Sunday, 29. May 2016
02.01.2015
 
 

Filmemacher Oliver Stone: Zahlreiche Indizien verweisen auf CIA-Beteiligung an Massaker in Kiew

Redaktion

Der bewaffnete Putsch in Kiew erinnere fatal an CIA-Operationen zum Sturz aus Sicht der amerikanischen Regierung unerwünschter Staats-und Regierungschefs im Iran sowie in Chile und Venezuela, erklärte der bekannte amerikanische Filmemacher Oliver Stone, nachdem er den gestürzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowytsch im Rahmen einer Dokumentation interviewt hatte.

 

Er sei extra nach Moskau gereist, wo er mit Janukowytsch, der im Februar 2014 gestürzt worden war, vier Stunden lang gesprochen habe, berichtete Oliver Stone auf seiner Facebook-Seite. »Genauere Einzelheiten werden in der Dokumentation zu sehen sein, aber es scheint klar zu sein, dass die sogenannten ›Scharfschützen‹, die 14 Polizisten erschossen, 85 weitere verwundeten und 45 Demonstranten töteten, zu einer dritten von außen kommenden Seite gehörten. Viele Zeugen, einschließlich Janukowytsch und einige Polizeivertreter, gehen davon aus, dass diese ausländischen Akteure von prowestlichen Fraktionen eingeschleust wurden – viele deutliche Spuren verweisen auf die CIA«, meinte Stone weiter.

 

Der Filmemacher fügte hinzu, die Ereignisse in Kiew, die zum Sturz der demokratisch gewählten Regierung und zur Machtergreifung einer neuen, russlandfeindlichen Regierung geführt hätten, glichen ähnlichen Entwicklungen in anderen Ländern. Diese Vorgehensweise bezeichnete Stone als »Soft-Power-Taktik der USA, auch als ›Regimewechsel 101‹ bekannt«.

 

Zu den bekanntesten CIA-Putschen gehören in dieser Hinsicht der Sturz des iranischen Ministerpräsidenten Mohammed Mossadegh 1953 sowie der Sturz und die Ermordung des chilenischen Präsidenten Salvador Allende 1973 – beide Regierungs- bzw. Staatschefs verfolgten eine Politik, die von Washington und deren Verbündeten grundsätzlich abgelehnt wurde.

 

Und erst 2002 kam es zu einem Putsch in Venezuela, in dessen Verlauf Präsident Hugo Chavez für kurze Zeit seines Amtes enthoben wurde, »nachdem loyal zu Chavez stehende und Anti-Chavez-Demonstranten von geheimnisvollen Scharfschützen aus Bürogebäuden heraus beschossen worden waren«.

 

2014 kam es dann zu Demonstrationen gegen den Nachfolger von Chavez, Nicolas Maduro, bei denen »noch gewaltsamer gegen Demonstranten vorgegangen wurde, die gegen Maduro demonstrierten«, sagte Stone. Ziel sei es gewesen, so viel Chaos wie möglich zu verbreiten, denn dann könne man auch eine demokratisch gewählte Regierung stürzen.

 

»Dies ist eine von Grund auf schmutzige Angelegenheit, aber in der tragischen Zeit nach diesem Putsch hat der Westen an dem vorherrschenden Narrativ Russland annektiert die Krim – festgehalten, während es doch eigentlich heißen müsste: ›Die USA übernehmen die Ukraine‹. Im Westen wird die Wahrheit nicht berichtet«, schreibt Stone weiter, »Wieder einmal wird die Geschichte auf surreale Weise pervertiert, wie zuvor schon im Falle der Kampagne gegen ›Massenvernichtungswaffen‹ der Regierung unter George W. Bush vor dem Einmarsch in den Irak [2003]. Aber ich bin überzeugt, dass die Wahrheit eines Tages auch im Westen erkannt werden wird. Ich hoffe nur, dass dies früh genug geschieht, um weiteren Wahnsinn zu verhindern.«


Zusätzlich zur Dokumentation über den Putsch in der Ukraine arbeitet Stone gegenwärtig an einem Film über den NSA-Whistleblower Edward Snowden, der derzeit Asyl in Russland genießt, nachdem er die Massenüberwachungspraktiken seitens der USA und ihrer Verbündeten aufgedeckt hatte.

 

Snowden war auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo »gestrandet«, da von den amerikanischen Behörden in der Zwischenzeit sein Pass für ungültig erklärt worden war, sodass er seine eigentlich geplante Weiterreise nach Lateinamerika nicht antreten konnte.

 

Die USA werfen ihm Geheimnisverrat vor und fordern seine Auslieferung, aber viele Menschenrechtsaktivisten und Datenschützer sehen ihn als Helden, dem juristische Verfolgung droht, weil er die »schmutzigen Geheimnisse« von Regierungen enthüllt hat.

 

 

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Leser-Kommentare (41) zu diesem Artikel

29.01.2015 | 20:23

Harley Dirk Bieder

Prima und genau richtig. Er darf nicht weiter unsichtbar bleiben. Hochachtung vor seiner Leistung und dem Mut. Er muss unterstützt und geschützt werden, denn es ist für ihn lebensgefährlich was er tut. Er tut es für uns alle. Er tut es für Gerechtigkeit und Freiheit.


05.01.2015 | 16:50

Basil Geoffrey

Tilly - unangenehme Meinungen als "gekauft" abzutun ist natürlich immer einfacher als sich selbst zu hinterfragen. Trotzdem verstieß die Annektion der Krim gegen so ziemlich sämtliche Regeln des Völkerrechts - unabhängig vom Ausgang. Aber auch die USA und das UK haben sich völkerrechtswidrig verhalten, weil sie nicht eingegriffen haben.


05.01.2015 | 16:20

die gute Tilly

Geoffrey ist ein CIA-Troll. Der sollte sich mal lieber Willy Wimmer anhören, was der zu sagen hat. Auf Frau Krone-Schmalz sieht die Sache deutlich differenzierter. Und: Kosovo schon vergessen? Den Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien? Die Krim war eine Sezession - und keine Annexion! Die ach so tolleln "westlichen Werte"... ich lese lieber Brzezinski und Wolfowitz und erkenne das Spiel. Wie schön, dass Russland einen fähigen Präsidenten hat!


05.01.2015 | 13:52

Basil Geoffrey

Realist - die Abtrennung der Krim verstößt sehr wohl gegen den Sinn des Budapester Memorandums, denn es handelte sich um keine selbstständige Unabhängigkeitsbewegung der Krim, sondern sie wurde von Rußland unterstützt und vorangetrieben - u.a durch den Einsatz russischer Truppen _vor_ dem Referendum (http://rt.com/news/crimea-defense-russian-soldiers-108/) - halten Sie den Einsatz ausländischer Truppen für keine Verletzung der Souveränität und Landesgrenzen?


05.01.2015 | 12:32

Elisa

Oliver Stone sagt mit seinen Feststellungen eigentlich nichts Neues. Interessant ist hingegen, dass er seine Feststellungen gemäss Recherche auf ein beweiskräftigendes Fundament stellt. Letzteres ist für eine weitere Argumentation eminent wichtig.


05.01.2015 | 11:22

Realist

@Basil Geoffrey Sie behaupten die Krim wäre eine Annexion und ein Präzedenzfall und beides ist absolut falsch. Eine Annexion würde bedeuten das es gegen den Willen der mehrheitlichen Bevölkerung der Krim geschehen ist. Selbst Ihnen sollte klar sein das sogar eine von der EU nochmals durchgeführte Wahl keine Mehrheit für einen Rückanschluss zur Ukraine bringen würde. Das ist übrigens wohl auch der Grund warum der Westen nicht in Den Haag klagt, hier würde genau wie beim Fall...

@Basil Geoffrey Sie behaupten die Krim wäre eine Annexion und ein Präzedenzfall und beides ist absolut falsch. Eine Annexion würde bedeuten das es gegen den Willen der mehrheitlichen Bevölkerung der Krim geschehen ist. Selbst Ihnen sollte klar sein das sogar eine von der EU nochmals durchgeführte Wahl keine Mehrheit für einen Rückanschluss zur Ukraine bringen würde. Das ist übrigens wohl auch der Grund warum der Westen nicht in Den Haag klagt, hier würde genau wie beim Fall Kosovo eine Wahl angesetzt und wenn die Mehrheit nicht bei der Ukraine bleiben will ist es eine legale Sezession. Der Fall Kosovo zeigt übrigens das es kein Präzedenzfall ist und weil es eine legale Sezession war handelt es sich auch nicht um einen Verstoß gegen das Budapester Memorandum.

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