Thursday, 26. May 2016
17.01.2013
 
 

Frankreich kämpft in Mali den nie wirklich beendeten libyschen Krieg weiter

Redaktion

Am 11. Januar begannen einige Hundert französische Soldaten mit einer Handvoll Kampfflugzeugen und Kampfhubschraubern eine Offensive gegen islamische Terroristen in Mali. Beim Kampfgebiet handelt es sich um eine westafrikanische Wüstenzone, die größer als die amerikanischen Bundesstaaten Texas und Kalifornien zusammengenommen ist. Die rohstoffreiche frühere französische Kolonie wurde 1960 unabhängig und hatte in Paris um Unterstützung gebeten, um die aus verschiedenen mit al-Qaida in Verbindung stehenden Terrorgruppen aufzuhalten, die dabei waren, auf die Hauptstadt Bamako vorzurücken.

Aber Frankreich hat ebenso wenig wie die USA eine Lehre aus dem Afghanistankrieg gezogen: Al-Qaida kann nicht allein durch einen Krieg aus der Luft besiegt werden – dies gilt insbesondere dann, wenn die Dschihadisten in asymmetrischer Kriegführung und dem taktischen Vorgehen von

Sondereinheiten sehr gut geschult sind und zudem von extrem beweglichen und gutbewaffneten Milizen unterstützt werden, die über Flugabwehrwaffen verfügen und in den unwirtlichen Regionen der Sahara zu Hause sind.

 

 

Innerhalb von nur 48 Stunden führte diese vom Ausmaß her eher bescheidene militärische Intervention dazu, dass sich eine ganze Reihe kämpfender Gruppierungen, die alle mehr oder weniger als Al-Qaida-Ableger zu betrachten sind, und deren Verbündete enger zusammengeschlossen haben. Einige der kämpfenden Gruppen gehörten früher zu den eher verrufenen Streitkräften des gestürzten und getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi.

 

An der Spitze dieser extremistischen Gruppen stehen die al-Qaida im islamischen Maghreb (AQIM), die Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO), die ursprünglich aus der AQIM hervorging, den Dschihad aber auf ganz Westafrika ausdehnen will, und die somalische Harakat al-Schabaab al-Mudschahidin (»Bewegung der Mudschahidin-Jugend«), die wiederum mit der Terrorgruppe al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP) verbunden ist. Diese Gruppen drohen u.a. damit, die zehn oder elf französischen Geiseln, die sich als Rache gegenüber Frankreich in ihrer Gewalt befinden, nach und nach umzubringen.

 

Ziel ihrer Mission, so Frankreich, sei es, die Islamisten aus dem Norden Malis – einer Region, die größer als Afghanistan ist und in der sich wichtige Städte wie Timbuktu, Gao und Kidal befinden – zu vertreiben. Aber ohne den Einsatz von einigen Tausend Soldaten aus Spezialeinheiten am Boden ist dies nur Wunschdenken.

 

Die unzufriedenen Stämme der Tuaregs unterstützen al-Qaida gegen die Franzosen als Teil ihres Kampfes um die Unabhängigkeit. Ihr besonderer Nutzen für die islamischen Extremisten hängt damit zusammen, dass etwa 1.500 Tuaregkämpfer und drei ihrer Offiziere von den USA mit dem taktischen Vorgehen von Spezialeinheiten vertraut gemacht wurden. Die USA wollten die Tuaregs ursprünglich als wichtige Speerspitze einer aus zahlreichen Stämmen der Westsahara zusammengesetzten Kampfgruppe zur Zerschlagung von al-Qaida in Nord- und Westafrika einsetzen. Aber die Kämpfer der Sahel-Stämme zogen sich ebenso wie die Tuaregs nach Mali zurück, wobei sie hochmoderne, besonders für den Wüstenkrieg geeignete Waffen und einige Hundert Fahrzeuge aus amerikanischen und früheren libyschen Beständen mitnahmen.

 

Dieser massive  Rückschlag für die Pläne und die Strategie der Terrorbekämpfung der amerikanischen Regierung in Afrika steht auch im Zusammenhang mit der Ermordung des amerikanischen Botschafters Chris Stevens in Libyen und dreier weiterer Botschaftsmitarbeiter im September vergangenen Jahres im libyschen Bengasi. Da die USA in beiden Fällen auf ein direktes militärisches Eingreifen verzichteten, konnte al-Qaida immer mehr an Einfluss und Stärke gewinnen und ständig weitere erprobte Kämpfer aus den Nachbarstaaten Malis für den Kampf hinzugewinnen. Sie bauten ihre Machtstellung im Norden Malis ständig weiter aus und führten in ihrem Einflussgebiet eine brutale und unterdrückerische Form des Islam ein. Viele Hunderte von Menschen fliehen derzeit aus der Region.

 

Frankreich sah sich zum Eingreifen gezwungen, als al-Qaida seinen Vormarsch in den Süden des Landes begann, um seine Herrschaft auf ganz Mali auszudehnen. Darüber hinaus stellt al-Qaida eine terroristische Bedrohung  auch für Europa dar.

 

 

 

 


 

 

 

 

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