Friday, 10. February 2012
08.08.2010
 

Rom droht mit Einmarsch in Südtirol

Udo Schulze

Das Ganze hört sich an wie ein Schildbürgerstreich. Und in der Tat: Es geht um Schilder, genauer um Straßen- und Ortsschilder. Die wollen die Südtiroler deutschsprachig gestalten, doch die italienische Regierung in Rom ist strikt dagegen. Jetzt droht die Regierung mit dem Militär.

Luis Durnwalder, Landeshauptmann (ähnlich einem deutschen Ministerpräsidenten) von Südtirol, hat im Streit mit der italienischen Zentralregierung schon so manches erlebt. Doch was er derzeit mitmacht, lässt sogar den erfahrenen Politiker nur noch staunen. Weil die Südtiroler ihr im Autonomieabkommen von 1992 verbrieftes Recht der Zweisprachigkeit in Anspruch nehmen, entwickelte sich jetzt in Rom ein politisches Sommertheater mit viel Spektakel. Die Südtiroler sind mehrheitlich der Ansicht, ihre Dörfer, Städte, Äcker und Wälder mit den geschichtlich gewachsenen deutschen Namen auch auf Wegweisern oder in Landkarten erscheinen lassen zu können – und zwar nur auf Deutsch. Und genau daran hat sich der bitterböse Streit entzündet.

Zwar sei es in Ordnung, so Durnwalder, wenn Hinweise etwa auf Krankenhäuser oder Polizeistationen auch in italienischer Sprache angebracht würden. Allerdings kennt er bei den historisch entwickelten Bezeichnungen kein Pardon: Die örtliche Bevölkerung muss seiner Auffassung nach über die Benennungen entscheiden – und die spreche im Gegensatz zum restlichen Italien nun einmal Deutsch. Damit will sich Rom überhaupt nicht abfinden und demonstriert Macht gegenüber den Aufständischen vom Norden – bis hin zur offenen Drohung. Die kam dieser Tage in Gestalt des italienischen Regionalministers Raffaele Fitto daher. Kurz und bündig machte er den unbequemen Bergbewohnern klar: »Sollten deutsche Schilder aufgestellt werden, kommt die Armee und ersetzt sie durch italienische!« Durnwalder nimmt’s gelassen und glaubt, die Schilder würden höchstens eine Nacht überstehen und dann in Windeseile von den Bewohnern Südtirols wieder entfernt. Da könne die Armee auch nichts gegen unternehmen.

Aber bevor es zum »Bürgerkrieg« zwischen Rom und Bozen kommt, setzen beide Seiten noch immer auf Verhandlungen. Sollten diese allerdings scheitern, will Durnwalder die Südtiroler »Schutzmacht« Österreich anrufen. Denn dazu wurde die Republik im Autonomieabkommen ernannt.

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