Freitag, 2. Dezember 2016
28.03.2014
 
 

Auch Sardinien will ein Internet-Referendum zur Unabhängigkeit von Italien

Redaktion

Die italienische Mittelmeerinsel Sardinien will ebenfalls ein Internet-Referendum zur Unabhängigkeit von Italien durchführen und tritt damit in die Fußstapfen der im Nordosten des Landes gelegenen Region Venetien (Veneto), in der vor Kurzem eine ähnliche Abstimmung deutliche separatistische Bestrebungen und Einstellungen zutage förderte.

An dem Internet-Referendum im Veneto, das vom 16. bis 21. März veranstaltet wurde, beteiligten sich mehr als zwei Millionen Menschen. Fast 90 Prozent von ihnen befürworten eine Abspaltung von Rom. Auch wenn das Plebiszit keine rechtlich verbindliche Entscheidung darstellt, regte es die Sardinische Aktionspartei (Partito Sardo d’Azione, PSdAz) dazu an, eine Internet-Abstimmung zur Unabhängigkeit auf Sardinien zu organisieren, wie die Internetseite Nuova Sardegna berichtete.

 

Die PSdAz befürwortet eine Abspaltung von Italien und setzt sich für die Pflege sardinischer Traditionen und Werte ein. »Wir wollen die Einwohner Sardiniens lediglich fragen, ob sie die Unabhängigkeit wollen«, erklärte John Hills, Generalsekretär der PSdAz. »Ihre Meinung ist wichtig. Unserer Ansicht besitzt die Frage der Unabhängigkeit heute sehr große Bedeutung, und wir wollen deutlich machen, was genau der Wille der Bevölkerung ist.«

 

 

Am Donnerstag, den 27. März, soll eine entsprechende Petition für ein Internet-Referendum dem Regionalrat in Sardinien vorgelegt werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird den Inselbewohnern nur diese eine Frage vorgelegt werden, sollte die Abstimmung grünes Licht erhalten: »Wollen Sie, dass Sardinien ein unabhängiger Staat wird?«, erklärte Hills weiter.

 

Sardinien mit seiner Bevölkerung von etwas mehr als 1,6 Millionen Menschen ist die zweitgrößte Insel im Mittelmeer. Derzeit ist es eine autonome Region Italiens mit Sonderstatut, das es Sardinien erlaubt, 70 Prozent der eingenommenen Steuern selbst zu verwalten. Noch vier weitere autonome Regionen verfügen über diesen Sonderstatus (Friaul, Trentino-Südtirol, das Aosta-Tal und Sizilien). Eine Umfrage der Universität von Cagliari aus dem Jahr 2012 ergab, dass etwa 40 Prozent der Einwohner Sardiniens eine Unabhängigkeit von Italien befürworten. Damals nahmen etwa 6000 Menschen an der Befragung teil. Davon erklärten etwa zehn Prozent, sie wollten nicht nur Italien, sondern auch der Europäischen Union den Rücken kehren.

 

Einige politische Kräfte in Sardinien erklären, sie hätten bereits konkrete Vorstellungen, was die Insel tun solle, nachdem sie ihre Unabhängigkeit erlangt hätte. So setzt sich die Bewegung Canton Marittimo dafür ein, Sardinien solle Teil der Schweiz werden und lässt sich dabei durchaus nicht durch das Gelächter der Kritiker beeindrucken.

 

»Der angebliche Wahnsinn liegt nicht in diesem Vorschlag«, sich einem 1000 Kilometer entfernten Binnenland anzuschließen, erklärte Andrea Caruso, einer der Mitbegründer der Bewegung, gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian. »Der Wahnsinn offenbart sich eher in der gegenwärtigen Lage.«

 

Die »ineffiziente und kranke« Verwaltung, mit der sich Sardinien als Teil Italiens zufrieden geben müsse, zwinge die Region, sich nach einem »kompetenten Partner« umzuschauen, »der uns zeigen kann, wie man eine effektive, effiziente und ausgereifte Regionalregierung und  verwaltung errichtet«, heißt es in einer Petition auf der Internetseite der Bewegung Canton Marittimo. »Und dieser Partner ist, unserer Ansicht nach, die Schweiz«, heißt es in der Petition weiter. Bisher haben sich dieser Internet-Petition, die sich an Einwohner Sardiniens und die Bürger der Schweiz richtet, 2500 Menschen angeschlossen.

 

Die Zunahme separatistischer Bewegungen in Europa »ist kein negativer Prozess«, erklärte Anna Arque von der Arbeitsgruppe European Partnership for Independence, die versucht, die Unabhängigkeitsbewegungen in Flandern, Katalonien, Schottland und dem Baskenland zu einem gemeinsamen Aktionsbündnis zusammenzubringen.

 

»Eigentlich geht es hier um etwas Positives. Als Bürger Europas haben wir Vertrauen in die Demokratie, weil wir tatsächlich den Eindruck haben, Europa ist erwachsen und entwickelt genug, die manchmal schwierigen Probleme der Demokratie zu bewältigen und den Willen verschiedener Nationen zu akzeptieren«, sagte sie. Ihrer Ansicht nach verfolgen die Unabhängigkeitsbewegungen in Europa das Ziel, »die Europäische Union von innen heraus neu zu organisieren; diese Neuorganisation durch die Bürger selbst muss sich am Prinzip der Demokratie orientieren, um die Konflikte zu lösen, … die bisher im 21. Jahrhundert noch nicht gelöst werden konnten«.

 

 

 


 

 

 

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