Monday, 26. September 2016
31.01.2011
 
 

Generation Null: Vom Normalbürger zum Wutbürger

Udo Ulfkotte

Überall in Europa freuen sich Medienvertreter in diesen Tagen über die Revolutionen in Nordafrika. Man begrüßt die Tage des Zorns und liefert in allen Gazetten gleich einleuchtende Erklärungen für die Umsturzversuche mit: soziale Probleme, hohe Arbeitslosigkeit und eine Jugend ohne Perspektive. Und die Analysen der Journalisten enden häufig mit den Worten: Genug Probleme für eine Revolution. Dummerweise verdrängen jene, die aus ihren europäischen Schreibstuben über die grassierende Unzufriedenheit der jungen Menschen in Nordafrika (und jetzt auch Indien) berichten, dass die Lage vor unseren europäischen Haustüren keinen Deut besser ist.

Spanische Jugendliche trifft die Wirtschaftskrise in diesen Monaten besonders schlimm. 44 Prozent der spanischen Jugendlichen sind derzeit arbeitslos (Tendenz steigend). Doppelt so hoch wie der EU-Schnitt ist die Arbeitslosigkeit der 16- bis 25-Jährigen in Spanien. »Generation Null« wurde die spanische Jugend gerade erst von der Tageszeitung El País getauft, weil sie »null Arbeitschancen« hat. Gerade erst wunderten sich österreichische Beobachter, dass es in Spanien noch keine erkennbaren Massenaufstände arbeitsloser Jugendlicher gibt. Die hat es allerdings vor einem Monat auch in Nordafrika noch nicht gegeben. Und dort ist die Jugendarbeitslosigkeit nicht höher (sondern niedriger) als in Spanien.

In Slowenien sind 35 Prozent der 15 bis 24 Jahre alten Jugendlichen arbeitslos, in Griechenland etwa 33 Prozent, in Irland 30 Prozent, in Frankreich und Italien jeweils 27 Prozent. Das alles sind die offiziellen Zahlen – die Realität sieht noch weitaus schlimmer aus. Eine OECD-Studie aus dem Jahre 2010, die der Frage nachgehen sollte, wie man diese arbeitslosen Jugendlichen davon abhalten könnte, mit gewaltsamen Ausschreitungen auf sich aufmerksam zu machen, führt viele erschreckende Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit in Europa auf – nennt aber nicht eine einzige Handlungsempfehlung, mit der man massenweise Gewalt überall in Europa jetzt noch abwenden könnte (Studie von Stefano Scarpetta, Anne Sounet, Thomas Manfredi; Titel: Rising youth unemployment during the crisis – how to prevent negative long-term consequences on a generation).

Nicht nur in Frankreich wird ein Funke genügen, um das, was derzeit in Nordafrika passiert, auch vor die Haustüren der Franzosen zu katapultieren. Europäische Politiker haben in der Vergangenheit viel über die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit gesprochen – geändert hat sich nichts; außer, dass die Lage von Jahr zu Jahr schlimmer wird. In Großbritannien werden wohl bald schon in massen Familien auf den Straßen randalieren, von denen man das bis vor einigen Monaten nie erwartet hätte. Man muss nur die Augen aufmachen, um die Entwicklung abschätzen zu können.

Gehen wir noch einmal kurz zurück nach Nordafrika, unsere staatlichen Propagandakräfte der Deutschen Welle berichten: »Hohe Jugendarbeitslosigkeit, kaum Perspektiven, Angst vor der Zukunft und Frustration über die Regierung – diese Mischung treibt die Menschen in dem nordafrikanischen Land auf die Straßen.« Gibt es auch nur einen der vorgenannten Punkte, der nicht auf die in Massen arbeitslosen Jugendlichen in den EU-Staaten zutreffen würde? In Spanien und Griechenland ist die Jugendarbeitslosigkeit inzwischen weitaus höher als in Ländern wie Tunesien. Und in Griechenland kommen in Zusammenhang mit den Ägypten-Unruhen gerade Massen von unzufriedenen jungen Ägyptern an, die weiter wollen in Länder wie Deutschland, Österreich und die Schweiz. Darüber jedenfalls berichten jetzt griechische Zeitungen wie Katimerini.

Aber die Bundesregierung sorgt ja fleißig vor, damit wir keine nordafrikanischen Zustände in Europa bekommen: Wie die Londoner Zeitung Times während der Griechenland-Unruhen berichtete, lieferte Deutschland Tränen- und Kotzgas nach Griechenland, damit neue Aufstände schnell mit Gewalt niedergeschlagen werden können. Irgendwie verdrängen unsere Fachjournalisten, dass Tunesien, Ägypten und andere nordafrikanische Zustände sich gerade auch vor unseren Haustüren zusammenbrauen. Und wenn es knallt, dann werden alle völlig überrascht sein – wie im Falle Tunesiens. Wie also werden die Fachjournalisten sich verhalten, wenn genau das, was in Nordafrika passiert, in absehbarer Zeit auch in Europa passieren wird? Wird Angela Merkel dann mit einem Teil des Goldschatzes der Bundesbank ins Ausland fliehen? Vielleicht nach Saudi-Arabien, wo sie sich dann mit dem tunesischen Diktator über die »undankbare Jugend« auslassen und im Exil Goldstückchen zählen kann?

 

 


 

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