Saturday, 1. October 2016
28.08.2014
 
 

Der erste Sargnagel für den Petrodollar: Gazprom akzeptiert Yuan und Rubel als Zahlungsmittel für Erdöllieferungen

Tyler Durden

Als Russland und China im Mai dieses Jahres den seit Langem erwarteten Vertrag über umfangreiche Erdgaslieferungen unterzeichneten, waren einige enttäuscht, dass trotz der hohen symbolischen Bedeutung dieses Abkommens, das den Anfang vom Ende der weltweiten Vorherrschaft des Petrodollars markierte, weder Russland noch China erklärten, die Bezahlung werde nicht in Dollar abgewickelt. Indem sie darauf verzichteten, räumten sie indirekt ein, dass beide Länder zwar sehr daran interessiert sind, sich aus dem weltweiten Finanzsystem, das gegenwärtig vom amerikanischen Dollar als Reservewährung beherrscht wird, zurückzuziehen, damals aber nicht in der Lage waren, eine Alternative vorzulegen.

 

Dies änderte sich Ende Juni, als zunächst der Vorstandsvorsitzende von Gazprom erklärte, der Energiekonzern sei bereit, die Verträge mit China in Yuan oder Rubel abzuwickeln, und gleichzeitig die chinesische Zentralbank berichtete, ihr stellvertretender Gouverneur Jin Qi und der stellvertretende Chef der russischen Zentralbank, Dmitri Skobelkin, hätten auf einem Treffen über die Möglichkeit diskutiert, bei der Finanzierung von Projekten und Handelsgeschäften enger zusammenzuarbeiten und bei ihrer Abwicklung die jeweilige Landeswährung zu benutzen. Auf dem Treffen kam auch eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Kredit- und Scheckkarten sowie Versicherungen und der Aufsichtsbehörden des Finanzsektors zur Sprache.

 

Aber während beide Seiten damit prinzipiell ihre Einsatzbereitschaft und ihr Bestreben deutlich machten, den Dollar als Weltreservewährung zu umgehen, blieben derartige Pläne doch noch auf der Ebene monetärer Vorüberlegungen, und der lang erwartete erste Schuss vor den Bug des Petrodollars blieb aus. Bis jetzt.

Wie die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti unter Berufung auf die Wirtschaftstageszeitung Kommersant berichtete, hat Gazprom Neft zugestimmt, 80 000 Tonnen Erdöl aus dem Förderfeld Nowoportowskoje in der Arktis an China zu liefern. Bei späteren Erdöllieferungen über die Ostsibirien-Pazifik-Pipeline (ESPO) werde man den chinesischen Yuan als Zahlungsmittel für die Nutzungsgebühren akzeptieren.

Dies bedeutet, dass Energieexporte nach Europa oder China nunmehr in Rubel oder Yuan abgewickelt werden. Dadurch werden diese beiden Währungen, sofern es die eurasische Achse betrifft, weitgehend gleichgestellt und konvertibel. Gleichzeitig, und das ist noch wichtiger, entfernen sie sich auf diese Weise immer weiter vom US-Dollar. Putin ergreift mit anderen Worten die Initiative in Richtung einer vom Petrodollar befreiten Welt. Zu dieser wichtigen Entwicklung schreibt RIA Novosti weiter:

»Die russische Regierung und einige der größten und wichtigsten Exportunternehmen des Landes haben über die Möglichkeit, Erdölexporte in Rubel abzuwickeln, lange und intensiv diskutiert. In der vergangenen Woche begann Russland mit Erdöllieferungen aus dem Förderfeld Nowoportowskoje nach Europa per Schiff. Zwei Öltanker werden im September in Europa eintreffen.

Wie Kommersant berichtet, werden die Zahlungen für diese Lieferungen in Rubel abgewickelt. Gazprom Neft wird aber nicht nur Zahlungen in Rubel akzeptieren, sondern, wie die Zeitung weiter berichtet, sollen weitere Lieferungen über die ESPO-Pipeline in Yuan bezahlt werden. Nach Angaben der Zeitung wurde dieser Währungswechsel durch die Sanktionen des Westens gegen Russland ausgelöst.

Russland habe sich entschieden, als Schutzmaßnahme weitgehend zu vermeiden, Zahlungen in US-Dollar zu leisten, die von der Regierung der USA verfolgt und kontrolliert werden könnten.«

»Schutzmaßnahme« bedeutet, dass die USA sich praktisch selbst ins Bein geschossen haben, indem sie Russland so unter Druck setzten, dass sich das Land entschied, in Zukunft so weit wie möglich auf den Dollar als Zahlungsmittel zu verzichten. Damit beweist Russland der Welt gleichzeitig, dass ein solcher Schritt möglich ist und gelingen kann. Damit schlug es den ersten Nagel in den Sarg des Petrodollar.

 

Diese Entwicklung dürfte eigentlich niemanden überraschen, der unsere Vorhersage der weiteren zu erwartenden Schritte in der Abkehr vom Petrodollar und des Übergangs zu einem Gas-O-Yuan-System vom April verfolgt hat:

 

»Die neue Abwicklung des Geldverkehrs:

  1. Gazprom liefert Erdgas nach China.

  2. China bezahlt Gazprom in Yuan (zum Rubel konvertibel).

  3. Gazprom legte zunehmend Devisenvorräte in Yuan an.

  4. Russland kauft chinesische Güter und Dienstleistungen und bezahlt mit Yuan (konvertibel zum Rubel).«

 

Und in diesem ganzen Prozess wird das amerikanische Bankenkartell höflich aber bestimmt verdrängt, indem der Dollar keinerlei Rolle mehr bei der Zahlungsabwicklung, oder wie man es vielleicht auch bezeichnen könnte, beim Übergang vom Petrodollar zum Gas-O-Yuan, spielt. An die 40 Zentralbanken haben das bereits erkannt … die amerikanische Notenbank Federal Reserve allerdings nicht.

 

Immer noch verwirrt? Dann lesen Sie den Artikel »90 Prozent der Gazprom-Kunden haben sich vom Dollar gelöst und bezahlen mit Euro oder Renminbi« (in englischer Sprache), dann wird klarer, dass Gazprom sich auf den Tag vorbereitet hat, an dem es den Schalter umlegen und das Dollar-System endgültig kippen wird. Und genau das ist gerade geschehen. An anderer Stelle wurde bereits auf diese Entwicklung hingewiesen, und dies berührt auch die Antwort auf die Frage, was als bemerkenswerteste Errungenschaft der Präsidentschaft Obamas in Erinnerung bleiben wird.

 

Denn dieser heuchlerische »progressive« Präsident, dem selbst viele seiner eigenen Anhänger vorwerfen, nur ein »dunkelhäutiger Clinton« zu sein, wird in den Meinungsumfragen als der schlechteste Präsident der letzten 100 Jahre eingestuft, nachdem er Amerika der Wall Street geopfert und die amerikanische Außenpolitik völlig gegen die Wand gefahren hat. Aber letztlich wird man sich an ihn vor allem als den Präsidenten erinnern, der die Vorherrschaft des Dollar beendete und den Status des Dollar als Weltreservewährung ein für alle Mal zerstörte und damit den raschen und unkontrollierten Zusammenbruch des amerikanischen Empire auslöste.

 

»Im Rückblick wird man sehr zutreffend urteilen, dass die krönende Leistung, die aus der katastrophalen Präsidentschaft Obamas innen- und sicherlich außenpolitisch in Erinnerung bleiben wird, darin besteht, dass er die wichtigsten aufstrebenden Supermächte der Welt (und dazu zählen wir sicherlich nicht das in sich zerstrittene und zahlungsunfähige Europa) dazu drängte, sich vom Petrodollar zu lösen und dem US-Dollar den Status als Weltreservewährung zu nehmen.«

 

Russland und China haben jetzt bewiesen, dass ein solcher Schritt nicht nur möglich ist, sondern bereits vollzogen wurde. Nun ist damit zu rechnen, dass jeder versuchen wird, möglichst rasch auf den schon fahrenden Zug dieser neuen Achse der Supermächte aufzuspringen.

 

 

.

Leser-Kommentare (15) zu diesem Artikel

01.09.2014 | 02:32

Ulrich

Die Deutsche Politikerin HELGA ZEPP-LAROUCHE arbeitet schon seit Jahrzehnten am Konzept der "Weltlandbrücke", welches im wesentlichen auf einer Zusammenarbeit zwischen Deutschland (bzw. Europa) und den BRICS-Staaten basiert (Stichwort: Neue Seidenstraße). Finde ich extrem interessant, kann man Googeln!


31.08.2014 | 12:39

hubert mollocher

endlich mal jemand (Russland+China) die den Amis Contra geben bzw. die Eier nach links drehen. Gott sei Dank und ich mache mir jetzt ein Sparbuch in Rubel und Renminbi, da der Dollar und der Euro bald nichts mehr wert sind.


29.08.2014 | 20:18

Ulrich

roxsi@, "...eine bereits in Verwesung übergegangene Leiche"..., den Vergleich finde ich gut. Kann man so ausdrücken. Ich fürchte allerdings, wenn die Leiche nicht sehr bald unter die Erde kommt, platzt sie, und wer in der Nähe steht, sieht dann nicht mehr so gut aus!


29.08.2014 | 14:04

roxsi

Es muß in diesem Zusammenhang auch daran erinnert werden, daß der Zweite Weltkrieg, in welchem man Deutschland zusammenbombte und anschließend besetzte, im wesentlichen damit zu tun hatte, daß das Hitler-Regime sich vom FED-beherrschten Bankensystem verabschiedet und ein eigenes Bewertungssystem geschaffen hatte, an welchem die Banken nicht mitverdienen konnten. Der Hauptkriegstreiber Churchill hatte dies ganz klar geäußert und man kann es auch in seinen Memoiren nachlesen....

Es muß in diesem Zusammenhang auch daran erinnert werden, daß der Zweite Weltkrieg, in welchem man Deutschland zusammenbombte und anschließend besetzte, im wesentlichen damit zu tun hatte, daß das Hitler-Regime sich vom FED-beherrschten Bankensystem verabschiedet und ein eigenes Bewertungssystem geschaffen hatte, an welchem die Banken nicht mitverdienen konnten. Der Hauptkriegstreiber Churchill hatte dies ganz klar geäußert und man kann es auch in seinen Memoiren nachlesen. Statt Arbeitslöhnen wurden tauschbare Gutscheine ausgegeben und der Im- und Export wurde auf der Basis von Gütertausch vollzogen, was ursächlich dafür war, daß das Elend in Deutschland und die Massenarbeitslosigkeit nach dem Ersten Weltkrieg innerhalb kürzester Zeit überwunden werden konnte. Das sind historische Fakten, welche nicht gleichgesetzt werden können mit der Rechtfertigung oder gar Verherrlichung des Dritten Reichs. Nach 1945 stülpte man Deutschland das FED-System über, welches inzwischen durch Rettungsschirme auf Teufel komm raus am Leben gehalten wird. Aber das ist nur ein untauglicher Versuch, eine bereits in Verwesung übergegangene Leiche wiederbeleben zu wollen.


29.08.2014 | 11:05

PetraZ

Wenn Putin es mit seiner Strategie schafft, die USA pleite zu machen und diese mittelalterlich kriegerische Nation endlich kein Geld mehr hat um weltweit Kriege anzuzetteln und andere mit reinzuziehen, dann hat Obama vielleicht doch noch eine Chance, seinem in vorauseilendem Gehorsam erhaltenen Friedensnobelpreis gerecht zu werden. Nur ohne USA wird es Frieden geben auf dieser Welt. Ich hoffe, dass ich das noch erleben darf.Wenn die USA pleite ist, wird die US Regierung auf Jahre...

Wenn Putin es mit seiner Strategie schafft, die USA pleite zu machen und diese mittelalterlich kriegerische Nation endlich kein Geld mehr hat um weltweit Kriege anzuzetteln und andere mit reinzuziehen, dann hat Obama vielleicht doch noch eine Chance, seinem in vorauseilendem Gehorsam erhaltenen Friedensnobelpreis gerecht zu werden. Nur ohne USA wird es Frieden geben auf dieser Welt. Ich hoffe, dass ich das noch erleben darf.
Wenn die USA pleite ist, wird die US Regierung auf Jahre damit beschäftigt sein, die Bürgerkriege in seinem eigenen Land zu verwalten, die dann unweigerlich kommen, in einem Land, wo schon Kinder mit Waffen durch die Gegend laufen.


29.08.2014 | 10:19

Wolfgang Seufert

Was kann man tun um diesemKriegstreiber Obama (Lybien, Syrien, Iran. Ukraine usw) den Friedensnobelpreis abzuerkennen?

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Wodka in Havanna: Putin und Castro wandeln auf alten Pfaden

Henning Lindhoff

Im vergangenen Juli traf Russlands Präsident Wladimir Putin zu Gesprächen in Havanna ein. Wie die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS berichtete, hat die Duma bereits am 4. Juli 2014 ein Abkommen ratifiziert, nach dem der kubanischen Regierung unter Raul Castro, Schulden in Höhe von 32 Milliarden US-Dollar erlassen werden. Die verbleibenden 3,2  mehr …

BRICS-Staaten kündigen Einrichtung eines 100 Milliarden Dollar schweren Reservefonds an

Tyler Durden

Das gegen die Vorherrschaft des Dollar gerichtete Bündnis der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) hat auf seinem Gipfeltreffen in Fortaleza im Nordosten Brasiliens, sozusagen einen »Mini-IWF«, nämlich einen eigenen Reservefonds, die »Contingent Reserve Arrangement (CRA), sowie eine eigene Entwicklungsbank, die New  mehr …

Entdollarisierung: Russland bereitet massiven Schlag gegen Petrodollar vor

Michael Snyder

Wird das Monopol des Petrodollars zerschlagen? Als die US-Politiker Russland mit Wirtschaftssanktionen belegten, wäre ihnen vermutlich niemals in den Sinn gekommen, dass das auch ernste Folgen für die USA haben könnte. Aber jetzt berichten russische Medien, dass das russische Finanzministerium alles für eine »Entdollarisierung« vorbereitet.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

NSU-Prozess – Das Misstrauen der Beate Zschäpe

Falk Schmidli

Eine überraschende Misstrauensbekundung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe gegenüber ihrem Verteidigertrio sorgte für Unruhe im NSU-Prozess. Alle drei Anwälte blieben. Was war der Hintergrund?  mehr …

Schlacht der Lügen: Die USA und die »Terrorgruppen«

Redaktion

Seit mehr als zwei Jahren haben westliche Staaten die Kämpfer der islamischen Terrorgruppen ISIS über eine Luftbrücke heimlich mit Waffen versorgt. Vor allem die USA bauten jene auf, die sie nun nach der Enthauptung eines Amerikaners wieder bekämpfen wollen.  mehr …

Irakischer Regierungsberater: ISIS verfügt über 100 000 Kämpfer und wächst weiter rasch

Redaktion

Die Zahl der Kämpfer und Rekruten der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS/ISIS) liege weitaus höher, als von ausländischen Beobachtern angenommen werde, man müsse vielmehr von bis zu 100 000 Kämpfern ausgehen, erklärte einer der renommiertesten irakischen Sicherheitsexperten, Hischam al-Haschimi, der über einen einzigartigen Zugang zu Geheimdienst-  mehr …

Entdollarisierung: Russland bereitet massiven Schlag gegen Petrodollar vor

Michael Snyder

Wird das Monopol des Petrodollars zerschlagen? Als die US-Politiker Russland mit Wirtschaftssanktionen belegten, wäre ihnen vermutlich niemals in den Sinn gekommen, dass das auch ernste Folgen für die USA haben könnte. Aber jetzt berichten russische Medien, dass das russische Finanzministerium alles für eine »Entdollarisierung« vorbereitet.  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.