Saturday, 27. August 2016
23.08.2010
 
 

Der Händler des Todes – Waffenhändler Victor Bout wurde von der CIA gedeckt

Udo Ulfkotte

Er flog für die Taliban. Er bewaffnete Al Qaida: Victor Bout, der berüchtigtste Waffenhändler der Welt, plünderte einst die Arsenale der Roten Armee und belieferte die Bürgerkriegsgebiete in Asien und Afrika. Jetzt liefert ihn Thailand an die Vereinigten Staaten aus. Was viele nicht wissen: Die CIA hat ihn über viele Jahre hin geschützt.

Seit den Achtzigerjahren sieht sich die CIA verstärkt einer Form der Erpressung ausgesetzt, die man in ihren Reihen »Graymail« nennt: Ein Waffenhändler, der vorgibt, Patriot zu sein, bietet der CIA seine Dienste an, weil er angeblich die bösen Buben unter den Waffenhändlern von den »ehrenhaften« Geschäftsleuten trennen möchte. Daraufhin liefert er die eine oder andere Information über vermeintliche illegale Waffengeschäfte, die jedoch die CIA nie auf eine heiße Spur führen, da es die Geschäfte in der Realität gar nicht gibt. In Wahrheit sehnt sich der Waffenhändler nur nach einem »Freifahrschein« der CIA: Fliegt er selbst mit einem illegalen Geschäft auf, weil er Waffen an ein Land liefert, über das ein Embargo verhängt wurde, kann er stets behaupten, für die CIA gearbeitet zu haben. Sein Einsatzoffizier bei der CIA habe ihm »grünes Licht» gegeben. So kommt der Waffenhändler ungeschoren davon, weil Einsatzoffiziere in den meisten Fällen nicht vor Gericht aussagen dürfen. Sie wären damit enttarnt.

Solche »Graymails« der CIA ziehen sich bis heute um den Globus und sind nicht nur beim amerikanischen Geheimdienst ein ernst zu nehmendes Problem. Einer dieser Waffenhändler ist Victor Bout, ein früherer russischer Offizier, der in Angola diente und bis in die jüngste Gegenwart eine der größten privaten Frachtflotten der Welt betreibt. Zu seinen Chartergesellschaften gehört die Air Cess, an der auch der russische Auslandsgeheimdienst SWR (Sluschba Wneschnei Raswedki) beteiligt ist. Sie wurde 1996 in Belgien mit Sitz in Monrovia (Liberia) gegründet. Bout liefert Waffen in alle Welt, in den Iran, nach Liberia, Angola, Sierra Leone, in den Irak, nach Serbien. Seine Maschinen starten vom Flugplatz Shajrah in den Vereinigten Arabischen Emiraten, vom Flughafen Burga in Bulgarien und von Dubai aus. Bout unterhält auch Beziehungen zu Bin Laden – und hat diesem Waffen geliefert. All das war der CIA lange bekannt. Doch erst am 26. April 2005 stellte das amerikanische Außenministerium eine Mitteilung ins Internet, die ihn wegen des Verstoßes gegen Sanktionen brandmarkte. Bis dahin hatte man nichts gegen die Frachtflüge unternommen. In der Mitteilung heißt es, Bout habe allein durch Waffengeschäfte mit den Taliban etwa 50 Millionen Dollar verdient. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Sergej und zwei Managern von Air Cess, Serguei Denissenko and Valeriy Naydo, wird Bout namentlich in der Mitteilung genannt, die es fortan jedem amerikanischen Staatsbürger untersagt, Geschäfte mit ihm zu machen. Über Jahre hin aber soll Bout verdeckt für die CIA gearbeitet haben. Ob es sich dabei um eine »Graymail« genannte »Versicherungspolice« handelte, wird wohl erst in einigen Jahren bekannt werden.

Eines aber bleibt merkwürdig. Bout half dem liberianischen Diktator Charles Taylor mit Frachtflügen, arbeitete im Auftrag des Al-Qaida-Führers Bin Laden und für die Taliban, seine Maschinen transportierten nachweislich Waffen für die Terrorgruppe Abu Sayyaf auf den Philippinen, sie waren im Einsatz für die Nordallianz in Afghanistan und flogen für die Guerilla der United Front in Sierra Leone, die das Land jahrelang in einen Bürgerkrieg verwickelte. Und, wie schon gesagt, wurden erst am 26. April 2005 Bouts Konten in den Vereinigten Staaten eingefroren. Dennoch konnte der Waffenhändler unter Aufsicht der Amerikaner weiterarbeiten: Von einem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt im Norden des Irak flog eine seiner Frachtfluggesellschaften namens »Irbis« (registriert in Kasachstan) noch im Sommer 2005. War Victor Bout unter der Clinton-Administration ein Topziel gewesen, änderte sich mit dem Amtsantritt von George W. Bush und seiner nationalen Sicherheitsberaterin Condolezza Rice nicht die Beobachtung, aber die Zielsetzung. »Hinschauen und zuhören, aber nicht eingreifen« war fortan die Devise. Und das, obwohl Bout von Interpol ebenso wie von den belgischen und französischen Behörden gesucht wurde. Allein 2004 landeten Flugzeuge der Bout-Frachtgesellschaft »Irbis« 142-mal im Irak und tankten bei der amerikanischen Armee für 534.383 Dollar Kerosin. Eine Ilyuschin IL-18 transportierte regelmäßig für die Amerikaner Militärgerät in den Irak. Im Sommer 2005 war ein Ende dieser geheimnisvollen Zusammenarbeit mit dem weltweit gesuchten Hintermann von Waffenschmuggel und Menschenhandel noch nicht abzusehen. Am 17. Juni bestätigte der Flughafen Sharjah International, dass »Irbis« auch weiterhin täglich zur amerikanischen Bagram Airbase in Afghanistan fliege. Morgens um 6.40 Uhr Ortszeit lande »Irbis Air« Flug Nummer BIS-6345 und um 9.00 Uhr starte die Maschine unter der Flugnummer BIS-6355 wieder nach Bagram. Interessanterweise werden die Irbis-Flüge von Dubai nach Kabul als Flüge der Royal Air Brunei getarnt. Der internationale Code von »Irbis« ist BIS, während Royal Brunei BI hat.

Schaut man sich einmal die Flughäfen Sharjah und Dubai an einem durchschnittlichen Tag an, dann wird schnell ersichtlich, wie gewaltig die für Victor Bout tätige Flotte trotz offiziellen Verbotes weiterhin ist. So landeten am 23. Mai in Sharjah die folgenden zu Bout gehörenden Flüge: 9.00 Uhr TEB1102 aus Kabul („Tenir Airlines“), 15.00 PHW051 aus Hyderabad (Phoenix Avn), 15.45 Uhr TKY118 aus Bagdad („Thai Sky“), 16.00 Uhr AWZ202 aus Khartum (Airwest/East West Cargo), 18.00 Uhr RQ005 aus Kabul (Kam Air). Zugleich starteten an jenem Tag aus Sharjah: 0.30 Uhr AWZ201 nach Khartum, 01.13 Uhr P1019 nach Dubai, 01.19 Uhr BIS6331 nach Riyan Mukalla (Irbis Air), 02.00 Uhr GFG971 nach Bagdad (Georgian National), 03.30 Uhr CGK4365 nach Bagdad, 04.00 Uhr CGK4367 nach Bagdad, 04.30 Uhr CGK717 nach Bagdad, 04.30 Uhr CGK913 nach Bagdad, 05.00 Uhr CGK4371 nach Bagdad.

Einen Tag später am 24. Mai das gleiche Bild, in Sharjah, eingehende Flüge der zu Bout gehörenden Airlines: 10.00 Uhr CGK4366 aus Bagdad, 10.30 Uhr CGK4368 aus Bagdad, 11.30 Uhr CGK4372 aus Bagdad, 12.30 Uhr TXC4163 aus Frankfurt (Transaviaexport), 12.45 Uhr AWZ336 aus Khartum (Airwest), 13.30 Uhr CGK718 aus Bagdad, 14.00 Uhr CGK914 aus Bagdad, 16.00 Uhr PHW005 aus Dubai, 18.00 Uhr AWZ017 aus Frankfurt, 20.30 Uhr PHW786 aus Dubai. Abgehende Flüge der zu Bout gehörenden Gesellschaften in Sharjah am gleichen Tag: 00.30 Uhr AWZ201 nach Khartum, 01.00 Uhr TEB1101 nach Kabul, 03.20 Uhr TXC4162 nach Kandahar und 23.30 Uhr TXC4163 nach Frankfurt. Man kann solche Listen nicht nur für Sharjah oder Dubai erstellen. Mit Hilfe des Internets sieht man schnell, dass Bouts Frachtflieger weltweit im Einsatz sind. Es bedarf weniger Mausklicks, um Flugpläne, Flugnummern und Namen von Bouts Frachtgesellschaften einander zuzuordnen. Man darf annehmen, dass amerikanische Dienste über Internetzugänge verfügen. Entweder wollten sie diese Flugbewegungen nicht sehen, oder sie schauten bewusst weg.

Der als »Händler des Todes« bekannte mutmaßliche russische Waffenschmuggler Victor Bout soll nun von Thailand aus, wo er inhaftiert wurde, an die USA ausgeliefert werden. Dies entschied am Freitag ein Berufungsgericht in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Eine erste Instanz hatte seine Überstellung in die USA noch abgelehnt.

Bouts Leben lieferte schon viel Filmstoff für Hollywood. Sein Leben diente als Vorlage für den Hollywood-Film »Lord of War - Händler des Todes« mit Nicolas Cage in der Hauptrolle. Für eine Szene mietete die Filmcrew im Jahr 2005 eine Antonow an. Später stellte sich heraus: Das Flugzeug stammte tatsächlich aus den Beständen von Victor Bout.

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