Monday, 26. September 2016
18.02.2014
 
 

Extremisten-Tourismus: 250 Dschihadisten kehren Berichten zufolge nach England zurück

Redaktion

Wie ein hochrangiger Sicherheitsexperte aus dem britischen Regierungsviertel Whitehall gegenüber der Sunday Times erklärte, seien an die 250 britische Dschihadisten nach ihrer Ausbildung und Kampfeinsätzen in Syrien nach England zurückgekehrt. Die Sicherheitsbehörden überwachen diese »extremistischen Touristen«, weil sie befürchten, diese könnten in England selbst Anschläge durchführen.

Die zuständigen Minister wurden schon vor längerer Zeit darüber informiert, dass mehr als 400 Engländer nach Syrien gereist seien, um sich dort an den Kämpfen zu beteiligen. »Mehr als die Hälfte von ihnen sind jetzt wieder zurückgekehrt«, sagte der Regierungsvertreter gegenüber der Times.

Hochrangigen Sicherheitsexperten zufolge hat sich die Zahl der »Rückkehrer« gegenüber früheren Berichten verfünffacht. Damit wächst auch die Gefahr, dass diese so genannten »extremistischen Touristen« in Kampfzonen reisen und als erfahrene und abgehärtete Kämpfer nach Hause zurückkommen. »Für einige ist ihr persönlicher Dschihad damit Geschichte. Andere werden anderen helfen, nach Syrien zu gelangen. Und wieder andere werden Gelder für den Kampf sammeln«, erklärte der Regierungsvertreter.

 

Zu den 250 Rückkehrern, die dem Bericht zufolge engmaschig von den Sicherheitsbehörden überwacht werden, zählen auch einige erfahrene und kampferprobte Hardliner, die in Afghanistan oder Pakistan gekämpft haben. Viele andere haben an Kämpfen teilgenommen, erhielten zusätzliche Ausbildung an bestimmten Waffen oder erwarben andere Fähigkeiten, die durchaus auch im Zusammenhang mit Terroranschlägen eingesetzt werden könnten. Einige tragen sich offenbar mit der Absicht, Anschläge in England durchzuführen, schrieb die Sunday Times unter Berufung auf den schon genannten Sicherheitsexperten. »Einige Hundert Personen werden Großbritannien verlassen. Sie werden verwundet werden oder sogar sterben. Unsere größte Sorge ist aber, dass sie bei ihrer Rückkehr radikalisiert und militarisiert sein werden. Es wird vermutlich Netzwerke von Personen geben, die sie im Gebrauch von Waffen unterweisen«, erklärte der Londoner Polizeichef Sir Bernard Hogan-Howe der Zeitung.

 

Als RussiaToday das Innenministerium um einen Kommentar bat, erhielt es nur eine vorbereitete Stellungnahme des Ministers für Einwanderung und Sicherheit, James Brokenshire. In der Erklärung heißt es, »bis zu 200 britische Staatsbürger« kämpften in Syrien, wo sie »möglicherweise mit extremistischen Gruppen in Kontakt kommen, die westliche Länder angreifen wollen«. Der Minister ging mit keinem Wort auf den Zeitungsbericht ein, sondern sagte nur, die britische Regierung »ist entschlossen, alle Terrorbedrohungen aufzudecken, zu verhindern und, falls möglich, strafrechtlich zu verfolgen, ob die Täter nun aus dem Ausland stammen oder in England leben. Uns ist bekannt, dass ein gewisses Risiko besteht, dass einzelne Personen nach England zurückkehren, nachdem sie sich radikalisiert haben. Aber diese Leute sollen wissen, dass die Polizei und die Geheimdienste daran arbeiten, potenzielle Bedrohungen zu erkennen und zu bekämpfen und so die nationale Sicherheit zu schützen. Die Polizei ist befugt, einzelne Personen an der Grenze zu befragen und festzuhalten, um dem Verdacht einer Beteiligung an terroristischen Straftaten nachzugehen«.

 

Berichten zufolge gelangten viele der Kämpfer über die Türkei nach Syrien. Zuvor hatten sie sich einem der verschiedenen Hilfskonvois angeschlossen, die nach außen hin den syrischen Flüchtlingen humanitäre Hilfe zukommen lassen sollten. In dem Artikel heißt es weiter, die britischen Dschihadisten hätten möglicherweise auch besondere Instruktionen erhalten, wie sie nach ihrer Ankunft zu Hause Anschläge durchführen sollten. Möglicherweise hätten einige britische Kämpfer sogar Extremisten aus zahlreichen Ländern genauestens über die Verhältnisse in England informiert.

 

Vor den Berichten über die Rückkehrer waren Einzelheiten über den ersten Selbstmordanschlag eines britischen Staatsbürgers in Syrien bekannt geworden. Abdul Wahid Madschid soll einen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen in ein Gefängnis in Aleppo gefahren haben. Inzwischen haben bereits 20 Engländer bei den Kämpfen im syrischen Bürgerkrieg ihr Leben verloren.

 

Der politische Kommentator Mohammed Ansar erklärte gegenüber RussiaToday, Madschids Anschlag stelle die Sicherheitsbehörden vor erhebliche Probleme, da er »nicht in das herkömmliche Profil eines jungen britischen ›Gotteskriegers‹ passt, der nach Syrien geht, um dort zu kämpfen. In der letzten Zeit ist besonders besorgniserregend, dass Personen, die in Syrien gekämpft haben, andere aufgefordert haben, ihnen nachzufolgen und sich ihnen anzuschließen. Auch britische Musliminnen werden aufgefordert, sie zu unterstützen.

 

Sie entwickeln sich zu effektiven Kriegsherren, die dort draußen agieren und illegal Waffen verkaufen. Sie sind für die Bevölkerung eher ein Fluch und schaden nur. Sie werden sich immer mehr radikalisieren. Und oft entwickeln sie dort eine seelische Bereitschaft zum Märtyrertum und sprechen oft davon, dass sie in dieses Land nicht wieder zurückkehren würden«.

 

Im letzten Jahr erklärte der Generaldirektor des MI5, Andrew Parker, vor dem britischen Parlament, der Syrienkonflikt habe für viele britische Staatsbürger, die davon träumten, sich einem Dschihad anzuschließen, eine große Anziehungskraft entwickelt. Es sei damit zu rechnen, dass viele von diesen Leuten mit Gruppen in Kontakt kämen, die al-Qaida nahestehen oder zugerechnet werden.

 

Der MI5 und die Polizei konnten im vergangenen Herbst möglicherweise einen angeblichen Terroranschlag einer in England operierenden Gruppe vereiteln. Diese Terrorzelle plante mutmaßlich Angriffe mit Schnellfeuerwaffen und Bombenanschläge ähnlich den Anschlägen im indischen Mumbai am 26. November 2008, bei denen 168 Menschen gestorben und mehr als 300 Personen verwundet worden waren.

 

Es wird vermutet, dass gegenwärtig insgesamt etwa 2000 Europäer in Syrien kämpfen. Im Januar berichtete das Wall Street Journal, im letzten Sommer seien Geheimdienstvertreter verschiedener europäischer Länder, darunter auch aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Spanien, nach Damaskus gereist, um dort mit syrischen Regierungsvertretern die Möglichkeit zu erörtern, der Bedrohung durch einen europäischen Dschihad zu begegnen.

 

Die Geheimdienstler waren insbesondere an einem Informationsaustausch über die mindestens 1200 europäischen Dschihadisten interessiert, die nach Syrien gereist sind, um beim Sturz der Regierung zu helfen.

 

 

 


 

 

 

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Amnesty International: Al-Qaida entführt, foltert und richtet Gefangene in Geheimgefängnissen hin

Redaktion

Verschleppungen, Folter, Tötungen, Scharia-Gerichte, Geheimgefängnisse mit unmenschlichen Bedingungen – diese Verbrechen wirft die Gefangenenhilfs- und Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) der mit al-Qaida verbündeten, islamistischen Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) in ihrem jüngsten Bericht vor. Zu den  mehr …

Augenzeugenberichte über Massaker in der syrischen Stadt Adra: »Abgeschlachtet wie die Schafe«

Redaktion

Überlebende Flüchtlinge berichten immer neue grausame Einzelheiten über das Massaker, das islamistische Rebellenkämpfer in der etwa 20 Kilometer nördlich Damaskus gelegenen Stadt Adra anrichteten. Mindestens 80 Menschen verloren dabei ihr Leben.  mehr …

Islamistische Terrorgruppen morden weltweit Christen und Obama will, dass wir uns mit ihnen verbünden

Michael Snyder

In den letzten Tagen mussten wir einige absolut erschreckende Beispiele miterleben, wie islamistische Terrorgruppen gegen insbesondere Christen und Angehörige anderer nichtmoslemischer Religionen vorgingen. Leider ist das kein neues Phänomen. Auf der ganzen Welt greifen radikalislamische »Gotteskrieger«, die so genannten »Dschihadisten«, immer  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Neuer Verdacht: Warf sich Edathy gezielt an Kinder ran?

Gerhard Wisnewski

Hat sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy Kinderpornos nicht nur angeguckt, sondern auch gezielt die Nähe von Kindern gesucht? Beides ist keineswegs bewiesen, und deshalb gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung. Doch wirft man einen Blick auf seine zahlreichen Aktivitäten, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der ledige  mehr …

EU-Subventionen: Milliarden für Absahner

Michael Brückner

Mit Steuergeldern in Milliardenhöhe werden in der EU unsinnige Projekte und gut verdienende Großkonzerne subventioniert. Über Steuerhinterziehung empört sich jeder. Doch gegen massive Verschwendung von Steuermitteln aber regt sich kein Widerstand.  mehr …

Sigmar Gabriel und die Kinderpornografie

Redaktion

SPD-Politiker Sigmar Gabriel hat Erfahrung mit dem Informieren von Genossen beim Verdacht auf Kinderpornografie. Viele haben das offenkundig vergessen.  mehr …

Pflanzenschutzmittel sind bis zu 1000 Mal giftiger als ihre auf Sicherheit getesteten aktiven Inhaltsstoffe

Jonathan Benson

Dem Universitätsgelehrten, dessen umstrittene Studie die krebsverursachende Wirkung des gentechnisch veränderten (GV) Bt-Maises und des Unkrautvernichters Roundup (Glyphosat) von Monsanto belegte, ist eine neue bahnbrechende Entdeckung gelungen. Dieses Mal geht es um die unterschätzte Toxizität von Pflanzenschutzmitteln im Allgemeinen.  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.