Die Wahrheit: Ein Mohammed-Film, die USA und die Wut der arabischen Welt
Udo Ulfkotte
In unseren Medien wird die Welle der Wut über einen Mohammed-Film so dargestellt, als ob der Zorn der in ihren religiösen Empfindungen tief beleidigten Menschen ein plötzlich und unerwartet eintretendes Ereignis gewesen sei. Die Wahrheit ist spannender als der langweilige Mohammed-Film. Lesen Sie, wie wir alle von den großen Medien desinformiert werden. Und prüfen Sie es Mausklick für Mausklick nach.

Man muss den kurzen Mohammed-Film, über den sich derzeit so viele Muslime erregen, nicht wirklich gesehen haben. Er ist schon einige Monate alt und sorgte in seiner ursprünglichen englischen Originalfassung nicht für Aufsehen. Der Informationsdienst Kopp Exklusiv hat frühzeitig über den Film berichtet, der von einem Kopten hergestellt wurde. Erst als vor wenigen Tagen eine
arabische Übersetzung der englischen Dialoge im Internet auftauchte, brachen die Proteste los. Interessant ist nicht der Film, sondern die Verlogenheit ALLER Seiten im Zusammenhang mit den Aufmärschen von Muslimen gegen den Film.
In Ägypten äußerte sich die dort regierende Muslimbruderschaft in ihrem englischsprachigen Twitter-Feed glücklich darüber, dass es bei den Versuchen einer Erstürmung der amerikanischen Botschaft in Kairo bislang keine Toten gegeben habe. Die Muslimbruderschaft dachte wohl, dass Journalisten und die Amerikaner sich nicht die Mühe machen, auch die arabischen Twitter-Feeds dieser in Kairo herrschenden Organisation zu lesen. Denn in den arabischen Texten ermunterte die Muslimbruderschaft die Ägypter zur Erstürmung der US-Botschaft, um die Beleidigung Mohammeds zu rächen. Genauso verlogen war es in Libyen, wo US-Botschafter Chris Stevens und weitere US-Diplomaten ermordet wurden. Die neue libysche Regierung zeigte sich angeblich völlig empört. Der stellvertretende libysche Ministerpräsident Mustafa Abu Schagur veröffentlichte auf Twitter, seine Regierung sei von den Ereignissen völlig überrascht worden. Der Mann ist offenkundig ein begnadeter Lügner. Immerhin waren es seine Leute, die den US-Botschafter Chris Stevens erst vor dem Mob »in Sicherheit« brachten – und dem Mob dann verrieten, wo sie ihn ermorden konnten. Das ist jetzt offiziell bestätigt.
Die Ägypter und die Libyer haben nach den Mohammedaner-Aufmärschen also gelogen, dass sich die Balken biegen. Und die USA? Sie waren vorgewarnt. Sie wussten seit mehreren Tagen, dass die Erstürmungen ihrer Botschaften geplant waren. Die Geheimdienste hatten Washington am 4. September 2012 darüber unterrichtet. Und was unternahm die US-Regierung? Nichts.
In Wahrheit geht es hinter den Kulissen nicht etwa um einen Mohammed-kritischen Film. In Wahrheit geht es um
Rache für Abu Yahya al-Libi. Wer das ist? Der Mann war die Nummer zwei im Terrornetzwerk al-Qaida und wurde im Juni 2012 von der CIA mithilfe einer Drohne in Pakistan getötet. Erst am 11. September 2012 gestand die Terrorgruppe die Tötung ihres Führers öffentlich ein - und kündigte sofortige Rache an. Die ganze Aufregung um den Mohammed-Film ist nur der Vorwand für diese Rache. Der getötete Libyer war einer jener wichtigen radikalen Kämpfer, die erst in Libyen und Ägypten und derzeit auch in Syrien die Regime herausforderten und dann die Umstürze vorbereiteten. Die USA hatten ja in Libyen, Ägypten und auch in Syrien islamistische Mörderbanden unterstützt, um ihre machtpolitischen Ziele dort durchzusetzen. Die Zeitung Times of Asia fragt nicht zu Unrecht, wen die USA nun in der arabischen Welt mit Drohnen töten wollen, um die Erstürmungen der Botschaften zu rächen. Die Revolution frisst nun in der arabischen Welt ihre Kinder. Die Mörderbanden, welche vom Westen in der arabischen Welt hofiert wurden, geraten außer Kontrolle. Die USA wollen jetzt erst einmal eine ganze Armee von Drohnen nach Libyen schicken, um die Angreifer der Botschaften zu identifizieren und dann zu töten. Vielleicht können sie sich den ganzen Aufwand sparen und beginnen am Anfang dieses Stücks. In Ägypten hat die Muslimbruderschaft die Erstürmung der Botschaft unterstützt und in Libyen die libysche Regierung. Die führenden Hintermänner werden allerdings ganz sicher nicht zur Rechenschaft gezogen. Im Gegenteil: Die Ägypter bekommen jetzt erst einmal 1,7 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) bilaterale Hilfe aus den USA. Wie viel die Libyer bekommen werden, das sollte der ermordete Botschafter Chris Stevens bei diplomatischen Gesprächen aushandeln. Ein neuer Botschafter wird kommen und die Gespräche fortsetzen. Man nennt das Realpolitik. Und die Menschenmassen da draußen werden wie Schachfiguren auf einem Schachbrett weiterhin als Staffage für ein mieses Theaterstück missbraucht. Der Mob wird weiter marodierend durch die Straßen ziehen. Das alles geschieht im Namen der neuen Weltordnung.
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