (1909–1965) war der führende Kopf hinter dem von der CIA unterstützten Putsches, der zum Sturz der Regierung Mohammed Mossadeghs 1953 im Iran führte. Wisner jun. ist zugleich Kurator des Rockefeller Brothers Trust.

Diese unterschiedlichen persönlichen Beziehungen beweisen zwar nicht, dass Strauss-Kahn Opfer einer Intrige wurde, aber die Beziehungen Sarkozys zur CIA über seinen Stiefvater, und nicht zu vergessen, die Verbindungen Frank G. Wisners II. zur Familie von Cyrus Vance sind es sicherlich wert, einmal genauer untersucht zu werden. Frank G. Wisner II. spielt auch eine wichtige Rolle als geheimdienstlicher Sondergesandter Obamas nach Ägypten auf dem Höhepunkt der Proteste im Januar 2011.

Welche Rolle spielt die CIA?

Wurde Strauss-Kahn Opfer einer Intrige in seiner unmittelbaren politischen Umgebung, zu der auch Präsident Obama und US-Finanzminister Timothy Geithner zu rechnen sind?

 

Ein fairer Prozess?

Gilt hier nicht die Unschuldsvermutung? Die amerikanischen Medien haben bereits ihr Urteil gefällt. Wird das Gerichtsverfahren manipuliert sein?

Man könnte erwarten, dass Strauss-Kahn einen fairen Prozess bekommt und vor allem der gleichen Behandlung unterzogen wird, die in den Tausenden Verhaftungen wegen angeblicher aggressiver sexueller Belästigung in New York angewandt wird.

Wie viele vergleichbare Fälle sexueller Übergriffe geschehen normalerweise in einem Monat in New York? Gibt es ein zugrunde liegendes Muster? Wie viele dieser Fälle werden der Polizei gemeldet? In wie vielen dieser Fälle nimmt die Polizei Ermittlungen auf?

Wie hoch ist der Prozentsatz der Beschuldigten, die der Polizei übergeben und dann inhaftiert wurden? In wie vielen Fällen kommt es zu einer Anklage? Welche zeitliche Verzögerung ist bei diesen Verfahren normal?

In wie vielen Fällen kommt es ohne Gerichtsverfahren zu einer Freilassung?

In wie vielen Fällen wird das Verfahren vom Richter eingestellt?

In wie vielen Fällen, in denen es zur Eröffnung eines förmlichen Verfahrens kommt, wird dem Beschuldigten vom Richter die Freilassung auf Kaution verwehrt?

Wie viele werden auf Kaution freigelassen und wie hoch ist die Kaution durchschnittlich?

Wie viele werden auf dürftiger und unvollständiger Beweisgrundlage inhaftiert?

Wie viele von denen, denen eine Freilassung auf Kaution verweigert wurde, werden auf Anordnung Michael Bloombergs in das berüchtigte Hochsicherheitsgefängnis auf Rikers Island überführt?

 

Diplomatische Immunität

Presseberichten zufolge wird Beamten oder offiziellen Vertretern der Vereinten Nationen und der Bretton-Woods-Institutionen keine volle diplomatische Immunität zugestanden – vor allem die USA haben dieses Protokoll nicht ratifiziert.

»Die UN-Konvention zu Privilegien und Immunität für internationale Behörden wurde von den meisten Ländern ratifiziert. Sie räumt den Leitern von UN-Behörden in den Ländern, in denen ihre Organisation ihren Sitz hat, eine breite Immunität ein. Aber die amerikanische Regierung hat sich diesem Vertrag niemals angeschlossen. Angestellten internationaler Behörden wird vonseiten der USA nur eine begrenzte Immunität eingeräumt.«

Die entscheidende Frage lautet nun: Wie wird diese »begrenzte Immunität« in der Praxis angewendet? Und vor allem, wie viele Personen mit begrenzter Immunität (UN-Vertreter, Vertreter der Bretton-Woods-Organisationen) wurden verhaftet und in ein Hochsicherheitsgefängnis gesperrt?

Wurde Strauss-Kahn dieselbe Behandlung wie denjenigen zuteil, die unter den Bedingungen einer »begrenzten Immunität« verhaftet wurden?

Passt die Verhaftung von Strauss-Kahn zu diesem Muster? Oder wird Strauss-Kahn in einer Weise behandelt, die keineswegs der normalen (durchschnittlichen) Vorgehensweise entspricht, wie sie von Polizei und Strafverfolgungsbehörden in den zahlreichen Fällen von Verhaftungen wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung oder Nötigung angewendet wird?

Ohne eine Intrige sehr einflussreicher, im Hintergrund agierender Personen wäre der Chef des IWF ganz anders behandelt worden. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg und Timothy Geithner hätten ihn aus seiner misslichen Lage befreit. Die ganze Angelegenheit wäre auf eine Weise beigelegt worden, die das Ansehen einer einflussreichen Persönlichkeit des öffentlichen Lebens gewahrt hätte. Aber genau das ist nicht geschehen.



 

 

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