Dienstag, 6. Dezember 2016
03.12.2015
 
 

Wenn Paris brennt – und Moskau Bodentruppen schickt

Stephan Berndt

Wie die jüngsten Terroranschläge in Paris mit dem russischen Engagement in Syrien zusammenhängen, und warum beides auch prophezeiten Vorzeichen für einen womöglich nachfolgenden großen Krieg in Europa entspricht. Es war Marie Anne Lenormand (1772-1843), Bürgerin der Stadt Paris und die bekannteste Wahrsagerin Frankreichs, die voraussagte, dass die Franzosen eines unglücklichen Tages ihre eigene Hauptstadt in Brand setzen werden. Und zwar nicht nur hier und dort etwas ankokeln, nein, richtig in Brand setzen.

 

Schon zu ihrer Zeit ging Madame Lenormand den Mächtigen – machthabenden Revolutionären und später Napoleon Bonaparte – gewaltig auf die Nerven. Mehrfach saß sie deshalb im

Gefängnis.Observiert wurde sie natürlich auch. Und so finden sich noch heute im französischen Nationalarchiv Überwachungsprotokolle1 der Pariser Polizei, aus denen hervorgeht, dass u. a. auch der russische Zar Alexander I. von ihren Diensten angetan war. Die Wahrsagerin hatte es offenbar »drauf«, wie man heute so schön sagt.

 

Die Barbaren, die Paris vernichten wollen

 

Madame Lenormand sagte aber nicht nur den Brand von Paris voraus, sondern auch, dass Frankreich im selben Moment von außen angegriffen wird.

»Der Pariser selbst wird mit der Wut und der Verzweiflung im Herzen [...], mit wütender Hand die Anstrengungen unterstützen, womit die Barbaren die Königin der Städte vernichten wollen.«2

Wer sind die Barbaren? Eine militärische Macht aus dem Osten? Deutschland? Etwa Russland? Wir kommen gleich darauf zurück.

 

Dass die Franzosen eines Tages ihre eigene Hauptstadt abfackeln, sagen noch andere Seher voraus. »Aha«, erkennt da der kritische Leser, »alles abgeschrieben!« Nun – nicht unbedingt. Denn in einem Prophezeiungstext des bekannten bayrischen Hellsehers Alois Irlmaier (gest. 1959) ist im Zusammenhang mit dem Brand von Paris explizit von der »Jugend« die Rede – und das sagte vor ihm keiner voraus:

»Zuerst wird die Stadt mit dem eisernen Turm sich selbst anzünden und Revolte mit der Jugend machen.«3

Jugendarbeitslosigkeit als Menetekel

 

Die Pariser Jugend hat bereits im Herbst 2005 eine Kostprobe ihrer pyromanischen Begabung geboten. Mehrere Wochen lang fackelten unzufriedene Jugendliche, insbesondere solche mit Migrationshintergrund, zigtausend Autos ab – und auch schon einige Dutzend Häuser. Seit 2005 aber hat sich die soziale Situation der französischen Jugend nicht etwa verbessert, sondern weiter verschlechtert. Lag 2005 in Frankreich die durchschnittliche Jugendarbeitslosigkeit bei 19 Prozent, so liegt sie heute bei 24 Prozent. Und die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt bei grauenerregenden 44 Prozent.4

 

Das ganze Gerede in Frankreich anlässlich der Terroranschläge vom 13. November, man müsse einheimischen Terroristen das Wasser abgraben, indem man den gewaltbereiten Jugendlichen eine soziale Aufstiegschance bietet, erscheint somit als substanzloses Geschwätz. Und es braucht nicht viel Fantasie, sich vorzustellen, dass der IS weitere Angriffe in Frankreich lanciert und die schwülstigen Toleranzbeteuerungen dann an der Wut zu vieler europäischstämmiger Franzosen zerschellen. Deren Wut wiederum könnte dann die Wut der Immigrantenjugend schüren.

 

Bis vor wenigen Jahren schien das Bild der Pariser Bürger, die ihre eigene Stadt anzünden, völlig absurd, ja hirnrissig. Doch heutzutage wird alles plausibel: Es sind Pariser Bürger, die sich nicht (mehr) als Bürger Frankreichs empfinden und demnach gar nicht »ihre« Stadt in Brand setzen.

 

Wer sind die »Barbaren«?

 

Kommen wir nun zu den »Barbaren«, die sich zeitgleich der brennenden Stadt von außen nähern sollen. Diese hat Marie Anne Lenormand nicht weiter beschrieben. Orientiert man sich jedoch an

deutschen Hellsehern und Prophezeiungen, könnten es die Russen eigentlich nicht sein, denn die sollen nur bis zum Rhein gelangen. Des Rätsels Lösung findet sich bei einer anderen französischen Seherin: Marie-Julie Jahenny (gest. 1941). Ihr zufolge überqueren die Russen den Rhein erst ganz tief im Süden, erst im deutsch-französisch-schweizerischen Grenzgebiet, und kämpfen sich dann in Frankreich bis auf etwa 40 Kilometer an Paris heran.

 

Paris soll also genau in jenen Stunden brennen, da Russland in Mitteleuropa einfällt. Der Brand von Paris wäre demnach eine Datierungshilfe für den russischen Angriff bzw. wäre die innenpolitische Situation in Frankreich ein Frühindikator für den drohenden großen Krieg, der – ich erwähne es immer wieder – im Hochsommer eines Jahres X ausbräche, in Europa kein Atomkrieg wäre und nur rund drei Monate dauern soll.

 

Wenn alles »Frieden, Frieden« ruft

 

Darüber hinaus sagt die europäische Prophetie voraus, dass wenige Tage oder Wochen vor dem großen Krieg auf dem alten Kontinent ein neuer Nahostkrieg ausbricht. Wiederholt heißt es, alles rufe »Frieden, Frieden«. Demnach droht ein neuer Nahostkrieg, oder die Eskalation eines bereits laufenden. Und die Welt ahnt jetzt, dass die Politiker tatsächlich dabei sind, im Nahen Osten die Tore der Hölle aufzureißen.

 

Westliche und östliche Geostrategen sind sich jedoch einig, dass der eigentlich gefährliche Konflikt zwischen den USA und Russland droht. Geostrategisch gesehen ist der Nahe Osten nur Flanke, oder im Hinblick auf unsere Massenmedien: nur Ablenkung. Und auch hier wieder schließt sich der Kreis zur europäischen Prophetie, denn sie sagt voraus, dass der große Angriff aus dem Osten urplötzlich und »völlig unerwartet« hereinbricht.

 

Surprise, surprise

 

Lange Zeit war das kaum zu verstehen, denn angesichts modernster Spionagetechnik schien es äußerst unwahrscheinlich, dass sich eine Riesenarmee unbemerkt an die Ostgrenze der NATO heranschleicht und dann völlig überraschend zuschlägt. Inzwischen bietet sich eine Erklärung an: Das Überraschungsmoment liegt vor allem aufseiten des normalen Bürgers. Dieser wird zum einen durch die massenmediale Alleinherrschaft des »islamistischen Terrors« höchst effizient abgelenkt, und zum anderen wird die drohende Kriegsgefahr mit Russland so gut wie komplett unter den Teppich gekehrt.

 

Dass Putin in Syrien geostrategische Ziele verfolgt, nämlich versucht, ein weiteres Vordringen der NATO an Russlands Südflanke zu verhindern, wird geflissentlich übersehen. Ebenso unerwähnt bleibt, was wohl folgen würde, würde Syrien ins westliche Lager übergehen, also Assad gestürzt werden: Dann käme der Iran dran, der mit Syrien einen wichtigen Verbündeten verloren hätte. Und danach? – käme wohl Russland an die Reihe, das seinerseits mit Syrien und dem Iran zwei wichtige Verbündete verloren hätte. So jedenfalls die große Furcht in Moskau.

 

Die Verschwörungstheoretiker im Kreml

 

Alles nur eine Verschwörungstheorie? Mag sein. Doch was, wenn man im Kreml von dieser Theorie zutiefst überzeugt ist? Und genau danach sieht es aus!

 

Putin und seine Mitstreiter im Kreml haben in Syrien eine rote Linie gezogen. Der Kreml ist notfalls bereit zum Endkampf. Ja, Sie haben richtig gelesen! Der Kreml glaubt, die NATO wolle Russland

faktisch als autonomen Staat beseitigen. Das hat nicht nur Putin öffentlich gesagt, sondern auch andere russische Politiker. Nur in unseren Medien achtet man peinlich genau darauf, dass dies bei uns nicht zum Thema wird.

 

Wir müssen also aufpassen: Je mehr die großen Magier und Illusionskünstler dieser Tage uns gebannt und besorgt auf den islamistischen Terror starren lassen, desto größer wird die Gefahr, dass sich außerhalb unseres Sichtfeldes ein wahres Monstrum erhebt.

 

Lesen Sie mehr in meinen Büchern Was will Putin? und Countdown Weltkrieg 3.0.

 

 

 


Anmerkungen

 

1Kornelia Igges, Marie-Anne Lenormand, 2006, Seite 237.

2 Dieser Text wurde schon im Jahre 1849 in deutscher Sprache veröffentlicht. Im ausgesparten Text steht: »und erfüllt von der Lehre, welche der Moskowite uns gab« Damals war noch St. Petersburg die Hauptstadt Russlands. Der »Moskowite« ließe sich als kommunistischer Führer in Russland deuten – womit sich ein unstimmiger Zeitbezug ergäbe –, oder eben als Putin, der ideologische Vorkämpfer einer »multipolaren« Welt und größte Herausforderer Washingtons. Denkbar, dass ein Teil der Jugendlichen auch Globalisierungs- und EU-Gegner sind oder die Wahrsagerin Putin und Lenin fälschlicherweise ideologisch gleichgesetzt hat. Auch Hellseher deuten gelegentlich Dinge falsch, die nicht unmittelbar sichtbar sind. Siehe Hellseher und Astrologen im Dienste der Macht von Stephan Berndt.

3 Stephan Berndt, Alois Irlmaier, Seite 288.

4 im Jahre 2014

 

 

 

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