Friday, 30. September 2016
28.03.2015
 
 

Russland kritisiert NATO-Manöver als »Problem«; US-Kampfjets über Polen

Redaktion

Vier amerikanische Kampfflugzeuge vom Typ A-10 Thunderbolt II nehmen an den Militärmanövern in Polen teil. Geschätzte 10 000 Soldaten aus NATO-Ländern werden sich dieses Jahr an Manövern in Polen beteiligen. Die Regierung in Moskau erklärte, die Truppenaufstockung entlang der russischen Grenze werde langfristige negative Folgen haben.

 

Stationiert sind die A-10 auf dem Luftwaffenhorst Powidz im Westen Polens. Dort werden sie bis zum heutigen Freitag an Übungsmissionen teilnehmen, sagte der Sprecher des polnischen Heers, Artur Goławski, laut der Nachrichtenagentur Reuters. Die A-10 sind speziell für den Angriff auf Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und andere Bodenziele ausgelegt. Wie die Website The Aviationist meldet, trafen die A-10 am Dienstag in Powidz ein. Zuvor waren zwei Militärtransporter vom Typ C-130 Hercules dort gelandet.

Am Mittwoch erklärte der polnische Verteidigungsminister (und stellvertretende Ministerpräsident) Tomasz Siemoniak, er heiße die ständige Anwesenheit von NATO-Truppen in seinem Land gut. »Wir streben das an und wir reden darüber. Wir bereiten den Boden für eine ständige Anwesenheit«, zitiert die Nachrichtenagentur Tass den Minister. An den diesjährigen Militärübungen werden etwa 10 000 Soldaten des Nordatlantikpakts teilnehmen.

 

Das Manöver ist gedacht als Teil der Operation Atlantic Reserve, die das Ziel hat, nach den jüngsten Ereignissen in der Ukraine »den NATO-Verbündeten und Partnern Amerikas Entschlossenheit zu zeigen, dass man in der Region an dauerhaftem Frieden und Stabilität arbeitet«.

 

In Litauens Hauptstadt Vilnius begann am vergangenen Samstag die Operation Dragoon Ride. Im Rahmen dieser Aktion fährt ein Konvoi amerikanischer Militärfahrzeuge (hauptsächlich Radschützenpanzer vom Typ Stryker) über Estland, Litauen, Polen, Lettland und die Tschechische Republik zu einem Stützpunkt im bayrischen Vilseck. Die Route führe durch die Gebiete der osteuropäischen NATO-Verbündeten, die »am dichtesten beim Bären leben«, sagte Generalleutnant Ben Hodges, der Oberkommandierende der in Europa stationierten 7. US-Armee.

 

In der Tschechischen Republik riefen Friedensaktivisten unter dem Motto »Panzer? Nein danke« zu Protesten auf gegen diese »provokante Siegesparade« entlang der russischen Grenze. Die Bürger dort wurden angewiesen, den amerikanischen Militärkonvoi nicht mit Tomaten oder Eiern zu bewerfen. Bei Zuwiderhandlung drohen ihnen bis zu drei Jahre Gefängnis.

 

Im Zuge von Dragoon Ride werden Waffen und militärisches Gerät zur Schau gestellt, darunter auch Humvees und Stryker-Radpanzer. In Litauen legte der Konvoi in sechs Städten Stopps ein, in Polen begleiteten Militärpolizei und Militärhubschrauber die Fahrzeuge.

 

Diese Woche haben Luftstreitkräfte aus Finnland und den USA gemeinsame militärische Übungen begonnen, später wird noch Schweden dazustoßen, wie Tass meldete. Die Übungen finden vor allem über dem Meer nahe der finnischen Westküste statt und auch im internationalen Luftraum.

 

Anfang März nahmen sechs NATO-Kriegsschiffe an einem Marinemanöver im Schwarzen Meer teil. Bei der von den USA organisierten Übung wurde die Bekämpfung von Flugzeugen und U-Booten simuliert. Seit dreieinhalb Monaten finden gemeinsame Übungen statt, beginnend in Bulgarien. Beteiligt sind etwa 350 Offiziere der US Army, dazu Panzer, Hubschrauber und gepanzerte Mannschaftstransportwagen.

 

Zudem haben die USA diesen Monat mehr als 120 Panzerfahrzeuge, darunter auch Kampfpanzer, nach Lettland geliefert. Der lettische Verteidigungsminister Raymond Vejonis begrüßte die Maßnahme und erklärte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: »Die Anwesenheit unserer Verbündeten (USA und NATO) in Lettland ist eine Bestätigung der Solidarität und Sicherheit in der Region.«

 

Im Februar hatten die USA zwölf A-10 nach Deutschland verlegt, im Januar stockte die NATO ihr Truppenkontingent in den drei baltischen Staaten sowie in Rumänien, Bulgarien und Polen auf. Das ist Teil der neuen Strategie, die das Militärbündnis verfolgt.

 

Polen zählt zu den engsten Verbündeten Washingtons in Europa und ist darüber hinaus einer der eifrigsten Warner vor der »russischen Bedrohung« in der Ost-Ukraine. Dort brach vergangenes Jahr im Frühling eine Krise aus, nachdem Kiew das Militär in den Donbass entsandte. Die Truppen sollten die Gegner des bewaffneten Staatsstreichs, der in der Hauptstadt erfolgt war, ruhig stellen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind dem inneren Konflikt bislang über 6000 Menschen zum Opfer gefallen.

 

Russland erachtet die jüngsten Ereignisse als weiteren Beweis dafür, dass die NATO ein gegen Russland gerichteter Militärblock ist. Die NATO habe aus dem Konflikt in der Ukraine Nutzen geschlagen und ihn als Vorwand genutzt, um in Osteuropa hochzurüsten.

 

»Die NATO baut ihre Schnelle Eingreiftruppe auf und stockt ihre Infrastruktur nahe unseren Grenzen auf. Wir bemerken Versuche, das nukleare Gleichgewicht zu verletzen, und beschleunigen den Bau unseres Raketenabwehrsystems in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum«, erklärte Russlands Präsident Wladimir Putin am Donnerstag in einer Rede vor dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB.


Russland verfüge über alle Mittel, sich gegen eine atomare Bedrohung zur Wehr zu setzen, sagte Alexander Lukaschewitsch, Sprecher des russischen Außenministeriums. Bei einem Pressebriefing sagte er Tass zufolge: »Es ist höchste Zeit, dass die USA ihre destruktiven einseitigen Bemühungen im Bereich der Raketenabwehr aufgeben. Dann müsste man sich auch keine Sorgen mehr um mögliche Folgen machen.«

 

Das US-Militär würde beständig entlang der russischen Grenze hochrüsten, dazu beabsichtige die NATO, ihre Militärpräsenz auszuweiten und die Infrastruktur entlang der so genannten Ostflanke auszubauen, so Lukaschewitsch: »In einer Region, die als eine der lebhaftesten in Europa gilt, beschwört das nicht nur Spannungen herauf, sondern hat auch negative und langfristige Folgen.«

 

In einem Interview mit der ARD erklärte Russlands NATO-Botschafter Alexander Gruschko am Mittwoch, sein Land habe die Zahl der Truppenübungen nicht deutlich erhöht. Die NATO dagegen habe ihre Aktivitäten eskaliert und »eine neue militärische Realität geschaffen«.

 

»Nicht Russlands Militäraktivitäten sind das aktuelle Problem, sondern die verstärkten militärischen Aktivitäten der NATO. Jeden Tag finden neue Truppenübungen innerhalb des Readiness Action Plan (Plan für eine erhöhte Einsatzbereitschaft) statt. Mehr als 200 Manöver der NATO sind es inzwischen. Vergangenes Jahr gab es mehr als 3000 taktische Flüge von NATO-Flugzeugen über Ostsee, Barentssee und russischen Grenzregionen. Das sind doppelt so viele Übungen wie 2013«, so Gruschko. Russlands aktuelle Militäraktivitäten seien Schätzungen zufolge dagegen größtenteils auf dem Niveau von 2013/2014 geblieben.

 

Aus dem Pentagon wurde bestätigt, dass mehr als 1000 in Europa stationierte US-Soldaten nach Osteuropa verlegt wurden, um dort an Militärübungen teilzunehmen. Mit der Operation wolle man »die Freizügigkeit unterstreichen, die innerhalb der NATO existiert«, sagte der Militärsprecher Steven Warren.

 

Ebenfalls für Besorgnis in Russland sorgt die Möglichkeit, dass die USA die Ukraine mit Waffen beliefern. Schon jetzt stehen dem konfliktgeplagten Land größere Militärübungen mit ausländischer Beteiligung ins Haus, die von April bis November andauern sollen. Der ukrainische Präsident Poroschenko sagte, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldet, die Truppenübungen bedeuteten »Integration in die größte Verteidigungsstruktur weltweit«.

 

»Waffenlieferungen der USA an die Ukraine drohen die brüchige Feuerpause im Donbass scheitern zu lassen und sind eine direkte Bedrohung für Russlands Sicherheit«, sagte der Sprecher des russischen Außenministeriums. Derartige Lieferungen würden gegen die Vereinbarung von Minsk verstoßen und die Frage aufwerfen, welche Absichten die USA und die NATO tatsächlich verfolgen.

 

 

 

 


 

 

 

 

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Leser-Kommentare (36) zu diesem Artikel

17.04.2015 | 13:52

Jörg Häcker

29.03.2015 | 14:38 Basil Geoffrey Welches Land hat eigentlich quasi im Alleingang mit Waffengewalt Fakten geschaffen und europäische Grenzen verändert? Ich meine mich erinnern zu können, daß Rußland das getan hat. ================================================================================== Sorry, aber da kann ich nur schreiben Aus welchem Brunnen der Erkenntnis schöpfen Sie Ihr Wasser??


17.04.2015 | 13:48

Jörg Häcker

Wenn Russen Manöver im eigenen Land abhalten, gilt das für den Westen als Provokation. Wenn aber die NATO an Russlands Grenzen Manöver abhält.... Was bitte ist das denn ? DAS IST PROVOKATION 1. Klasse. Ihr verlogenes Drecksvolk die ihr Unfrieden wollt. Gott möge Euch strafen.


31.03.2015 | 17:07

Basil Geoffrey

Wisensuchender - die Krim, was sonst? Ob die Krim zu Rußland gehört oder nicht, ist gar nicht die Frage: es geht darum, _wie_ die Krim von Rußland übernommen wurde. Laut Putin warun russische Truppen involviert - nicht zum "Schutz" der Bevölkerung, sondern um vollendete Tatsachen zu schaffen. Nicht einmal das Feigenblatt von Verhandlungen oder Unterhändlern (z.B. UN oder OSCE) wurde verwendet - es wurden mit Gewalt Fakten geschaffen. .


31.03.2015 | 00:32

Rudolf-Robert Davideit

Tja, als deren "unbewaffnetes" Gegenstück im Schwarzen Meer ca. 12 Mal über den modernsten US-Raketenkreuzer flog, floh dieser mit vollgeschissenen Elitematrosenhosen in den erstbesten Vasallenhafen zur Fäkalienentsorgung! Noch Fragen?


30.03.2015 | 23:29

Rudof-Robert Davideit

Tja für die Jungspunte, glaube doch keiner, wenn das berüchtigte LEWADA-Institut aktuell über 80% Zustimmung für PUTIN attestiert, daß für untige Produktion es nicht schon längst eine Subotnikbewegung gibt, denn gegen die aktuelle Binnenstruktur hätte dieser zusammengewürfelte Natohaufen lediglich Kanonenfuttercharakter! Noch Fragen?


30.03.2015 | 23:00

Rudolf-Robert Davideit

Tja Redaktion, wie sagte CHRUSTSCHOW; " Wir bauen Raketen wie Würstchen!" und aktuell gerade wohl für die vorlauten Nato-Würstchen-Hauptstadtrepräsentanten! Noch Fragen?

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