Saturday, 20. September 2014
02.04.2013
 
 

Vor Beschluss des Rettungspaketes: 21 Millionen Euro von Unternehmen aus dem familiären Umfeld des zypriotischen Präsidenten nach London verschoben

Redaktion

Nach Angaben der zypriotischen Zeitung Haravgi hat eine Firma, welche Verwandten des zypriotischen Präsidenten Nikos Anastasiades gehört, 21 Millionen Euro von der Bank Laiki nach London verschoben. Und zwar wenige Tage vor der Entscheidung der Euro-Gruppe, eine allgemeine Vermögensabgabe einzufordern.

Innerhalb von zwei Tagen, genauer gesagt, am 12. und 13. März, löste das Unternehmen A. Loutsios & Sons Ltd., zu dessen Miteigentümern der Ehemann Elsas, der Tochter Anastasiades‘, gehört, fünf Wechsel bei der Bank Laiki in Höhe von 21 Millionen Euro ein. Man überwies das Geld nach London. Dieser Transfer erfolgte nur drei Tage vor dem Treffen der

Finanzminister der Euro-Gruppe, auf dem man sich auf ein zehn Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Zypern einigte. Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe.

 

Die Zeitung erinnert daran, dass der zypriotische Finanzminister Michaelis Sarris öffentlich eingestanden hatte, die Regierung sei im Voraus von den Absichten der Euro-Gruppe, eine Abgabe auf Einlagen von mehr als 100.000 Euro durchzusetzen, informiert worden.

 

Ein Sprecher der Partei AKEL, Stavros Evagorou, forderte den Untersuchungsausschuss auf, den Informationen über die Kapitalflucht durch Mitglieder der Präsidentenfamilie und auch anderen Berichten über das Verschieben von Geldern außer Landes unmittelbar vor der Entscheidung der Euro-Gruppe zu einer allgemeinen Abgabe nachzugehen. Der Untersuchungssausschuss soll zudem klären, wer die Verantwortung für die schwere Krise trägt, die auf Zypern lastet.

 

Präsident Anastasiades selbst bezeichnete die Vorwürfe und die entsprechende Veröffentlichung als »einen Versuch, Unternehmen oder meiner Familie nahestehende Personen zu diffamieren… Hier geht es nur darum, zu versuchen, die Aufmerksamkeit der Menschen von der Verantwortung derer abzulenken, die das Land an den Rand des Bankrotts gebracht haben.« Weiter sagte der Präsident, niemand, seine eigene Person eingeschlossen, werde sich den laufenden Untersuchungen entziehen können. Darüber hinaus versicherte Anastasiades, er werde bei der nächsten Sitzung des Untersuchungsausschusses am Dienstag eine Untersuchung dieses besonderen Falles fordern.

 

Bereits im März hatte die Euro-Gruppe der zypriotischen Regierung vorgeschlagen, eine neue allgemeine Steuer in Höhe von 12,5 Prozent auf Spareinlagen von mehr als 100.000 Euro einzuführen. Einlagen, die unter diesem Wert liegen, sollten mit drei Prozent besteuert werden. Der ursprüngliche Vereinbarungsentwurf sah dann eine Abgabe von 9,9 Prozent bzw. 6,7 Prozent auf Einlagen über bzw. unter 100.000 Euro vor.

 

In den frühen Morgenstunden des 25. März einigten sich Zypern und die Troika aus Europäischer Union, der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auf ein zehn Milliarden Euro umfassendes Rettungspaket. Damit sollte zum einen der Zusammenbruch des Finanzsystems der Insel verhindert und zum anderen der Verbleib Zyperns in der Euro-Zone gewährleistet werden.

 

Sparer, die mehr als 100.000 Euro bei der Bank of Cyprus, der größten Bank und dem zweitgrößten Unternehmen des Landes angelegt haben, werden in einem ersten Schritt über eine Zwangsabgabe 37,5 Prozent ihrer Einlagen verlieren und gegen [vielleicht bald wertlose] Bankaktien tauschen müssen. Weitere 22,5 Prozent werden zunächst für 90 Tage eingefroren und sollen dann, falls erforderlich, ebenfalls eingezogen und in Bankaktien umgewandelt werden. Nur auf die restlichen 40 Prozent der Einlagen sollen zwar Zinsen gezahlt werden, die Einlage selbst aber nur dann ausgezahlt werden, wenn sich die Bank nach Einschätzung der Experten aus ihrer Schieflage befreit hat.

 

Dies bedeutet, dass Sparer mit hohen Einlagen der Bank of Cyprus im Rahmen dieses harten und beispiellosen Rettungspakets der EU und des IWF bis zu 60 Prozent ihrer Gelder verlieren könnten. Einlagen unter 100.000 Euro werden durch die zypriotische Einlagengarantie geschützt.

 

Die zweitgrößte Bank des Landes, die Bank Laiki, wird im Rahmen der zwischen den Finanzministern der Euro-Zone und Zypern ausgehandelten Vereinbarung praktisch zunächst geschlossen und dann in eine »gesunde« und eine sogenannte »Bad Bank« aufgespalten. [Bei einer Bad Bank handelt es sich um eine Abwicklungsbank, die sogenannte »notleidende Kredite« übernimmt und abwickelt. In der Regel übernehmen die Zentralbank, Einlagensicherungsfonds oder Banken selbst die zumindest teilweise Haftung für diese Verbindlichkeiten.]

 

Einlagen unter 100.000 Euro bei der Bank Laiki sollen an die Bank of Cyprus überwiesen werden, um eine »gesunde Bank« aufzubauen. Einlagen über 100.000 Euro, die nicht von der EU garantiert werden, sollen eingefroren und zur Rückzahlung von Schulden eingesetzt werden.

 

Diese Vereinbarung hat unter vielen Zyprioten große Wut und Empörung ausgelöst.

 

 

 

 


 

 

 

 

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