Mittwoch, 7. Dezember 2016
15.08.2014
 
 

Die Neonazi-Sturmtruppen der Ukraine werden ignoriert

Robert Parry

Neonazi-Sturmtruppen greifen ohne Erbarmen eine Stadt in Europa an, hier und heute. Das sollte doch auch in den USA Schlagzeilen machen, könnte man meinen. Aber weit gefehlt, denn wenn die Nazi-Milizen für die von Washington unterstützte ukrainische Regierung wüten und ethnische Russen töten, dann hat das keinen Nachrichtenwert.

 

Vorsätzlich sendet die von Washington unterstützte ukrainische Regierung Neonazi-Milizen in den Osten des Landes, damit sie dort russischstämmige Bewohner angreifen – beziehungsweise »Untermenschen«, wie es in der Sprachregelung einiger dieser Sturmtruppen heißt. Das berichten einige westliche Medien.

 

Vor Kurzem wurde die ostukrainische Kleinstadt Marinka vom »Azow«-Bataillon erobert – einer Einheit, die beim Einzug in die Stadt eine Fahne mit Wolfsangel schwenkte. Die Wolfsangel ist ein Runensymbol, das im Zweiten Weltkrieg SS-Divisionen verwendeten. Die »Azow«-Miliz griff auch Donezk an, eine der verbliebenen Hochburgen der ethnischen Russen. Sie lehnen das Regime in Kiew ab, das im Februar den gewählten Präsidenten Viktor Janukowitsch gestürzt hatte.

 

Es ist ein ungewöhnlicher Fakt: Moderne Nazi-Sturmtruppen schlachten im Osten der Ukraine Slawen ab. Dennoch richtet die Regierung Obama ihre Kritik einzig auf Russland, weil die Russen einen Konvoi mit Hilfsgütern in die umkämpfte Region schicken. Wo ist sie hin, die Phrasendrescherei der Regierung über die »Verpflichtung zum Schutz« der Zivilisten? Vom Winde verweht.

 

Dieselbe Scheinheiligkeit zieht sich wie ein roter Faden durch fast alles, was das US-Außenministerium gesagt hat und was die amerikanischen Mainstream-Medien berichtet haben, seit die Ukraine-Krise vergangenes Jahr begann. Schmeichelhaft wurde über die Maidan-Demonstranten berichtet, die Janukowitsch stürzen wollten. Nach dem Staatsstreich vom 22. Februar wurde das neue Regime sofort als »legitim« erklärt. Dass Neonazi-Aktivisten und Milizen eine zentrale Rolle gespielt haben, wurde als »russische Propaganda« abgetan. Typisch für diese einseitige Berichterstattung der USA.

 

Aber die hässliche Wahrheit dringt inzwischen selbst durch die Scheuklappen der westlichen Presse. So schrieb beispielsweise die New York Times am Sonntag in einem langen Artikel über den Ukraine-Konflikt in den letzten drei Absätzen über die Strategie des ukrainischen Militärs. Diese bestehe darin, von Rebellen besetzte Städte aus der Entfernung zu beschießen und dann paramilitärische Einheiten von der Leine zu lassen, die »chaotisch, brutale Angriffe« durchführen.

»Von offizieller Seite in Kiew heißt es, Milizen und Armee würden ihr Vorgehen abstimmen, aber die Milizen, die über ungefähr 7.000 Kämpfer verfügen, sind wütend und gelegentlich nicht zu kontrollieren. Eine »Azow« genannte Miliz eroberte das Dorf Marinka und hat eine Fahne, die ein Hakenkreuz-ähnliches Neonazi-Symbol ziert.« (siehe auch hier)

Genau genommen tun die »Azow«-Kämpfer mehr, als nur etwas Hakenkreuzartiges auf der Fahne zu führen – sie bevorzugen die Wolfsangel-Fahne der SS-Divisionen. Das passt, denn viele ukrainische Neonazis haben viel Lob übrig für die Galizische SS, die ukrainischen Hilfstruppen der SS im Zweiten Weltkrieg. Der Nazi-Kollaborateur Stepan Bandera gilt als ukrainischer Volksheld und wurde auch bei den Maidan-Protesten gepriesen, dabei halfen Banderas paramilitärische Einheiten, Juden und Polen auszurotten.

 

Doch die dunkle Seite des Regimes von Kiew wird von den amerikanischen Mainstream-Medien zumeist ignoriert. Dabei sollte man doch meinen, dass sich eine sehr interessante Geschichte darüber schreiben lässt, dass moderne Nazi-Sturmtruppen slawische »Untermenschen« niedermetzeln.

 

Aber das würde die Schwarz-Weiß-Schablone zunichtemachen, die das Außenministerium und die Mainstream-Medien an die Ukraine-Krise anlegen: Das Regime von Kiew sind die Guten, die russischstämmigen Rebellen und Russlands Präsident Wladimir Putin sind die Bösen. Bei diesem Raster könnte es dem amerikanischen Volk vergleichsweise schwer zu vermitteln sein, dass SS-Fahnen schwenkende Neonazis, die den »Untermenschen« an den Kragen wollen, die Guten sein sollen.

 

Kiew duldet die Neonazis

 

Der konservative London Telegraph lieferte weitere Einzelheiten über die Rolle, die das »Azow«-Bataillon in den Kämpfen spielte. In einem eher verständnisvollen Artikel schrieb der Telegraph-Autor Tom Parfitt:

»Am westlichen Rand von Marinka ließ man das (»Azow«-) Bataillon vor den Panzern und Panzerfahrzeugen der 51. Panzergrenadierbrigade der ukrainischen Armee vorrücken. … Trotz einiger Opfer« sagte der Kommandeur des Bataillons Andrej Bilezki dem Telegraph, die Operation sei ein »hundertprozentiger Erfolg« gewesen … »Am wichtigsten ist es, dass wir einen Brückenkopf für den Angriff auf Donezk errichtet haben. Und wenn der erfolgt, werden wir vorangehen.«

Weiter hieß es im Telegraph:

»Europa sollte es kalt den Rücken hinunterlaufen angesichts der Tatsache, dass Kiew freiwillige paramilitärische Gruppen dafür nutzt, die von Russland unterstützten »Volksrepubliken« in Donezk und Luhansk auszulöschen, die im Osten des Landes im März ausgerufen worden waren. Kürzlich entstandene Bataillone wie »Donbas«, »Dnipro« und »Azow« verfügen über mehrere tausend Männer und unterstehen offiziell dem Innenministerium. Ihre Finanzierung jedoch ist unklar, ihre Ausbildung ungenügend und ihre Ideologie häufig alarmierend. Die Männer von »Azow« verwenden das Neonazi-Symbol der Wolfsangel auf ihren Bannern und Mitglieder des Bataillons treten offen als Rassisten oder Antisemiten auf.«

In Interviews zweifelten einige Kämpfer an, dass es den Holocaust überhaupt gegeben habe. Sie gaben ihrer Bewunderung für Adolf Hitler Ausdruck und räumten freimütig ein, dass sie tatsächlich Nazis seien – ein Umstand, der auch den Behörden in Kiew bekannt ist. Der »Azow«-Kommandeur Bilezki »leitet die extremistische Gruppe Sozial-Nationale Versammlung«, schreibt der Telegraph und gibt einen aktuellen Kommentar Bilezkis wieder:

»Der historische Auftrag unserer Nation in diesem kritischen Augenblick ist es, die weißen Rassen der Welt anzuführen in einem finalen Kreuzzug für das Überleben ... ein Kreuzzug gegen die von Semiten angeführten Untermenschen.«

Das Bataillon wurde auf rechtsextremen Ansichten gegründet, wie Bilezki einräumt. Nazi-Verbindungen seien kein Grund für einen Ausschluss: »Das wichtigste ist, dass jemand ein guter Kämpfer und ein guter Bruder ist, damit wir einander vertrauen können.«


Die Offensive gegen die rebellierenden ethnischen Russen hat Neonazis aus dem Ausland angelockt. »Bilezki sagt, bei ihm würden Männer aus Irland, Italien, Griechenland und aus Skandinavien mitkämpfen«, schreibt der Telegraph.

 

Zu diesen ausländischen Rekruten gehört Mikael Skillt, ein ehemaliger Scharfschütze der schwedischen Armee und der Nationalgarde, der eine Aufklärungseinheit ausbildet und anführt. Skillt gab sich als Nationalsozialist zu erkennen, der in der rechtsextremen »Partei der Schweden« aktiv ist. »Jetzt kämpfe ich gegen Putins imperialistische Front und für die Freiheit der Ukraine«, sagte er.

 

Die Regierung in Kiew weiß um die Nazi-Sympathisanten unter den Kämpfern, die den Widerstand der ethnischen Russen im Osten des Landes zum Erlöschen bringen sollen. »Die ukrainische Regierung ist uneinsichtig, was den Einsatz von Neonazis anbelangt«, schreibt der Telegraph und zitiert Anton Geraschtschenko, Berater von Innenminister Arsen Awakow:

»Am wichtigsten ist ihr Geist und ihr Wunsch, die Ukraine frei und unabhängig zu machen. […] Eine Person, die zur Waffe greift und ihr Mutterland verteidigt, ist ein Held. Und ihre politischen Ansichten sind ihre eigene Angelegenheit.«

Sogar Präsident Petro Poroschenko bezeichnete einen der Milizionäre, der am Sonntag bei Kämpfen starb, als Helden, meldet der Telegraph.

 

 

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Leser-Kommentare (16) zu diesem Artikel

16.08.2014 | 10:18

Ulrich

FSK@, ich informiere mich bei vielen verschiedenen alternativen Medien, auch ausländischen, und das seit etwa 15 Jahren, neben den allgemein üblichen, an denen man ja nicht vorbeikommt. Im Rückblick waren die kritischen, alternativen Nachrichten die wahrhaftigeren und wertvollsten. Die "Mainstream-Medien" haben erwiesenermaßen in allen wichtigen Feldern unisono gelogen, im besten Fall wohlkalkulierte Halbwahrheiten berichtet, im schlimmsten Fall große Verbrechen...

FSK@, ich informiere mich bei vielen verschiedenen alternativen Medien, auch ausländischen, und das seit etwa 15 Jahren, neben den allgemein üblichen, an denen man ja nicht vorbeikommt. Im Rückblick waren die kritischen, alternativen Nachrichten die wahrhaftigeren und wertvollsten. Die "Mainstream-Medien" haben erwiesenermaßen in allen wichtigen Feldern unisono gelogen, im besten Fall wohlkalkulierte Halbwahrheiten berichtet, im schlimmsten Fall große Verbrechen geleugnet und verschleiert. In diesem Sinne: Kopp machts besser!


15.08.2014 | 23:05

Irene

Eduard Todleben: Genauso läuft es ab. In Donbass sind noch zu wenige Tote. Man muss noch zuwarten, um das Morden und die Flüchtlingszahl noch zu erhöhen.Alle Länder der EU tragen Mitschuld, da sie das gutheißen was in der Ukraine passierte bzw. noch passiert.


15.08.2014 | 18:34

FSK

Also bei Kopp gibts immer mehr dieses Schwarz-Weiß-Denken, was sie Nazis anhängen! Alle zur Ukraine gehörenden sind verbrecherisch, CIA+NATO-Kumpels und hassen alle Russen. Die Seperatisten sind sich wehrende aufopferungsvolle und rein gute Menschen. Ich hab´s schon öfters gesagt und sage es wieder. Ihr seid schon wie WELT + FAZ ... Für Euch gibts nur eine Sichtweise! Die einzig Objektiven "größeren" Freien sind die von DWN! Ihr lasst Euch genauso benutzen und treibt...

Also bei Kopp gibts immer mehr dieses Schwarz-Weiß-Denken, was sie Nazis anhängen! Alle zur Ukraine gehörenden sind verbrecherisch, CIA+NATO-Kumpels und hassen alle Russen. Die Seperatisten sind sich wehrende aufopferungsvolle und rein gute Menschen. Ich hab´s schon öfters gesagt und sage es wieder. Ihr seid schon wie WELT + FAZ ... Für Euch gibts nur eine Sichtweise! Die einzig Objektiven "größeren" Freien sind die von DWN! Ihr lasst Euch genauso benutzen und treibt einen Keil in die osteurop. und slawischen Völker! http://www.europaeische-aktion.org/Artikel/de/Demo-am-08Juli-2013-in-der-Ukraine_300.html http://www.europaeische-aktion.org/Artikel/de/Russland-die-Ukraine-und-Europa_298.html


15.08.2014 | 17:40

Elisa

Selbst die schärfsten EU-Kritiker hätten sich vor einem Jahr nicht diese mörderischen und eiskalten Verhaltensweisen einer nicht-gewählten US-Regierung in der Ukraine vorstellen können. Und der bestialische Wahnsinn setzt sich ohne Ende fort:

Ukraine: Ehemaliger Söldner von Blackwater vermietet Lizenz zum Töten
http://www.neopresse.com/politik/ukraine-ehemaliger-soeldner-von-blackwater-vermietet-lizenz-zum-toeten/


15.08.2014 | 16:27

Der_Interessierte

Hallo Eckart, Dass sich der Westen die in grossen Teilen der ukrainischen Volksseele fest verankerte Abneigung gegen Russland und Moskau zu Nutze macht, kann man nicht leugnen. Das dabei für mich Erschreckend ist die Skrupellosigkeit des Westens nicht vor einer Kooperation mit Kräften in der Ukraine zurückzuschrecken, die ihre Tradition in de berüchtigten ukrainischen Divisionen der Waffen-SS "Galizien" und den ukrainischen SS-Lagerwachen sieht.


15.08.2014 | 15:38

Anna

Erster EBOLA-Fall in Frankfurt (auch wenn es hier nicht thematisch passt) http://www.newsdump.de/news/universitatsklinikum-erster-verdacht-auf-ebola-in-frankfurt

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