Toter Agent in London: Beginnt jetzt das Vertuschen?
Udo Schulze
Im Fall des toten Agenten vom britischen Geheimdienst MI6 beginnt jetzt langsam die bei solchen Ereignissen einsetzende Vertuschungsmaschinerie ihr Werk. Die zerstückelte Leiche des Mannes wurde in dessen Wohnung in einer Tasche gefunden. Nun soll es sich plötzlich um einen »autoerotischen Unfall« gehandelt haben.
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Eine fürwahr bizarre Annahme, die von Scotland Yard wenige Tage nach dem Tod des Agenten verbreitet wurde. Innerhalb der Wohnung habe man Fesselungswerkzeuge gefunden, hieß es jetzt. Doch warum der Tote dann zerstückelt war, vermochte die Polizei nicht sagen zu können. Solche »autoerotischen Unfälle« kommen in Kreisen von Geheimdienstlern und anderen Dunkelmännern auffallend häufig vor. Und zwar immer dann, wenn der mysteriöse Tod einer noch mysteriöseren Person erklärt werden muss. Inzwischen haben die Behörden auch der Öffentlichkeit die Identifikation des Mannes mitgeteilt. Demnach handelte es sich um den 31 Jahre alten Codierungs- und Dechchiffrier-Experten Gareth Williams, also einem Mitarbeiter vom MI6, der sich um Ver- und Entschlüsselungen geheimer Informationen kümmerte.
Dieser Bereich gilt bei jedem Geheimdienst als hoch sensibel. Ganz vorsichtig wiesen Ermittler von Scotland Yard jetzt darauf hin, dass die in der Wohnung des Toten aufgefundenen Fesselungswerkzeuge auch abgelegt worden sein könnten, um die Polizei auf eine falsche Spur zu locken. Denn Strangulierungsspuren wurden an dem Leichnam bisher nicht gefunden. Ominös sind auch die Verbindungen des Agenten zum US-Geheimdienst National Security Agency. Die Agentur ist weitaus größer und finanziell besser ausgestattet als die CIA, die US-amerikanische Operationen im Ausland übernimmt. Die NSA ist zuständig für die weltweite Überwachung und Entschlüsselung elektronischer Kommunikation und klinkt sich somit auch ins deutsche Telefonn
etz sowie Internet ein. Der Brite war wiederholt zu mehrwöchigen Aufenthalten in den USA, um in Washington die NSA zu besuchen, um die dortigen Behörden im Kampf gegen al Kaida zu unterstützen. Welche Aufgaben ihm dort zufielen, ist bislang nur teilweise bekannt.
Erst vor Wenigen Wochen soll er wieder dort gewesen sein und sich in der Zentrale in Baltimore aufgehalten haben. Offensichtlich überwachte er von dort aus Taliban-Kommandeure bei ihren Gesprächen untereinander. Einen Raubmord an Williams schließt die Polizei inzwischen aus. In der Wohnung des begeisterten Radrennfahrers wurden mehrere Briefumschläge mit insgesamt 24.000 britische Pfund (etwa 29.400 Euro) gefunden.
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