Tuesday, 31. May 2016
15.11.2008
 
 

Frankreich: Vom »Schmelztiegel der Nationen« zum Schmelztiegel der Ängste

Udo Ulfkotte

Frankreich versteht sich traditionell als Einwanderungsland. Über viele Jahrzehnte galt Frankreich als »Schmelztiegel der Kulturen«. Und heute? Buhrufe und Pfiffe – die provoziert Frankreich inzwischen mit dem Abspielen der französischen Nationalhymne im eigenen Land, wenn arabischstämmige Franzosen in der Nähe sind. Die Zahl der gewalttätigen Übergriffe arabischstämmiger Franzosen auf ethnische Franzosen steigt: Und immer mehr Zuwanderer gehen vor Gericht, weil sie ihre französischen Namen wieder loswerden wollen. Viele Zuwanderer wollen sich nicht in den Schmelztiegel der Kulturen integrieren. Das erleben die Franzosen immer brutaler.

Der 14. Oktober 2008 hat sich den Franzosen tief ins Gedächtnis eingeprägt. Da spielten in Paris St. Denis im Fußballstadion Stade de France die französische und die tunesische Nationalmannschaft gegeneinander. Doch was als Freundschaftsspiel gedacht war, wurde zu einem Bekenntnis des Hasses. Statt ehrvollen Schweigens beim Abspielen der franzsösischen Nationalhymne Marseillaise erntete die französische Nation zehntausendfache Buhrufe. Von den 60.000 Zuschauern – die meisten von ihnen waren Zuwanderer aus Nordafrika – erschall ein demütigendes Konzert von Pfiffen, das ihrer Verachtung für die französische Nation Ausdruck verleihen sollte.

Das Stade des France war an diesem Tag fest in muslimischer Hand. Im Internet gibt es viele Videos, die die skandalösen Ereignisse dokumentieren. Ausgepfiffen wurden nicht nur die ethnischen Franzosen – die Schmähungen galten auch all jenen, die sich in Frankreich als Zuwanderer integrieren. Eine französische Sängerin muslimischer Herkunft, die die Marseillaise ins Mikrofon schmetterte, und islamisch verhüllt auftrat, wurde ebenfalls ausgepfiffen. Und auch die vielen aus arabischen Staaten stammenden französischen Nationalspieler – wie Hatem Ben Arfa, Sohn tunesischer Einwanderer, die sich integrieren, waren das Opfer der demütigenden Attacken.

Wer aber waren jene, die Frankreich so tief zu demütigen suchten? Es waren die Kinder tunesischer und anderer nordafrikanischer Einwanderer, die sich zwar vom französischen Staat aufnehmen, ausbilden und aushalten lassen, die Symbole der neuen Heimat ihrer Familien aber zutiefst verachten. Es waren die Jugendlichen aus inzwischen mehr als 700 offiziell als »Problemzonen« eingestuften französischen Wohngebieten, in denen die Kinder von Einwanderern die Macht zu übernehmen suchen und die französische Staatsgewalt nicht mehr akzeptieren wollen. Präsident Sarkozy war nach dem Fußballspiel entsetzt. Dabei ist das alles nicht neu. Und es ist selten, dass deutschsprachige Zeitungen über den sich abzeichnenden Bürgerkrieg in Frankreich berichten. »Raufereien mit Trikolore« hieß etwa 2004 ein Bericht der Zeit über den immer brutaler werdenden Straßenkrieg in Frankreich, zu dem inzwischen auch Bombenanschläge gehören.

Der französische Einwanderungsminister Brice Hortefeux sagte nun Anfang November 2008 auf dem EU-Gipfel in Vichy: »Unserer Integrationspolitik geht die Luft aus. Alle Länder Europas sind betroffen (…) In Frankreich sind alle Probleme an der Peripherie der Städte konzentriert, … doch diese urbane Form der Segregation existiert überall. Sie beeinträchtigt das Zusammenleben und ist ein Nährboden der Gewalt.« Das alles ist keine blanke Theorie. Tag für Tag werfen die Kinder zugewanderter Migranten etwa in den Vorstädten Brandbomben auf Busse – und manchmal wollen sie, so wie im Oktober 2008, damit nur ins Fernsehen kommen. Auch der EU-Gipfel von Vichy war von Gewaltorgien umgeben – nur britische Zeitungen dokumentierten die Gewaltorgien junger Zuwanderer und ihrer Unterstützer.

Auch der amerikanische Schauspieler John Travolta konnte sich in der ersten Oktoberwoche 2008 ein persönliches Bild von den Zuständen in den französischen Vorstädten (Banlieus) machen: Die Dreharbeiten mit John Travolta für den Film From Paris with Love in einem Pariser Vorort mussten eingestellt werden. Die Produktionsfirma hatte sich dazu entschlossen, nachdem junge Mitbürger gleich zehn Autos des Teams in dem Drehort Montfermeil (einem Vorort von Paris) in Brand gesteckt hatten, berichtete die Zeitung Le Parisien.

Nicht nur Präsident Sarkozy sieht die bisherige Integrationspolitik also inzwischen auf dem Trümmerhaufen der Geschichte. Spätestens seit den schweren Moslem-Unruhen in Frankreich im Jahre 2005 haben die ethnischen Franzosen Angst vor neuen Wellen der Gewalt ihrer zugewanderten Mitbürger. Wegen der zunehmenden antisemitischen Übergriffe fordert Israel die französischen Juden inzwischen immer lauter zum Auswandern auf. Und die Polizeiführung reagiert auf die neuen Gefahrensituationen mit Ausgangssperren – wie man sie inzwischen auch aus vielen anderen europäischen Ländern für junge Zuwanderer kennt; nur die deutschsprachigen Medien verschweigen das desinteressiert und blicken weg.

In diesen Tagen erfahren die Franzosen auch noch schmerzvoll, dass alle bisherigen Integrationsbemühungen des Präsidenten Sarkozy gescheitert sind. Die Zuwanderer buhen die Franzosen nicht nur bei Länderspielen demütigend aus, sie geben auch ihre französischen Vornamen zurück. Viele nordafrikanische Einwanderer hatten ihren Kindern in Frankreich zum Zeichen ihres Integrationswillens französische Vornamen gegeben. So heißen nicht wenige Einwandererkinder heute Louis, Laurent oder Marie.  Und die melden sich nun in immer größerer Zahl bei den französischen Behörden und wollen stattdessen Mohammed, Abdel oder Noor heißen. Nach französischem Recht kann man einen Vornamen nur mit richterlicher Genehmigung ändern lassen. Und seit 1992 gibt es – ähnlich wie in Deutschland – eine Liste mit französischen Vornamen. Die Richter weisen solche Ansinnen auf Umbenennung in einen arabischen Vornamen häufig verärgert zurück, weil die »Rückgabe« französischer Vornamen aus ihrer Sicht auch eine Zurückweisung der Integration ist.

Beispiel Nadine: Die algerischstämmige Frau ist eine Mitvierzigerin und hieß Zoubida, bevor sie die französische Staatsbürgerschaft annahm und zugleich auch einen französischen Vornamen. Sie sagte dem Richter, sie wolle »zu den Wurzeln ihrer Familie« zurückkehren. Doch der Richter befand, man könne einen Namen nicht nach Laune wechseln. Und so heißt Nadine weiterhin Nadine, möchte eigentlich Zoubida genannt werden und verspürt einen  wachsenden Hass auf Frankreich. Und Nadina alias Zoubida ist nicht die einzige.

Wie auch in Deutschland, wo die Kinder von Zuwanderern »zum Spaß« inzwischen selbst Polizisten immer öfter in Hinterhalte locken (in Köln und in Bremen wollten junge Zuwanderer unlängst Polizisten ermorden), ziehen auch in Frankreich immer öfter hasserfüllte junge Zuwanderer mit »Allah-u Akhbar«-Rufen vor die Polizeiwachen und fordern die Sicherheitskräfte zu Straßenschlachten heraus – unlängst etwa in Romans-sur-Isere.

Zunehmend bedroht werden jedoch auch französische Unternehmen, die bezichtigt werden, eine »diskriminierende« Haltung gegenüber Zuwanderern einzunehmen. Vielen Unternehmern wirft man vor, den Islam zu »beleidigen«, weil diese weiterhin kapitalistisch orientiert seien und keine Kenntnis vom Wirtschaftsmanagement des Kaufmannes Mohammed hätten. Allen Ernstes bietet ein Islamisches Pädagogik-Zentrum inzwischen Management-Kurse nach den Lehren des Feldherren, Kaufmannes und »Propheten« Mohammed an. Die Unterrichtseinheiten umfassen:

- Arabisch-Kurse (Anfänger und Fortgeschrittene)

- Islamische Bildung (Koran, Sunna und Hadithen)

Dort werden nun die »Management-Qualitäten« des Islam-Begründers und Kaufmannes Mohammed, basierend auf seinem Wissen aus dem 7. Jahrhundert, gelehrt. Der Kurs heißt »Prophetisches Management«:

Datum: Samstag, 18. Oktober 2008 bis Samstag, 28. März 2009
14h30 – 15h30 14.30 – 15.30 Uhr

 

Kategorie: Bildung

 

Land: Frankreich

 

Ort: IKSR (Zentrum PSM), 11-13 Avenue de la Republik, 69200 Venissieux

 

Seminare wie dieses und das neue Handbuch Der Koran für Manager sollen Ängste zwischen den Bevölkerungsgruppen abbauen helfen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Noch im Februar 2008 hatte Präsident Sarkozy in einer grandiosen Rede das Ende der Gewalt in den Vorstädten angekündigt. Neue U-Bahnen, neue Busse, neue Häuser, bessere Ausbildung, höhere Achtung gegenüber den Einwanderern – so lautete das Versprechen, um die sich abkapselnden Zuwanderer aus der Isolation zu holen. Sarkozy wollte die Einwanderer-Gangs bekämpfen, den Rauschgifthandel der Zuwanderer unterbinden – und hoffte auf die Achtung und nationale Einheit. Mit den demütigenden Buhrufen beim tunesisch-französischen Länderspiel und den fortgesetzten Angriffen auf ethnische Franzosen ist dieser Traum inzwischen ausgeträumt. Ernüchterung kehrt ein. Was bleibt, ist die wachsende Angst, die immer mehr ethnische Franzosen nicht eben rosig in die Zukunft blicken lässt.

Die größte Angst haben Frauen, denn es häufen sich die Fälle, bei denen ganze Jugend-Gangs aus den Vorstädten Frauen vergewaltigen, nur weil diese ihnen zu westlich gekleidet erscheinen. Samira Bellil, deren Vorfahren aus Algerien stammen, ist eine der vielen Opfer. Sie hat ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben. Das Time Magazine hat den Gruppen-Vergewaltigungen durch junge Moslems in Frankreich schon 2002 eine große Geschichte gewidmet. Die Lage ist seither erheblich schlimmer geworden. Wie üblich liest man darüber nichts in deutschsprachigen Medien. Die »Schwestern der Hölle« überschrieb das Time Magazine den Bericht.  Aber aus der »Hölle« berichten deutschsprachige Journalisten dann doch lieber nicht – da gibt es ja keine Presseerklärungen, die man einfach so abschreiben könnte …

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Frankreich: Vom 15. Dezember an Überwachung sozialer Brennpunkte mit Drohnen

Udo Ulfkotte

Vor zwei Jahren hatte die französische Regierung den Ausnahmezustand verhängt, nachdem muslimische Jugendliche in den Banlieus genannten Vorstädten tausende Fahrzeuge angezündet, Geschäfte geplündert und Menschen angegriffen hatten.  mehr …

Frankreich: Präsident Sarkozy zieht über die Muslime Europas her …

Udo Ulfkotte

Der französische Staatspräsident Sarkozy gibt sich gern weltoffen und tolerant, manchmal besucht er gar "multikulturelle" Stadtteile, in denen eine integrationsunwillige Unterschicht muslimischer Zuwanderer lebt. Bei einem Treffen mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Frederik Reinfeldt in Paris ließ Präsident Sarkozy keinen Zweifel  mehr …

Niederlande: Die Angst der Bürgermeister vor den Marokkanern

Udo Ulfkotte

Stellen Sie sich vor, die Bürgermeister von 23 deutschen Städten würden von der Bundesregierung ein härteres Vorgehen gegen kriminelle Jugendliche nur einer ethnischen Minderheit fordern. Die deutschen Bürgermeister würden mit Sicherheit sofort zu Rassisten deklariert und aus dem Amt gejagt. In den Niederlanden haben sich nun 23 Bürgermeister an  mehr …

Niederlande: Ausgangssperren für junge Marokkaner in der Stadt Ede

Udo Ulfkotte

Überall im europäischen Kulturkreis wachsen die Probleme mit einem Teil jener jungen Migranten, die aus dem islamischen Kulturkreis zugewandert sind. Raubüberfälle, Plünderungen und Landfriedensbruch sind an der Tagesordnung. In den Niederlanden hat nun schon die zweite Stadt Ausgangssperren für kriminelle junge Marokkaner angeordnet. Deutsche  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Geheimakte Dänemark: Warum immer mehr Dänen aus den Städten fliehen

Udo Ulfkotte

Große dänische Zeitungen haben in den vergangenen Wochen über immer neue bürgerkriegsartige Zustände vor allem in Kopenhagen und der zweitgrößten Stadt des Landes, Aarhus, berichtet. Junge Zuwanderer tyrannisieren die Einwohner und liefern sich Schlachten mit der Polizei. Die Immobilienpreise verfallen – und die Zuwanderer marschieren in den  mehr …

Niederlande: Die Angst der Bürgermeister vor den Marokkanern

Udo Ulfkotte

Stellen Sie sich vor, die Bürgermeister von 23 deutschen Städten würden von der Bundesregierung ein härteres Vorgehen gegen kriminelle Jugendliche nur einer ethnischen Minderheit fordern. Die deutschen Bürgermeister würden mit Sicherheit sofort zu Rassisten deklariert und aus dem Amt gejagt. In den Niederlanden haben sich nun 23 Bürgermeister an  mehr …

Frankreich: Präsident Sarkozy zieht über die Muslime Europas her …

Udo Ulfkotte

Der französische Staatspräsident Sarkozy gibt sich gern weltoffen und tolerant, manchmal besucht er gar "multikulturelle" Stadtteile, in denen eine integrationsunwillige Unterschicht muslimischer Zuwanderer lebt. Bei einem Treffen mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Frederik Reinfeldt in Paris ließ Präsident Sarkozy keinen Zweifel  mehr …

Deutschland: Die Vorboten eines drohenden Bürgerkrieges?

Udo Ulfkotte

In Bad Sooden-Allendorf überfallen »Südländer« zum Spaße die Besucher eines christlichen Volksfestes – die Polizei spricht von einer neuen Dimension der Gewalt. In Köln prügeln mutmaßliche türkische Mitbürger einen der extrem rechten Gruppe »Pro-Köln« angehörenden Stadtratsverordneten in einer Fußgängerzone am hellichten Tage ins Koma. Es handelt  mehr …

Frankreich: Vom 15. Dezember an Überwachung sozialer Brennpunkte mit Drohnen

Udo Ulfkotte

Vor zwei Jahren hatte die französische Regierung den Ausnahmezustand verhängt, nachdem muslimische Jugendliche in den Banlieus genannten Vorstädten tausende Fahrzeuge angezündet, Geschäfte geplündert und Menschen angegriffen hatten.  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.