Friday, 29. July 2016
22.10.2013
 
 

Britische Ärzte erhalten Bonuszahlungen, wenn sie Patienten auf so genannte »Todeslisten« setzen

Redaktion

Allgemeinmediziner in Großbritannien erhielten Bonuszahlungen in Höhe von 50 Pfund, wenn sie Patienten auf umstrittene »Todeslisten« setzten, um die Zahl der belegten Betten in Krankenhäusern zu verringern. Bei dieser Vorgehensweise handelt es sich, wie britische Medien berichten, nur um eine weitere Taktik, die Kosten des teilstaatlichen britischen Gesundheitswesens, des National Health Service (NHS), zu drücken.

Jeder Todesfall, der sich außerhalb eines NHS-Krankenhauses ereignet, »spart« dem Gesundheitssystem Berechnungen zufolge 1000 Pfund (1183 Euro). Stirbt ein Patient in einem NHS-Krankenhaus, entstehen im Durchschnitt Kosten in Höhe von 3065 Pfund (3636 Euro),

während anderweitige Kosten etwa 2107 Pfund (2492 Euro) ausmachen.

 

Ärzten wurden Boni ausgezahlt, wenn sie »Schwerstpflegepläne für die letzte Lebensphase« für Patienten erstellten, die nach ihrer Ansicht innerhalb des kommenden Jahres sterben würden. Die betreffenden Zahlungen dienten offenbar dazu, die NHS-Kosten so niedrig wie möglich zu halten.

Nach Dokumenten, die der britischen Tageszeitung Daily Mail on Sunday vorliegen, bestand eines der »Hauptanliegen« dieses Projekts, das im Osten Englands versuchsweise anlief, darin, »die akute Sterbephase« in Einrichtungen außerhalb der Krankenhäuser zu verlegen, um so die »Kosten für das Gesundheitswesen zu senken«.

 

»Meiner Ansicht nach geht es hier nur ums Geld. Die Kosten für ein Krankenhausbett belaufen sich auf 200 Pfund (237 Euro) pro Tag«, sagte Dr. Anthony Cole, Vorsitzender der Organisation Medical Ethics Alliance, gegenüber der Zeitung. Die Befürworter dieser Methoden dächten vorrangig ans Geld. Er befürchte, dass dies zu einer unzureichenden medizinischen Versorgung in den letzten Lebenstagen der Patienten führen könnte.

 

Das Pilotprojekt »Gelber Ordner« wurde in 41 Praxen in Ipswich und East Suffolk erprobt und dauerte von Juli 2011 bis Ende September dieses Jahres. Die teilnehmenden Ärzte erhielten Zahlungen für jeden daheim gepflegten Patienten, für den sie erfolgreich einen Pflegeplan für die letzte Lebensphase erstellten. Die Klinische Leistungsvergabe- und Verrechnungsgruppe (»Clinical Commissioning Group«, CCG) für Ipswich und East Suffolk, die das Projekt durchführte, gab gegenüber der Zeitung keine Stellungnahmen dazu ab, wie hoch die Summe der Gelder gewesen sei, die sie für Boni ausgegeben habe.

 

Die Patienten, die an dem Programm teilnahmen, wurden aufgefordert, zu erklären, wo sie gerne sterben würden, ob sie lebenserhaltende Maßnahmen wünschten und welche Medikamente sie in den letzten Lebensstunden gerne einnehmen würden.

 

Unter dem Thema »Schnelles Handeln gefragt« wird auf der NHS-Internetseite darauf verwiesen, dass »eine wachsende Bevölkerung mit immer komplexeren Bedürfnissen« eines der wichtigsten Probleme sei, der sich das britische Gesundheitswesen gegenübersehe. Die »Zahl der Menschen mit mehrfachen, langfristigen Erkrankungen wird aller Wahrscheinlichkeit nach in der Zeit von 2009 bis 2018 von 1,9 Mio. Menschen auf 2,9 Mio. Personen anwachsen«.

 

Demgegenüber beteuern die Befürworter und Entwickler dieses Programms, es gehe ihnen vorrangig darum, den Menschen den Sterbeprozess zu erleichtern. Laut Umfragen, auf die die Sunday Mail verweist, zögen es 66 Prozent der Befragten vor, ihre letzten Tage zu Hause zu verbringen. Tatsächlich können sich diesen Wunsch nur 43 Prozent der Menschen erfüllen, die überwiegende Mehrheit stirbt in einem Krankenhaus.

 

Am Donnerstag vergangener Woche berichtete die englische Tageszeitung Daily Telegraph, führende Mitglieder des Oberhauses, des House of Lords, hätten erklärt, dem NHS drohe der finanzielle Ruin, da das System nicht in der Lage sei, die finanziellen Belastungen aufgrund der Probleme der alternden Gesellschaft Großbritanniens zu stemmen. Ein Angehöriger bezeichnete den NHS Berichten zufolge als »eine demografische Zeitbombe«.

 

Diese Bemühungen um Kostensenkungen innerhalb des NHS haben in den vergangenen Wochen in der britischen Presse für Turbulenzen gesorgt. Am Samstag wurde z.B. berichtet, einige Patienten hätten von Polizeiwagen ins Krankenhaus gebracht werden müssen, weil es an Krankenwagen mangelte. Und am Sonntag erklärte der Leiter der Notfallambulanzen Großbritanniens, gerade an Wochenenden herrsche oft ein gravierender Mangel an Fachärzten. Dies berge erhebliche Risiken.

 

Kritiker meinen, als Folge könnte es dazu kommen, dass Patienten Behandlungen verweigert würden. Drei Monate zuvor hatte die Zeitung berichtet, die Besatzung von Krankenwagen könne entscheiden, ob Personen ins Krankenhaus gebracht würden, wenn in ihrem Pflegeplan stehe, dass sie lieber zu Hause sterben würden.

 

»Warum sollte ein praktischer Arzt für ein solches Gespräch bezahlt werden und für andere nicht«, erklärte Dr. Gillian Craig, eine nicht mehr praktizierende Fachärztin für Altersheilkunde. »Meiner Meinung nach werden Ärzte sehr gut bezahlt, und es sollte keine Extrazahlungen geben. Alles andere führt nur zu Missbrauch und Ausnutzung.« Das Programm könnte sogar dazu beitragen, dass Behandlungen unterblieben, »weil man auf potenziell lebensrettende Krankenhausbehandlungen verzichtet… Ein Arzt erkennt vielleicht nicht, dass der Zustand des Patienten, auch wenn er zu sterben scheint, doch tatsächlich verbessert werden kann«.

 

In der englischen Fachzeitschrift Lancet wurde eine neue Untersuchung veröffentlicht, nach der ein besonderes umfassendes palliativmedizinisches Betreuungskonzept – der »Liverpool Care Pathway for the Dying Patient« (LCP) »die gleiche Qualität in der Pflege und Betreuung aufweist, wie sie in der Regel Krebspatienten, die in einem Krankenhaus sterben, gewährt wird«. Das LCP wurde in den 1990er Jahren aufgebaut und geriet in der britischen Presse in die Kritik, als es ausgeweitet wurde. Weiter heißt es in der Studie: »Jede Initiative, die das LCP in Großbritannien ersetzen soll, muss auf wissenschaftlichen Belegen basieren und in kontrollierten Versuchen erprobt sein, bevor es umgesetzt wird.«

 

NHS-Unternehmen, die LCP anbieten, erhalten dafür finanzielle Anreize. Mehr als sechs von zehn solcher Unternehmen hätten finanzielle Boni in der Größenordnung von mindestens zwölf Mio. Pfund (14,17 Mio. Euro) erhalten, berichtete die Daily Mail.


Zum Konzept des LCP gehört es, Untersuchungen oder Behandlungen, die für den Patienten als unnötig angesehen werden, zu unterlassen. In einem Schreiben aus dem Jahr 2012 warnten sechs Ärzte in einem Schreiben an die Zeitung, das Krankenhaus könnte dieses Programm dazu benutzen, den finanziellen Druck zu lindern. »Äußerungen über das LCP von Professor Patrick Pullicino … haben zu Kontroversen geführt. Aber er hat mit seiner Bemerkung Recht, dass es keine wissenschaftliche Methode gibt, festzustellen, ob ein Tod unmittelbar bevorsteht. Im wesentlichen handelt es sich um eine Einschätzung. Man könnte auch andere Überlegungen anstellen, um eine solche Entscheidung zu finden, ohne dabei die Verfügbarkeit der Behandlungsmöglichkeiten im Krankenhaus auszuschließen«, hieß es in dem Schreiben.

 

 

 

 


 

 

 

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