Friday, 30. September 2016
03.11.2011
 
 

Neuer libyscher Ministerpräsident: Marionette der Erdölkonzerne?

Tony Cartalucci

Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtete vor Kurzem, die libyschen Rebellenkämpfer hätten in dieser Woche einen neuen »Ministerpräsidenten« ernannt. AP bezeichnet den demokratisch nicht legitimierten Handlanger des Westens Abdurrahim el-Keib als »fortschrittlichen Akademiker«, der viele Jahrzehnte in den USA verbracht und dort an der Universität des Bundesstaates Alabama Elektroingenieure ausgebildet habe. In der muslimischen Gemeinschaft von Tuscaloosa habe er eine führende Rolle gespielt.

So beginnt die Farce der »Demokratisierung nach westlichem Vorbild«: Der eine Handlanger westlicher Wirtschaftsinteressen Mustafa Abdul Dschalil tritt zurück, und der nächste Handlanger Abdurrahim el-Keib nimmt seinen Platz ein. In Wirklichkeit bestimmten die NATO-Staaten und ihre Unterstützer aus der Wirtschaft das weitere Schicksal Libyens.

 

Als »früherer Arbeitgeber« wird nur kurz das Petroleum Institute mit Sitz in Abu Dhabi in Dubai erwähnt, das von British Petroleum (BP), Shell, dem französischen Erdölkonzern Total, der Japanischen Erdölentwicklungsgesellschaft und dem Nationalen Erdölkonzern Abu Dhabis unterstützt wird. El-Keib wird in einer Kurzbiographie auf den Internetseiten des Petroleum Institutes als »Professor und Vorsitzender« bezeichnet. Darüber hinaus heißt es dort weiter, seine ausgedehnten Forschungsarbeiten seien u. a. über Jahre hinweg von verschiedenen amerikanischen Regierungsbehörden und -abteilungen finanziert worden.

Wie sein Vorgänger Dschalil ist el-Keib nur dem Namen nach Libyer und steht seit Jahrzehnten im Dienste westlicher Unternehmen, Regierungen und Institutionen. Wie Dschalil oder der Ägypter Mohammed ElBaradei wird ein weiterer Agent westlicher Interessen als genuiner Führer in einem ausländischen Land präsentiert. Sein Aufstieg an die Macht wurde mit Tausenden NATO-Luftangriffen im Rahmen einer siebenmonatigen Militäroperation mit den USA an der Spitze der Weg bereitet. Zehntausende libysche Zivilisten bezahlten für seinen Aufstieg in Libyen schwer (viele davon mit ihrem Leben) und lassen ihn eher als Entehrung libyscher Souveränität erscheinen.

In der Zwischenzeit, so berichtet der in London erscheinende Telegraph, wenden die von der NATO unterstützten Rebellen in Tripolis ihre Waffen gegeneinander. So kam es zu einem heftigen Schusswechsel zwischen einigen hunderten bewaffneten Kämpfern in der Nähe eines Krankenhauses, nachdem ein Gruppe versucht hatte, einen Patienten zu ermorden, den sie in der Nacht zuvor »nur« verwundet hatten. Der Artikel listet eine wachsende Zahl von Grausamkeiten auf, die von den Rebellenkämpfern begangen wurden, um dann den »beispiellosen Sieg« der NATO in Libyen hervorzuheben.

Die etablierten Medien verschließen weiterhin die Augen vor den sich häufenden Beweisen, die zeigen, dass sowohl die NATO als auch die Rebellen die gleichen Grausamkeiten verübten, die sie Gaddafi vorwarfen, um so einen Vorwand für ihren mehr als ein halbes Jahr andauernden Amoklauf zu haben. Dabei ist seit Beginn der Kampfhandlungen im Februar gut dokumentiert, dass es sich bei den Rebellen keineswegs um Kämpfer für Demokratie, sondern um mit al Qaida verbundene Kämpfer der Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG) handelte, die seit Langem in terroristische und andere barbarische Aktivitäten verwickelt sind. Es ist ebenfalls ausführlich dokumentiert, dass die Rebellen in den vergangenen zehn Jahren amerikanische und britische Soldaten im Irak und in Afghanistan getötet haben, wie ein Bericht des Zentrum zur Bekämpfung des Terrorismus (CTC) an der amerikanischen Militärakademie West Point hervorhebt.

Dessen ungeachtet sind hochrangige amerikanische  Repräsentanten wie etwa Senator John McCain persönlich mit den LIFG-Kämpfern zusammengetroffen und haben sie als »Helden« gepriesen, die »der Welt ein Beispiel« gegeben hätten. Es stimmt bedenklich, dass McCain diese Bemerkungen in Tripolis genau zu der Zeit machte, als die Rebellen öffentlich erklärten, sie wollten die Bevölkerung in Sirte völlig von der Versorgung mit lebenswichtigen und medizinischen Gütern abschneiden, um, wie sie selbst einräumten, mit NATO-Unterstützung »die Stadt durch Hunger zur Kapitulation zu zwingen« – ein schweres Kriegsverbrechen.

Mit Worten lassen sich die Ungerechtigkeit, unter der Libyen leidet, das Ausmaß der Heuchelei, mit der hier vorgegangen wird, und die schamlose Ausplünderung  der Nation, die jetzt seitens der NATO-Mitgliedsstaaten einsetzt, nicht beschreiben. Und dies alles wird durch den neuen, demokratisch nicht legitimierten jahrzehntelangen Handlanger westlicher Interessen, der jetzt als der neue »Übergangs-Ministerpräsident« präsentiert wird, ermöglicht und unterstützt.

 

 


 

 

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