Tuesday, 30. August 2016
29.01.2013
 
 

Angebliche Explosion in der iranischen Urananreicherungsanlage Fordo: Israelische Propaganda oder versucht der Iran, die Angelegenheit zu vertuschen?

Redaktion

Über eine angebliche Explosion in der iranischen Urananreicherungsanlage Fordo zirkulieren widersprüchliche Berichte. Der Iran bestreitet, dass es überhaupt zu einer Explosion gekommen sei und bezeichnete entsprechende Pressemeldungen als »westliche Propaganda«, während Israel eine Explosion bestätigt. Meldungen wie diese erschweren natürlich die in den nächsten Wochen anstehenden Verhandlungen über das iranische Atomprogramm.

Erste Berichte über eine angebliche Explosion in der unterirdischen Urananreicherungsanlage in der Nähe der mitteliranischen Stadt Ghom tauchten am Freitag vergangener Woche auf, als Reza Kahlili, ein übergelaufener früherer Angehöriger der iranischen Revolutionsgarden, einen

entsprechenden Bericht auf der amerikanischen, dem konservativen Lager zugerechneten Internetseite WorldNetDaily veröffentlichte.

 

Der Iran hat diese Berichte umgehend dementiert, während Israel und einige amerikanische Medien berichteten, die Explosion habe sehr wohl stattgefunden und erheblichen Sachschaden angerichtet. Der Westen geht davon aus, dass die Anlage in Fordo, deren Existenz erst im September 2009 gegenüber der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) eingeräumt wurde, seit Ende 2011auf 20 Prozent angereichertes Uran herstellt. Für Kernreaktoren würde bereits eine Anreicherung auf 3,5 Prozent ausreichen. In der Anlage sollen seit Anfang dieses Jahres 700 Spezialzentrifugen arbeiten.

 

»Sabotage« und »Propaganda«

Der Iran wirft Israel und den USA vor, die in wenigen Wochen stattfindenden Gespräche über das iranische Atomprogramm in ihrem Sinne beeinflussen zu wollen. »Die Falschmeldungen über eine angebliche Explosion in Fordo sind westliche Propaganda und sollen dazu dienen, die anstehenden Verhandlungen über das Atomprogramm zu beeinflussen«, erklärte der stellvertretende Leiter der iranischen Atomenergiebehörde Saeed Shamseddin Bar Broudi nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters.

 

Israelische Geheimdienste haben demgegenüber erklärt, die Explosion habe tatsächlich stattgefunden und erheblichen Schaden angerichtet. Allerdings sei das Gebiet nicht evakuiert worden, wie die Sunday Times berichtete. Die britische Zeitung schreibt weiter, Israel stehe erst am Anfang, sich ein Bild der Lage und der Bedeutung des Ereignisses zu machen.

 

Bisher sei unklar, ob es sich bei der Explosion um einen »Sabotageakt oder einen Unfall« gehandelt habe, zitiert die Zeitung einen israelischen Regierungsvertreter. Ein anderer Informant, ebenfalls aus israelischen Geheimdienstkreisen, bestätigte dies gegenüber der Londoner Times. »Israel geht bisher davon aus, die Iraner hätten die betroffene Umgebung der Anlage nicht evakuiert. Bisher ist unklar, ob dies damit zusammenhängt, dass keine gefährlichen Stoffe freigesetzt wurden, oder ob Teheran auf diese Weise versucht, eine Panik unter den Bewohnern des nahegelegenen Dorfes zu verhindern«, sagte der Informant gegenüber der Zeitung.

 

Der erste Bericht

Als erster berichtet Reza Kahlili für die Internetseite WorldNetDaily über die angebliche Explosion, die nach seinen Worten »einen großen Teil der Einrichtung zerstörte und etwa 240 Personen, die in der Anlage arbeiteten, tief unter der Erde einschloss«. Unter den Eingeschlossenen sollen sich, so Kahlili, Wissenschaftler und Arbeiter, darunter viele Ausländer, befunden haben.

 

Als Quelle beruft sich dieser Artikel auf einen »Mitarbeiter der Sicherheitskräfte, die zum Schutz von Fordo eingesetzt sind«. Dieser habe erklärt, die Explosion sei am vergangenen Montag erfolgt. Die Anlage selbst befindet sich zum Schutz vor Luftangriffen im Innern eines Bergmassivs. »Die Explosion erschütterte die Anlagen in einem Umkreis von drei Kilometern. Die Sicherheitskräfte haben um die Anlage herum eine Verkehrsverbotszone mit einem Durchmesser von 15 Kilometern eingerichtet. Die Autobahn, die Teheran und Ghom verbindet, war nach der Explosion für mehrere Stunden gesperrt«, heißt es in dem Artikel weiter. Die Notausgänge seien verschüttet und das iranische Regime rechne aufgrund möglicher Strahlung noch mit einem Anstieg der Opferzahlen.

 

Am Montag erklärte Kahlili gegenüber der Jerusalem Post, die Explosion habe möglicherweise auch deshalb so großen Schaden angerichtet, weil durch sie viele radioaktive Lecks entstanden sein könnten. »Fordo bildet den Kern des iranischen Atomprogramms und ist daher für das Regime, dessen Aktivitäten und das Atomprogramm unverzichtbar. Sollte Fordo von einer derartigen Explosion getroffen worden sein, würde dies dem Iran auf jeden Fall schwer zu schaffen machen. Sie arbeiteten dort daran, eine Anreicherung des Urans auf 20 Prozent zu erzielen und haben die Produktion der Anlage ausgeweitet«, fügte er hinzu.

 

Nach Ansicht von Kahlili werden die amerikanischen Medien die angebliche Explosion bald verstärkt aufgreifen und dabei würden weitere Informationen ans Licht kommen, die die Explosion bestätigten. Aber bisher haben die meisten internationalen Medien die Glaubwürdigkeit des Berichts nicht untermauern können. Denn bisher fehlen immer noch Beweise, die die Richtigkeit der Behauptung bestätigen könnten – so die israelische Tageszeitung Haaretz.

 

Glaubwürdigkeit infrage gestellt

Auch an der Objektivität des Verfassers mehren sich die Zweifel. Kahlili arbeitete in den 1980er Jahren, als er noch im Iran lebte, für den amerikanischen Geheimdienst CIA, dem er Informationen beschaffte. Einige Jahre später siedelte er dann mitsamt seiner Familie in die USA um. »Kahlili tritt in den USA häufig als Gastredner auf Veranstaltungen rechtsgerichteter und anderer Organisationen auf, die die Rechte in Israel unterstützen... Er verglich das Regime in Teheran mit dem Naziregime und forderte Israel auf, die iranischen Nukleareinrichtungen zu bombardieren«, berichtet der Haaretz-Journalist Anshel Pfeffer.

 

Derzeit verdient Kahlili seinen Lebensunterhalt damit, Bücher zu schreiben und Vorträge über den Iran zu halten. Er behauptet, immer noch über ein »beeindruckendes Netzwerk von Quellen in verschiedenen Regierungseinrichtungen zu verfügen«. Kahlili hat es bisher strikt vermieden, sein Gesicht öffentlich zu zeigen. Als Grund gibt er an, Vergeltungsmaßnahmen zu befürchten. Deshalb tritt er immer mit einer Baseballkappe, einer Sonnenbrille und einem Gesichtsschutz, wie ihn Chirurgen benutzen, auf. »Seine Tätigkeit für die CIA wurde von Informanten aus dem Geheimdienst bestätigt. Zudem wurde auf der CIA-Internetseite eine wohlwollende Besprechung seines Buches Zeit zum Verrat veröffentlicht«, fügte Pfeffer hinzu.

 

Von Medien wurde auch die Frage aufgeworfen, warum es, wenn diese Explosion tatsächlich stattgefunden habe, dann keine Satellitenfotos gebe, auf denen Noteinsatz- und Rettungsfahrzeuge zu sehen seien? Und warum hätten sich noch keine Angehörigen der Betroffenen zu Wort gemeldet?

 

Beteiligung Israels vermutet

Berichten zufolge soll sich ein israelisches Flugzeug zur Zeit der Explosion nahe der Anlage aufgehalten haben, heißt es in der Sunday Times. Israel hat eine Beteiligung dementiert. Allerdings erklärte der amtierende israelische Verteidigungsminister am Sonntag, man »begrüße« die Nachricht der Explosion und betrachte alle Meldungen über Maßnahmen, die dem iranischen Atomprogramm schadeten, als »gute Nachrichten«.

 

Darüber hinaus wird argumentiert, Israel sei nicht in der Lage, die massiven Bunker der Anlage in Fordo zu durchbrechen, eine Beteiligung Israels sei daher eher unwahrscheinlich. Allerdings verfügten die USA über entsprechende bunkerbrechende Waffentechnologien.

 

»Es wurde schon vielfach darüber berichtet, dass Israel keine ausreichend starken Bomben besitzt, die die Schutzwände von Fordo durchbrechen könnten. Aber die USA verfügen mit ihrem so genannten ›Massive Ordnance Penetrator‹ (MOP) auf der anderen Seite über bunkerbrechende Waffen, die in der Lage wären, die Bunkerwände zu durchbrechen«, sagte Emily Landau, Projektleiterin für Abrüstung und regionale Sicherheit des Instituts für nationale Sicherheitsstudien der Universität Tel Aviv gegenüber der Jerusalem Post. Die amerikanische MOP sei zudem einsatzbereit.

 

Die völlige Schließung der Anreicherungsanlage in Fordo war eine der drei Forderungen der sogenannten P5+1-Gruppe, die sich aus den USA, England, Frankreich, Russland, China und Deutschland zusammensetzt, gegenüber dem Iran bei den bisherigen Atomgesprächen, die im vergangenen Jahr ergebnislos abgebrochen wurden, nachdem sich die iranischen Vertreter geweigert hatten, darüber zu verhandeln.

 

Der Westen befürchtet, der Iran sei dabei, Atomwaffen zu entwickeln. Der Iran hat demgegenüber immer erklärt, sein Atomprogramm diene friedlichen Zwecken. Das höher angereicherte Uran werde für medizinische Zwecke benötigt.

 

 

 


 

 

 

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