Monday, 29. August 2016
04.03.2014
 
 

Gazprom warnt vor möglichen »Unterbrechungen der Gaslieferungen« nach Europa

Tyler Durden

Wie wir bereits zuvor gewarnt hatten, hat der russische Präsident Wladimir Putin bisher seine stärkste Trumpfkarte noch nicht ausgespielt. Da US-Präsident Obama und seine an Zahl rasch abnehmenden Verbündeten derzeit Wirtschaftssanktionen vorbereiten (da ihre Eskalationsmöglichkeiten ohnehin begrenzt sind), war es nur eine Frage der Zeit, bevor nun ihrerseits die russische Seite den Druck erhöht.

Wie die Nachrichtenagentur ITAR-TASS berichtet, hat der russische Erdgaskonzern Gazprom angekündigt, der Ukraine den bisherigen Preisrabatt für Gaslieferungen bisher 30 Prozent aufzukündigen, da das Land mit Zahlungen in Höhe von 1,5 Mrd. Dollar im Rückstand sei. Zudem hieß es, »die gärenden politischen Spannungen in der Ukraine, die noch durch schlechte

Wirtschaftsbedingungen verschärft würden, könnten zu Unterbrechungen der Gaslieferungen nach Europa führen«. Mit diesem einen Satz werden in Europa die Sorgen darüber, welche Schritte Russland als nächstes unternehmen könnte, sollten Sanktionen beschlossen werden, massiv wachsen.

 

Es scheint, als würde diese Karte, auf der die wichtigsten Erdgaspipelines aus den westsibirischen Gasfeldern nach Europa dargestellt sind, wieder einmal zur wichtigsten Karte für Europa werden.Einige Hintergründe zu den jüngsten Ereignissen …

 

Ende Januar bat die Ukraine Russland um einen Zahlungsaufschub für die 2013 und Anfang 2014 erfolgten Gaslieferungen. Präsident Wladimir Putin erklärte, die Gesamtschulden der Ukraine beliefen sich zu jener Zeit auf 2,7 Milliarden Dollar.

Dann:

 

Am 1. März dieses Jahres erklärte Gazprom-Sprecher Sergei Kuprijanow, der Konzern könnte den bisherigen Rabatt auf Gaslieferungen für die Ukraine kündigen, sollten die fälligen Zahlungen für die Gaslieferungen die Summe von 1,5 Milliarden Dollar erreichen. Diese Summe bezieht sich nicht nur auf die Lieferungen des vergangenen, sondern auch des laufenden Jahres.

»Die Situation hinsichtlich der ausstehenden Zahlungen ist besorgniserregend«, sagte Andrei Kruglow, Gazprom-Finanzvorstand. »Die Ukraine zahlt zwar, aber nicht in dem Maße, wie wir es begrüßen würden. Wir überlegen immer noch, ob wir die jetzt gültigen Preisabsprachen auf der Grundlage der derzeitigen Preise für das nächste Vierteljahr verlängern sollten.«

Und dann heute:

»Der russische Erdgaskonzern Gazprom erklärte am Montag, man könne nicht ausschließen, dass es aufgrund der politischen Situation in der Ukraine zu möglichen Störungen der Erdgaslieferungen an Europa kommen könnte. ›Die gärenden politischen Spannungen in der Ukraine, die noch durch schlechte Wirtschaftsbedingungen verschärft werden, könnten zu Unterbrechungen der Gaslieferungen nach Europa führen‹, hieß es in der Erklärung des Gasmonopolisten. Gleichzeitig beteuerte man aber, man werde alles versuchen, die Exportrisiken zu verringern.

›Wir werden auch weiterhin in andere exportorientierte Vorhaben wie etwa South Stream investieren und unsere Flüssiggas-Produktions- und  Exportkapazitäten ausweiten. Darüber hinaus werden wir unseren Zugang zu unterirdischen Gasspeichereinrichtungen in Europa erweitern.‹

Andrei Kruglow, Gazprom-Finanzvorstand, sagte weiter, derzeit versorge Russland die Ukraine entsprechend den Verträgen auch weiterhin mit Gas, auch wenn das Land seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkomme.«

Gerade diese Sätze liefern Gazprom den pragmatisch-realpolitischen Vorwand, die Lieferungen »durch« die Ukraine und dann nach Europa zu unterbrechen. Und dies wäre, wie der Guardian zutreffend bemerkt:

»nicht das erste Mal, dass Russland Erdgasexporte dazu benutzt, den Druck auf seine Nachbarn zu erhöhen, und die ›Gaskriege‹ zwischen diesen beiden Ländern neigen dazu, sich auch weit über ihre Grenzen hinaus auszuwirken. Immerhin liefert Russland noch etwa 30 Prozent des europäischen Gasverbrauchs.

Ende 2005 erklärte Gazprom, es beabsichtige, die Erdgaspreise für die Ukraine von 50 Dollar auf 230 Dollar pro 1000 Kubikmeter anzuheben. Der Konzern, der für Russland so wichtig ist, dass er früher mal ein Ministerium war, und an dessen Spitze einst der frühere Präsident und derzeitige Ministerpräsident Dmitri Medwedew stand, sagte, man wolle einfach einen fairen Marktpreis; die Preiserhöhung habe nichts mit den zunehmend engen Verbindungen der Ukraine mit der Europäischen Union und der NATO zu tun. Kiew lehnte die Preiserhöhung wenig überraschend ab, und am 1. Januar 2006 – Gespräche zwischen beiden Ländern über eine Einigung waren spektakulär gescheitert – drehte Gazprom den Gashahn zu.

Die Auswirkungen waren sofort spürbar und reichten über die Ukraine hinaus. Das Land ist von einem Netzwerk von Pipelines, die noch aus Sowjetzeiten stammen, durchzogen, die russisches Erdgas in viele Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und noch weiter transportieren. Mehr als ein Viertel des gesamten Gasverbrauchs der EU stammt aus Russland, und etwa 80 Prozent davon werden über ukrainische Pipelines transportiert. Österreich, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien und Polen hatten bald darauf mit einem Nachlassen des Gasdrucks in ihren eigenen Pipelines um mindestens 30 Prozent zu kämpfen.«

Da man an einem faktischen Krieg vorbeigekommen war, setzte sich damals die allgemeine Überzeugung durch, es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Gaslieferungen nach Europa wirklich bedroht seien (da Putin von dieser Einnahmequelle abhängt)… Aber dies hat sich mit diesen Gazprom-Stellungnahmen offenbar geändert.

 

 

 

 


 

 

 

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