Tuesday, 30. August 2016
08.01.2015
 
 

Chronik des Grauens: Bestsellerautor F. William Engdahl skizziert die Entwicklungen und Hintergründe des Ukraine-Konflikts

Rainer Kromarek

Man darf hoffen, dass die jüngsten Vorstöße von SPD-Politikern zur Beilegung des Ukraine-Konflikts auch zu einer Entspannung des Verhältnisses von EU und Russland führen. Die USA beschlossen im Gegensatz dazu eine Verschärfung der Sanktionen. F. William Engdahl dokumentiert in einem neuen Buch Krieg in der Ukraine die Hintergründe dieser Auseinandersetzungen. Ein lesenswertes Werk, das dem Leser die Augen öffnet bei all der medialen Verdummung und einer »de facto bestehenden Pressezensur durch die NATO«.

 

Es war bislang kaum vorstellbar, in welchem Umfang die Mainstreammedien bei ihrer Berichterstattung über die Ukraine-Krise Informationen unterdrücken, Propaganda verbreiten und lügen – eine (freiwillige?) Gleichschaltung von Presse und Fernsehen, die man sonst nur von Diktaturen kennt.

 

Ein entscheidender Aspekt hierbei dürfte sein, dass führende Redakteure von Leitmedien wie Bild, Zeit, FAZ, Süddeutsche, tagesthemen und heute journal von der CIA gesteuerten, USA-freundlichen Vereinigungen angehören – wie Udo Ulfkotte in seinem Bestseller Gekaufte Journalisten aufgedeckt hat. Politische Nähe und Sympathie könnten eine Rolle spielen, wenn Mitarbeiter der sich linksliberal gebenden Frankfurter Rundschau Gefälligkeitsinterviews mit kriegstreiberischen Spitzenpolitikern der Grünen führen.

Es ist eine Bankrotterklärung des deutschen Journalismus, wenn man für kritische Informationen zum Ukraine-Konflikt auf eher Mainstream-ferne Zeitungen wie die DKP-nahe Junge Welt oder auf Internetangebote wie Kopp Online angewiesen ist.

 

In diesem Zusammenhang ist es als verdienstvoll zu bezeichnen, dass F. William Engdahl das Buch Krieg in der Ukraine geschrieben hat. Engdahl ist ein in Deutschland lebender US-Amerikaner, der sich bereits durch einige Werke zu geopolitischen Themen einen Namen gemacht hat, wie Mit der Ölwaffe zur Weltmacht, China in Gefahr oder Amerikas heiliger Krieg.

 

In seinem neuen Ukraine-Bestseller beschreibt der Autor in 38 gut lesbaren Kapiteln die Hintergründe einer von den USA »geplanten Katastrophe« – so der Untertitel des Buchs. Engdahls im Stil eines politischen Tagebuchs geschriebene Chronik beginnt am 1. Oktober 2013 mit den Aktivitäten der USA, die EU dazu zu verleiten, der Ukraine ein Freihandelsabkommen zu gewähren, um sie von Moskau wegzulocken. Engdahls Chronik endet am 11. September 2014 mit dem durch Vermittlung des russischen Präsidenten Wladimir Putin erreichten Kiewer Waffenstillstand.

 

Die Ausgangssituation des Konflikts: Der demokratisch gewählte, wenn auch korrupte Präsident der Ukraine weigerte sich im Herbst 2013, das für sein Land ungünstige Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen. Daraufhin kam es zu zunehmend gewalttätigen Demonstrationen. Statt bei der nächsten regulären Wahl im Frühjahr 2015 den Präsidenten abzuwählen, forderten die Protestierer dessen sofortigen Rücktritt.

 

Der Autor belegt, wie am 22. Februar 2014 die USA mithilfe bezahlter Heckenschützen den Staatsstreich gegen Präsident Wiktor Janukowytsch inszenierten und in der Ukraine eine von Rechtsradikalen und Kriminellen durchsetzte neue Regierung installierten. Schlüsselfigur der US-Aktionen ist die noch von Hillary Clinton ernannte Beauftragte des US-Außenministeriums für Europa und Eurasien, Victoria (»Fuck the EU«) Nuland – eine bekennende Neokonservative. Geplant wurde der blutige Ukraine-Machtwechsel von Susan Rice, der nationalen Sicherheitsberaterin des unentschlossen agierenden »Friedenspräsidenten« Barack Obama, die zusammen mit Obamas UN-Botschafterin Samantha Power und der ehemaligen Außenministerin Hillary Clinton zu den Architektinnen der verheerenden Kriege in Libyen und Syrien gehört.

 

Interessant ist, dass die USA – im Gegensatz zum Vietnam-Krieg und den beiden Überfällen auf den Irak – im Kampf um die Ukraine eine bereits bei der Zerstückelung von Jugoslawien in den 1990er Jahren erprobte Strategie anwenden. Statt Kampfbomber aufsteigen und Truppen aufmarschieren zu lassen, werden bezahlte Söldner und Killerkommandos eingesetzt. Das hat zwei »Vorteile«: Da sie anders als reguläre Streitkräfte verdeckt operieren, fällt ihr Tun weniger auf und führt zu weniger internationalen Protesten. Im Gegensatz zu Soldaten sind diese kriminellen Banden an keinerlei UN-Konventionen zur Kriegsführung gebunden.

 

Sie können morden, vergewaltigen, die Bevölkerung terrorisieren, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Das liest sich wie eine »Verschwörungstheorie«, wird in dem Buch aber durch Dokumente und Augenzeugenberichte belegt: Ein Teil der in der Ukraine im US-Auftrag tätigen Terrorbanden wurde im NATO-Land Polen ausgebildet. Diese Söldnerkriege werden mit dem moralisch hochstehenden Ziel »Freiheit und Demokratie« geführt – eine im Vergleich zu früheren Kriegen neue Begründung, und was für ein Zynismus!

 

Von den USA gesteuerte Nichtregierungsorganisationen (NGOs) verrichten seit Jahren in der Ukraine ihre Wühlarbeit. Wie bereits in mehreren Quellen erwähnt, haben die USA (staatliche Stellen und superreiche Privatleute) diese mit insgesamt fünf Mrd. US-Dollar finanziert. Diese Vorgehensweise ist geradezu billig, wenn man an die horrenden Kosten von mehreren Hundert Milliarden Dollar für die Irak-Kriege denkt.

 

Das amerikanische Abenteuer in der Ukraine (mit einer uneinigen EU als Gehilfin) ist Teil einer schon vor Jahrzehnten von dem in Polen geborenen früheren Regierungsberater Zbigniew Brzeziński formulierten Strategie der globalen US-Vorherrschaft. Die Anschläge von 9/11 waren der willkommene Anlass, weltweit möglichst viele Krisenherde zu schaffen, um »Freunden« von China und Russland zu schaden. Und das unter Eingehung des – siehe Ukraine! – durchaus kalkulierten Risikos eines dritten Weltkriegs. Bis jetzt blieb uns dieser alles vernichtende Krieg wegen des besonnenen Verhaltens Russlands und der Vermittlungsbemühungen moderater Kräfte in der EU erspart.

 

Engdahl hat recht, wenn er schreibt, dass diese US-Politik nicht nur gefährlich, sondern auch dumm ist. Je mehr »der Westen« mit dem Säbel rasselt und Sanktionen verhängt, desto mehr schließen sich die davon Betroffenen zusammen und verstärken ihre Bemühungen, den Dollar-Imperialismus zu beenden. China spielt dabei eine entscheidende Rolle. Denn das Land hat genügend große Währungsreserven und eine durchdachte Gegenstrategie.

 

 

 

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Leser-Kommentare (10) zu diesem Artikel

13.02.2015 | 21:51

LarsLonte

@Ben: EIR Nachrichtenagentur - BüSo für ein Trennbanksystem und Glass Steagall http://www.bueso.de Geolitico http://www.geolitico.de Michael C. Rupperts daily Peak Oil Blog http://www.fromthewilderness.com


30.01.2015 | 11:15

Loup

Die einzigen Sanktionen, die schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten überfällig sind, sind die gegen die USA!! Aber so dicke Pampers, die die Europäer dazu anziehen müßten aus lauter Angst vor den USA, gibts nicht.


09.01.2015 | 01:04

Rudolf-Robert Davideit

Tja Benjamin, was mir beim pornoschauen, da eidetisch, gerade klar wurde: Die erkennbaren männlichen Protagonisten bedurften jenseits des Plappermauls eines hinreichenden Widerstands!
Jetzt macht das fehlen der weiblichen Beschneidung für mich zivilisatorisch vs.kulturell Sinn! Noch Fragen?


08.01.2015 | 22:19

Rudolf-Robert Davideit

Tja, mich würde interessieren ob das Buch mit "Nachtigall"-Plan von ca. 1949 mit dem Protagonisten S. BANDERA (München) beginnt! Noch Fragen?


08.01.2015 | 17:56

ben

Ukraine: Berlin garantiert 500 Mio - Wieso garantiert Berlin 500 Millionen und nicht Paris, oder Rom? Schüchti Hollande spricht sich für die Beendigung der Sanktionen aus! Und Italiens Exporte brechen wegen der Sanktionen ein! - Es wird ja wohl immer klarer, daß die Kanzlerette die EU anführt. Wir haben es bei der EU und der Ukraine-Krise mit einer innerdeutschen Plage zu tun. -...

Ukraine: Berlin garantiert 500 Mio - Wieso garantiert Berlin 500 Millionen und nicht Paris, oder Rom? Schüchti Hollande spricht sich für die Beendigung der Sanktionen aus! Und Italiens Exporte brechen wegen der Sanktionen ein! - Es wird ja wohl immer klarer, daß die Kanzlerette die EU anführt. Wir haben es bei der EU und der Ukraine-Krise mit einer innerdeutschen Plage zu tun. - http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/ifo-chef-sinn-alexis-tsipras-hat-das-problem-verstanden-13355390.html - Den Eindruck habe ich auch. Ganz oben auf seiner Agenda steht der Kampf gegen die Oligarchen.


08.01.2015 | 15:46

ben

China hat keine Rohstoffe. Und die, die es braucht, um seine Wirtschaft am Brummen zu halten, stehen unter US-Hegemonie. Zwar hat Rußland mit China jetzt Kooperationsverträge abgeschlossen, aber Rußlands Rohtoffe reichen für den Industriehunger bei weitem nicht aus. - 1944 kontrollierte die NSDAP-eigene Standarte Gmbh und die Herold Verlagsgesellschaft, zu denen auch der Eher-Verlag/Zentralverlag der NSDAP gehörte, mit ihren Tochtergesellschaften etwa 90 Prozent der gesamten...

China hat keine Rohstoffe. Und die, die es braucht, um seine Wirtschaft am Brummen zu halten, stehen unter US-Hegemonie. Zwar hat Rußland mit China jetzt Kooperationsverträge abgeschlossen, aber Rußlands Rohtoffe reichen für den Industriehunger bei weitem nicht aus. - 1944 kontrollierte die NSDAP-eigene Standarte Gmbh und die Herold Verlagsgesellschaft, zu denen auch der Eher-Verlag/Zentralverlag der NSDAP gehörte, mit ihren Tochtergesellschaften etwa 90 Prozent der gesamten deutschen Presse und einen großen Teil des Buchmarktes. - Der Vorstoß der deutschen Sommeroffensive 1942 zum Kaukasus wurde von der deutschen Rohstoffknappheit diktiert. Aus diesem Grund versammelte Hitler Mitte Juni 1944 etwa 200 Industrielle auf dem Obersalzberg. Hitler betonte, seine Generale, die an der Ostfront kämpften, begriffen nicht die ganze Bedeutung des Donezbeckens, der Ukraine oder der Manganerze von Nikopol für die deutsche Industrie. Es geht den USA und der EU nicht nur darum, Rußland zu destabilisieren, um an die Rohstoffe zu kommen, sondern auch um die ukrainischen Vorkommen. - Die Welt wird in den nächsten 20 Jahren 3 Mal Saudi Arabien auftun müssen, nur um die Ausfälle abzudecken. Das Endspiel hat begonnen, wir befinden uns mitten im Krieg um die letzten Ressourcen.

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