Saturday, 30. July 2016
09.01.2015
 
 

Ostukraine steht unmittelbar vor humanitärer Katastrophe

Redaktion

Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte, hat sich die Lage der Bevölkerung in der Ostukraine massiv zugespitzt. Viele Bewohner haben große Mühe, sich ausreichend Lebensmittel und Medikamente zu beschaffen. Die weltweit tätige Nichtregierungsorganisation sagte weiter, vor allem die älteren Menschen in der Region hätten unter dem Vorgehen der Regierung in Kiew besonders zu leiden.

 

Die Menschen in den südöstlichen ukrainischen Regionen Lugansk und Donezk hätten mit massiven finanziellen Problemen zu kämpfen und kämen kaum über die Runden, berichtete Denis Kriwoscheew, stellv. AI-Direktor für Europa und Zentralasien.

 

»Es ist vielleicht noch zu früh, die Lage als humanitäre Katastrophe zu bezeichnen, aber sie bewegt sich eindeutig in diese Richtung«, sagte er, gerade die Rentner gehörten zum schwächsten Teil der Bevölkerung.

 

Auch der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) gab seiner tiefen Sorge hinsichtlich der Lage der älteren Bevölkerung Ausdruck und verwies auf die gefährliche Entscheidung der Regierung in Kiew, Transferzahlungen von Sozialleistungen und Renten nur an die von der Regierung kontrollierten Gebiete zu leisten. UNHCR-Sprecher William Spindler erklärte, nicht alle Menschen dort seien in der Lage, ihre Sachen zu packen und ihre Wohnungen und Häuser im Südosten der Ukraine zu verlassen. Gerade denen, die unter der Situation am stärksten zu leiden hätten, werde die dringend benötigte finanzielle Unterstützung entzogen.

 

Nach Angaben der Vereinten Nationen leben etwa 5,2 Millionen Menschen in den Konfliktzonen. Etwa 1,4 Millionen dieser Menschen benötigten dringend Hilfe, da sie der kalten Witterung ausgesetzt sind und mit finanziellen Problemen sowie ausbleibenden wichtigen Dienstleistungen zu kämpfen haben. Wie Kriwoscheew weiter berichtete, würden Hilfslieferungen aus Russland und anderen Ländern – vor allem Nahrungsmittel und medizinische Güter – in den Südosten der Ukraine oft von der Regierung in Kiew nahestehenden Privatarmeen zurückgehalten, so dass sie diejenigen, die dringend auf sie angewiesen sind, nicht erreichen.

 

Damit verfolge man die Absicht, die dortige Bevölkerung praktisch auszuhungern. »Zu versuchen, untragbare Lebensverhältnisse zu schaffen, verleiht dem Konflikt eine völlig neue Dimension … Hunger von Zivilisten als Methode der Kriegsführung einzusetzen, ist ein Kriegsverbrechen«, sagte er. Bei diesen privaten Söldnerkämpfern handele es sich eigentlich um »marodierende Banden«, gegen die entsprechend vorgegangen werden müsse.

 

Nach neuesten Informationen aus der Ukraine hat sich die Zahl der Binnenflüchtlinge im Land massiv gesteigert. Mehr als eine Million Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen und sind auf der Flucht. Laut Angaben des Amts für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) wurden bisher 610 000 Menschen in der Ukraine vertrieben und 594 000 Personen mussten das Land als Flüchtlinge verlassen.

 

Die Kämpfe in der Ukraine begannen im April, als sich die im Südosten des Landes gelegenen Regionen Donezk und Lugansk weigerten, die durch einen Putsch an die Macht gekommene Regierung in Kiew anzuerkennen, die damals eine vom Westen unterstützte Übergangsregierung gebildet hatte. Bisher sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen 4700 Menschen gestorben, und mehr als 10 300 Personen erlitten teils schwere Verletzungen.

 

Die Lage vor Ort in den umkämpften Gebieten hat sich seitdem ständig verschlechtert. Immer wieder kommt es zu Beschießungen, die sich auch gegen Wohngebiete richten. Zum Vorgehen Kiews gehört es auch, die Lebensbedingungen in den Gebieten, die nicht mehr von der Regierung in Kiew kontrolliert werden, dadurch zusätzlich zu erschweren, dass man periodisch die Versorgung mit Wasser und Strom einstellt. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen haben versucht, auf die sich zuspitzende humanitäre Lage in der Ukraine aufmerksam zu machen.

 

Nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) sind mehr als 1,7 Millionen Kinder von dem Konflikt in der Ukraine betroffen. Mehr als 130 000 von ihnen sind auf der Flucht. Aufgrund der Kämpfe in der Region Donezk mussten bis zu 150 Schulen geschlossen werden. Mehr als 50 000 Kinder konnten nach den »Sommerferien« im September nicht wieder in ihre Schulen zurückkehren, da diese Lernorte völlig zerstört worden waren oder aber aus Sicherheitsgründen geschlossen werden mussten, berichtet UNICEF.


Um das Überleben der Kinder im Winter zu sichern, müssten umgehend mindestens 32,4 Mio. Dollar an Hilfsgeldern bereitgestellt werden. Besonders dringend werden warme Kleidung, Unterkünfte, Hygieneartikel und medizinische Güter benötigt.

 

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer kritischen Zuspitzung der gesundheitlichen Versorgungslage im Südosten der Ukraine. In ihrem aktuellsten Bericht heißt es, aufgrund des Ärztemangels sowie fehlender Medikamente und anderer medizinischer Güter und an Lebensmitteln seien bereits Patienten verhungert und aufgrund der Kälte gestorben.

 

Das russische Rote Kreuz warnte bereits im Juli vergangenen Jahres vor einer humanitären Katastrophe in der Ostukraine und forderte eine umgehende Evakuierung der Kinder aus den Kampfgebieten. Eines der schwierigsten Hindernisse im Zusammenhang mit Hilfslieferungen sei die Politisierung der Hilfskonvois, erklärte Valerie Amos, UN-Nothilfekoordinatorin (Untergeneralsekretärin für humanitäre Angelegenheiten) gegenüber RT und erinnerte an die Probleme mit einem russischen Hilfskonvoi im vergangenen Sommer.

 

Seit damals wurden von Russland, Kiew und Deutschland mehrfach Hilfskonvois mit Cerealien, Konserven, Stromgeneratoren, Medikamenten und medizinischen Gütern sowie Winterkleidung und Trinkwasser in die Region entsandt.

 

Kiew fehlen vor allem vor dem Hintergrund der Meldung, das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine sei zwischen Januar und November 2014 um 7,5 Prozent eingebrochen, die finanziellen Mittel, um angemessen auf die humanitäre Krise vor Ort zu reagieren. »Wir stecken mitten in einer ausgewachsenen Finanzkrise«, erklärte die Chefin der ukrainischen Nationalbank, Walerija Gontarewa. »Wir können sie nur überstehen, wenn wir rasche und sogar extreme Reformen durchführen.«

 

Einer Umfrage in der Ukraine zufolge ist die Mehrheit der Ukrainer nicht bereit, den Flüchtlingen zu helfen, was ein bezeichnendes Licht auf die Spannungen im Land wirft. Insbesondere erklärten 54 Prozent der Befragten, sie würden den Flüchtlingen Hilfe verweigern, da dies ihrer Meinung nach in die Zuständigkeit der Regierung falle, sie selbst seien nicht dazu verpflichtet. Nur 16,8 Prozent der Befragten meinten, der Konflikt solle im Rahmen friedlicher Verhandlungen gelöst werden.

 

 

 

.

Leser-Kommentare (16) zu diesem Artikel

11.01.2015 | 22:58

Ein Mitleser

@hansmuc
Sie finden auf dieser Webseite eine Spendenmöglichkeit:
http://www.diether-dehm.de/index.php/positionen/aktions-unterstuetzung/961-helft-den-kindern-von-donezk
Vielen Dank!


10.01.2015 | 19:48

rene

Die vom Westen gesponserte urkainische Regierung macht doch nur das was der Westen schonmal nach 1918 und 1945 im Deutschen Reich getan hat: aushungern, vertreiben, verunglimpfen durch Luegen und ermorden.Man wird von Washington aus den Ostukrainern spaeter ein Umerziehungsprogramm verpassen damit sie einsehen das sie die Schuld an allem tragen und die Strafe (verhungern, ermordert, vertrieben, enteignet) auch verdient haben.Die Ostukrainer werden das dann schon verstehen und die...

Die vom Westen gesponserte urkainische Regierung macht doch nur das was der Westen schonmal nach 1918 und 1945 im Deutschen Reich getan hat: aushungern, vertreiben, verunglimpfen durch Luegen und ermorden.
Man wird von Washington aus den Ostukrainern spaeter ein Umerziehungsprogramm verpassen damit sie einsehen das sie die Schuld an allem tragen und die Strafe (verhungern, ermordert, vertrieben, enteignet) auch verdient haben.
Die Ostukrainer werden das dann schon verstehen und die ganze Welt wird es wissen.
Wer das nicht als Demokratisierung versteht MUSS krank sein.


10.01.2015 | 17:32

Maria

@ernst thälmann, ach was, hat Stalin tatsächlich nur Verbrecher erledigt??? Info Stalin http://www.planet-wissen.de/laender_leute/russland/stalin/ http://www.wissen.de/lexikon/stalin-jossif-wissarionowitsch Welchen "Kerl" würden Sie denn anstelle Stalins losbrüllen lassen zum letzten Gefecht? Keine Bedenken, dass ihre Aussage "letztes Gefecht" ausufern könnte zum Flächenbrand? Ob nun letztes Gefecht oder Krieg/Terror NEIN u. immer wieder NEIN dazu.


10.01.2015 | 07:11

N_K

"Ostukraine steht unmittelbar vor humanitärer Katastrophe" ............................................................................... "... berichtete Denis Kriwoscheew, stellv. AI-Direktor für Europa und Zentralasien. ................. »...sagte er, gerade die Rentner gehörten zum schwächsten Teil der Bevölkerung.«"...

"Ostukraine steht unmittelbar vor humanitärer Katastrophe" ............................................................................... "... berichtete Denis Kriwoscheew, stellv. AI-Direktor für Europa und Zentralasien. ................. »...sagte er, gerade die Rentner gehörten zum schwächsten Teil der Bevölkerung.«" ........................................................................................................................................................................... Da gibt´s doch so ´nen Spruch: "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen". Der trifft doch auch für die "Alten" zu, egal ob in Ost oder West. Und wenn man über eine "humanitäre Katastrophe" eine anders bezeichnete Euthanasie realisieren kann, könnte das doch vielleicht als Blaupause auch für andere Länder dienen. Wie lange wird denn schon in Deutschland über die "viel zu vielen und vor allem viel zu teuren " Rentner gejammert. Es reicht doch schließlich, daß die meisten ein Leben lang geschuftet und ihre Rentenbeiträge bezahlt haben. Diese auch noch teilweise einzufordern: EINE GRENZENLOSE UNVERSCHÄMTHEIT ! Das Geld wird anderweitig viel dringender benötigt, z.B. für Multi-Kuliti-Fremdkriegsfinanzierungs-Gender-Flüchtlings-Bankenrettungsindustrie und vor allem jegliche Verorgungsbezüge von Politikern und Mitgliedern der Lügenpresse. Gemessen an ihren Leistungen für Deutschland müßten die Geld, VIEL Geld BRINGEN, nicht kassieren !!!


10.01.2015 | 05:28

hansmuc

an den kopp verlag nicht nur darüber schreiben,was tun und helfen,bin sofort bereit 100 euro zu spenden stellt was auf die beine für die notleidende bevölkerung der ostukraine


10.01.2015 | 02:42

Max

es ist schon absurd und wirklich nicht zu fassen! bei jedem Pieps gibts in der BRD irgendwelche debilen Charite-Sondersendungs-Spendenaktionen. für gutgenährte Asylanten gibts schicke neue Wohnungen mit allem Pipapo samt Ernährung, Mobiliar, Taschengeld und bester medizinischer Versorung. aber sucht mal ne BRD-Hilfsakktion für die Ostukraine! gibts nix Offizielles. und das DRK arbeitet auch nicht autark, sondern mit dem ukr. RK. da weiß man gleich, wo die Kohle/Hilfe verbleibt....

es ist schon absurd und wirklich nicht zu fassen! bei jedem Pieps gibts in der BRD irgendwelche debilen Charite-Sondersendungs-Spendenaktionen. für gutgenährte Asylanten gibts schicke neue Wohnungen mit allem Pipapo samt Ernährung, Mobiliar, Taschengeld und bester medizinischer Versorung. aber sucht mal ne BRD-Hilfsakktion für die Ostukraine! gibts nix Offizielles. und das DRK arbeitet auch nicht autark, sondern mit dem ukr. RK. da weiß man gleich, wo die Kohle/Hilfe verbleibt. wenn jemand was seriöses weiß, ich bin bereit direkt zu spenden, Geld, Kleidung, EPA.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Chronik des Grauens: Bestsellerautor F. William Engdahl skizziert die Entwicklungen und Hintergründe des Ukraine-Konflikts

Rainer Kromarek

Man darf hoffen, dass die jüngsten Vorstöße von SPD-Politikern zur Beilegung des Ukraine-Konflikts auch zu einer Entspannung des Verhältnisses von EU und Russland führen. Die USA beschlossen im Gegensatz dazu eine Verschärfung der Sanktionen. F. William Engdahl dokumentiert in einem neuen Buch Krieg in der Ukraine die Hintergründe dieser  mehr …

Tschechischer Präsident Miloš Zeman: »In der Ukraine läuft etwas schief«

Redaktion

Die abstoßenden Parolen und die empörende Zurschaustellung nationalistischer Symbole während des Aufmarsches der Neonazis in Kiew erinnern den tschechischen Präsidenten Miloš Zeman an Hitler-Deutschland. In der Ukraine, aber auch in der Europäischen Union müsse etwas grundsätzlich »schieflaufen«, sagte er und kritisierte, dass gegen diesen  mehr …

Filmemacher Oliver Stone: Zahlreiche Indizien verweisen auf CIA-Beteiligung an Massaker in Kiew

Redaktion

Der bewaffnete Putsch in Kiew erinnere fatal an CIA-Operationen zum Sturz aus Sicht der amerikanischen Regierung unerwünschter Staats-und Regierungschefs im Iran sowie in Chile und Venezuela, erklärte der bekannte amerikanische Filmemacher Oliver Stone, nachdem er den gestürzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowytsch im Rahmen einer  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Wenn Politikern das Hirn absäuft: »In einem Meer aus roten Türkenflaggen«

Peter Harth

Der Mainstream-Journalismus diagnostiziert die Dummheit der PEGIDA-Bewegung. Weil die sich vor einer schleichenden Islamisierung fürchtet. Dabei haben Linkspopulisten diese Angst erst erschaffen. Das ignoriert die deutsche Politik aber, weil sie auf dem linken Auge blind ist.  mehr …

Wann platzt die Gebührenbombe?

Markus Gärtner

Der Damm ist gebrochen. Der mit Abstand radikalste Reformvorschlag für den umstrittenen öffentlich-rechtlichen Rundfunk liegt auf dem Tisch. Erarbeitet haben ihn 32 Ökonomen des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen. Kippt die Rundfunksteuer?  mehr …

James Rickards: Die Geld Apokalypse

Markus Gärtner

Die Propaganda-Abteilungen der Investmentbanken loben die Börsen gerne dafür, dass sie sich seit der Finanzkrise herzlich wenig von äußeren Einflüssen ablenken ließen. Selbst die bekannten Konflikte im Nahen Osten, der Vormarsch des »Islamischen Staates« und die Angst vor einer Ebola-Pandemie konnten die führenden Aktienindizes nicht nachhaltig  mehr …

Anschlag von Paris: Im Labor der Polizei

Gerhard Wisnewski

Da haben sie ausnahmsweise mal recht, unsere Mainstream-Medien: Der Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo ist der »11. September für die Pressefreiheit«, wie Spiegel Online schrieb. Und das ist – nach dem Attentat selbst – schon die zweite schlechte Nachricht. Denn der 11. September 2001 war schließlich im hohen Grade  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.