
Großbritannien könnte, so erläuterte er seinen Plan vor dem Oberhaus, »einen Sicherheitsgürtel (einen sogenannten ›Cordon Sanitaire‹) entlang unterschiedlicher Grenzen, an denen Menschen für Unruhe sorgen, einrichten … Eure Lordschaften sind vielleicht der Ansicht, dies sei unmöglich, aber in den Bergen entlang der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan lebt mit Ausnahme einiger
Ziegen und wenigen Hirten niemand«. Und fügte hinzu: »Wenn man ihnen [den Kämpfern] nun mitteilte, man werde dort einige so genannte Neutronenbomben (ERRB, ›Enhanced Radiation Reduced Blast‹, ›Waffen mit erhöhter Strahlung, aber geringerer Sprengwirkung‹) abwerfen, und dass diese Region dann ein sehr ungemütlicher Platz wäre, um sich dort aufzuhalten, würden sie diese Gebiete meiden. Auf diese Weise könnte man unsere Probleme beim Schutz dieser Grenzen vor Infiltration aus beiden Richtungen deutlich verringern.«
Diese Äußerungen fielen am vergangenen Dienstag im Rahmen einer Debatte über den weltweiten Abbau von Atomwaffen. Sogenannte ERRB-Waffen oder Neutronenbomben töten durch ihre starke Strahlung Menschen und andere Lebewesen, lassen Gebäude oder anderes aber weitgehend intakt.
Lord Gilbert erklärte weiter, er stehe einer atomwaffenfreien Welt nicht positiv gegenüber: »Ich war hocherfreut, als Atomwaffen damals entwickelt wurden, und ich bin immer noch hocherfreut, dass es die Amerikaner waren, die sie mit unserer Hilfe entwickelten.«
Gilbert wurde für seine Äußerungen von Parlamentskollegen aller Fraktionen kritisiert. Für die Regierung erklärte Lord Wallace, die Regierungskoalition teile die »ausgelassenen Ansichten« Gilberts nicht.
John William Gilbert oder Baron Gilbert war bereits zweimal britischer Verteidigungsminister – zunächst in der Labour-Regierung unter James Callaghan und dann später in der ersten Amtszeit
Tony Blairs. Gilbert gehörte in seiner Zeit als Parlamentarier auch dem Geheimdienst- und sicherheitspolitischem Ausschuss an.
In Pakistan und Afghanistan befinden sich nach Überzeugung vieler zahlreiche Ausbildungslager von Gruppen, die mit al-Qaida, den Taliban, dem Hakkani-Netzwerk und anderen terroristischen Gruppen in Verbindung stehen. Die USA haben in Pakistan Hunderte von Drohnenangriffen gegen militante Kräfte durchgeführt. Bei den Angriffen kamen an die 2.000 Personen, darunter viele Zivilisten, ums Leben, und sie führten zu einer deutlichen Abkühlung der Beziehungen zwischen Washington und Islamabad.
In Afghanistan sind derzeit etwa 9.500 britische Soldaten an der ISAF (»International Security Assistance Force«) unter Führung der NATO beteiligt. England gehörte zu den Ländern, die die 2001 von den Amerikanern geleitete Operation »Andauernde Freiheit« im Rahmen des »Krieges gegen den Terrorismus« unterstützten. Die ISAF will bis Mitte 2013 die Macht an die afghanische Regierung übergeben und sich aus dem Land zurückziehen.
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