Wednesday, 30. July 2014
03.04.2013
 
 

»Eine Herausforderung für den Dollar«: Gesamtwert von Bitcoin übersteigt eine Mrd. Dollar

Redaktion

Bitcoin, eine Art virtueller Währung, hat bereits ein größeres Volumen als manche Währungen souveräner Staaten und überstieg nun in dieser Woche in ihrem Gesamtwert die Marke von einer Mrd. Dollar. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirtschaftskrise und der Liquiditätsengpässe stellt diese neue virtuelle Währung für Euro und US-Dollar eine Herausforderung dar.

Da Bitcoin mit keiner Finanzinstitution verbunden und von Regierungen weltweit unabhängig ist, wird sie sich zu einem »sicheren Zufluchtsort« für alle entwickeln, die versuchen, ihr Geld vor dem angeschlagenen internationalen Bankensystem in Sicherheit zu bringen, erklärte Max Keiser, der Moderator von Keiser Report von RussiaToday. »Bitcoin wird sich unvermeidlich zu einem viele Billionen Dollar umfassenden Unternehmen entwickeln, denn jede andere Währung

weltweit ist mit den untergehenden Zentralbanken verknüpft, die mit Schulden, die niemals zurückgezahlt werden können, belastet und einem ständigen Gegenpartei-Risiko ausgeliefert sind«, sagte er weiter.

 

 

Eine verschlüsselte Währung

Bitcoin entstand 2009 inmitten der weltweiten finanziellen Kernschmelze. Die digitale Währung wurde von jemandem erdacht, der sich Satoshi Nakamato nannte, und gründet sich auf eine Open-Source-Software. Für Finanztransaktionen werden so genannte »Peer-to-Peer«-Netzwerke (»P2P«-Netzwerke, die Kommunikation zwischen gleichberechtigten Rechnern ermöglichen), benutzt, um zentrale oder hierarchische Strukturen zu vermeiden.

 

Um sichere und fälschungsfreie Transaktionen zu gewährleisten, werden alle Transaktionen mit Verschlüsselungsverfahren gesichert, wie sie auch vom Militär und von Regierungen angewendet werden. Und anders als Banken kann das Bitcoin-Netzwerk kostenfrei genutzt werden. Will man allerdings eine höhere Transaktionsgeschwindigkeit, wird eine freiwillige Spende gerne gesehen.

 

Die Ausgabe der Währung erfolgt völlig automatisch, etwa alle zehn Minuten werden 25 neue Bitcoins erzeugt; die Inflation wird alle vier Jahre halbiert, bis ein Gesamtumlauf von 21 Millionen Bitcoins erreicht ist. Theoretisch könnte die Währung ihre Kaufkraft nur dann verlieren, wenn sie niemand mehr einsetzte.

 

Da zahlreiche Finanzunternehmen Bitcoins bereits in jede beliebige andere weltweite Währung tauschen, schätzt der Gründer der schwedischen Piratenpartei, Rick Falkvinge, dass Bitcoin einmal zwischen einem und zehn Prozent des weltweiten Devisenmarktes ausmachen könnte. Dies würde bedeuten, dass der Preis jedes einzelnen Bitcoin auf zwischen 100.000 Dollar und einer Million Dollar steigen würde, erläuterte Max Keiser. »Ich habe diese Auffassung selbst auch schon vertreten«, meinte er weiter. »Meiner Ansicht nach wird der Preis eines Bitcoin die 200.000 Dollar-Marke noch vor Warren Buffetts Berkshire-Hathaway-Aktien erreichen.«

 

Vor zehn Jahren sahen nur wenige voraus, dass Facebook einmal mehr als eine Milliarde Nutzer weltweit aufweisen würde. Ebenso können sich heute nur wenige vorstellen, dass es Bitcoin einmal mit den G-20-Ländern aufnehmen könnte, aber Keiser ist überzeugt, dass es dazu schon bald kommen wird: »Der Schätzwert von Bitcoin liegt heute bereits höher als der einiger Währungen souveräner Staaten, und dies stellt die heutzutage am meisten gehandelten Währungen, einschließlich des Dollars, des Euros, des Yens und des Renminbis vor eine Herausforderung.«

 

Erste Versuche der Regulierung von außen

Da diese virtuelle Währung die Behörden und Finanzinstitutionen umgeht und nicht besteuert werden kann, wenn jemand seine Transaktionen nicht freiwillig offenlegt, versuchen die amerikanische Regierung und ihr Finanzministerium, striktere Regeln und neue Geldwäschegesetze in Kraft zu setzen.

 

Es ist schwierig vorherzusehen, wie sich diese neue Politik auswirken wird. Patrick Murck, ein Rechtsberater der Bitcoin-Stiftung, einer Handelsgruppe, die Industriestandards fördert, erklärte, diese Bedingungen seien »für viele, wenn nicht sogar für die meisten Mitglieder der Bitcoin-Gemeinschaft nicht erfüllbar«.

 

Keiser ist demgegenüber der Auffassung, die Bitcoin-Nutzer und die Währung selbst müssten sich anders als die meisten anderen Internetneugründungen, die sich plötzlich den Aufsichtsbemühungen der Regierungen ausgesetzt sähen, keine großen Sorgen machen. Bitcoins werden nicht von einer zentralen Institution ausgegeben und gründen sich auf ein Netzwerk von Überprüfungsknoten, über die die Transaktionen abgewickelt werden. In Zukunft könnten Bitcoin-Nutzer vielleicht sogar so viel politischen Einfluss gewinnen, dass sie sich selbst in der internationalen Arena behaupten könnten. »Wenn der Wert von Bitcoins steigt, werden die neuen Bitcoins-Millionäre und -Milliardäre ihren wirtschaftspolitischen Einfluss auf die gleiche Weise zum Vorteil von Bitcoin einsetzen können, wie Banken wie JPMorgan oder Goldman Sachs mit ihrer Lobbyarbeit Regierungen dazu gebracht haben, für sie vorteilhafte Gesetze zu beschließen«, erläuterte er.

 

Web 3.0?

Auch für krisengeplagte Länder wie Zypern könnte Bitcoin hilfreich sein. »Zypern war für viele in Bezug auf Bitcoins eine Art ›Erweckungserlebnis‹, und so gesehen passt es auch, dass sich dies alles um Ostern herum ereignete«, fuhr Keiser fort. »Für Millionen von Menschen weltweit, die Opfer der Bankster und ihrer korrupten politischen Kumpane geworden sind, wurde es für einen Moment finster, und sie erkannten plötzlich, dass sie ihr Vermögen dadurch retten könnten, dass sie es in Bitcoin parkten. Und keine Regierung und kein Bankster könnte sie daran hindern.«

 

Nach einem anfänglichen starken Interesse am Internet Mitte der 1990er Jahre und dem darauf folgenden Aufschwung des Web 2.0 und dem starken Wachstum sozialer Netzwerke bildet Bitcoin die dritte und »vielleicht die durchschlagendste Entwicklung von allen«, sagte Keiser.

»Hier handelt es sich um das Web 3.0«, meinte er weiter. »Ich bin wirklich begeistert, da ich mich bereits Mitte der 1990er Jahre für das Konzept virtueller Währungen stark gemacht und vier amerikanische Patente unter meinem Namen eingereicht habe, die sich mit virtuellem Handel und virtuellen Währungen befassen. Die meisten Menschen, mit denen ich damals über diese Konzepte und die Chancen sprach, dass so etwas wie Bitcoin einmal existieren könnte, hielten es für unmöglich. Sie haben sich geirrt.«

Bitcoins können gegen andere virtuelle oder reale Währungen getauscht werden und werden als Bezahlung für Waren oder Dienstleistungen akzeptiert. Sie können auch bei Glücksspielen gewonnen, als Geschenk oder Spende angenommen oder einfach über das so genannte »Mining« erzeugt werden – dies ist der Weg, auf dem neue Bitcoins in das System integriert werden. Bitcoins (BTC) werden in Internetbörsen gegen andere Währungen getauscht. An einer der größten Börsen dieser Art – Mt. Gox in Japan – wurden BTC vor Kurzem mit einem durchschnittlichen Kurs von 90 Dollar pro Bitcoin gehandelt.

 

Aber auch Bitcoins können von Hackern, Dieben und Betrügern gestohlen werden, auch wenn sich die Bitcoin-Gemeinschaft bemüht, derartige Verbrechen einzuschränken. Der bisher größte Betrug im Zusammenhang mit Bitcoins erfolgte 2012 und lief nach Art eines klassischen Pyramidensystems ab. Investoren verloren nach Angaben des Bitcoins-Forums mindestens 200.000 BTC mit einem damaligen Wert von etwa 2,2 Mio. Dollar. Eine höhere Schätzung geht von einem Verlust von 500.000 BTC aus; das entspräche fünf Prozent der damals umlaufenden Bitcoins.

 

Beim bisher größten Hacker-Raub im März 2012 gingen den Opfern 46.653 BTC (mit einem Wert von 230.468 Dollar) verloren. Die Angreifer nutzten eine Schwachstelle beim Kundendienst der Börse Bitcoinica aus, um sich Zugriff auf die virtuellen Portemonnaies der Nutzer zu verschaffen.

 

Satoshi Nakamoto, der Bitcoins 2009 erfand, zog sich 2011 zurück, um ein eigenes System zu entwickeln. Seine wahre Identität wurde niemals enthüllt. Einem unter russischen Bloggern verbreiteten Gerücht zufolge soll es sich bei Nakamato um Grigori Perelman handeln, einen zurückgezogen lebenden russischen Mathematiker, der durch die Lösung der so genannten »Poincaré-Vermutung« berühmt und dem für diese Leistung 2006 die »Fields-Medaille« verliehen wurde. Diese Medaille – die »Internationale Medaille für herausragende Entdeckungen in der Mathematik« zählt zu den höchsten Auszeichnungen für Mathematiker. Er lehnte die Auszeichnung aber ab.

 

 

 

 

 


 

 

 

 

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