Verkehrte Welt: EU finanziert Zwangsarbeit für Roma in Ungarn
Torben Grombery
Im EU-Land Ungarn geschehen in diesen Tagen merkwürdige Dinge. Während Brüssel die Diskriminierung der Roma-Minderheit kritisiert, finanziert es diese mit EU-Steuermitteln.

Vierzig Roma forsten nahe der ungarischen Gemeinde Gyöngyöspata eine 16 Hektar große Brachfläche von Hand auf. Es sind Sozialhilfeempfänger, die nach dem ungarischen Gesetz zur Zwangsarbeit verpflichtet werden können. Die EU finanziert das Wiederaufforstungsprojekt. Die Roma bekommen für acht Stunden tägliche Arbeit im Monat 210 Euro brutto (57.000 Forint) aus
Brüssel – der Mindestlohn in Ungarn beträgt 289 Euro (278.000 Forint).
Unterdessen hat ein renommiertes internationales Forschungsinstitut eine Studie über die Haltung von Ungarn gegenüber rechtsextremen Positionen veröffentlicht, die aufhorchen lässt: Mehr als ein Drittel der Anhänger der grün-liberalen LMP-Partei (35 Prozent) würde ihren Kindern laut der Studie verbieten, mit Romakindern zu spielen. Und unglaubliche 49 Prozent der ungarischen Grünen (also jeder Zweite!) stimmt nach der Studie des Forschungsinstituts der Aussage zu, dass Kriminalität bei Roma genetisch veranlagt sei – also angeboren. Auch bei den ungarischen Sozialisten, also den Anhängern der MSZP und den Fidesz-Anhängern, stimmen mit 61 und 60 Prozent mehr als die Hälfte der Aussage zu, wonach Kriminalität bei Roma genetisch bedingt notorisch sei. Das ist kein wirklich großer Unterschied mehr zu den 79 Prozent Zustimmung, die diese Aussage unter den rechten ungarischen Jobbik-Anhängern in den Umfragen erhielt. Es verwundert demnach kaum, dass in Ungarn niemand gegen die von der EU finanzierte Zwangsarbeit für Roma protestiert. Lesen Sie, was deutschsprachige Medien Ihnen in diesen Tagen über Ungarn verschweigen. Alle Hintergründe, Daten und Fakten finden Sie exklusiv in der neuen Druckausgabe.
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