Großbritannien: Um die Statistik aufzupolieren sollen Polizisten bei Kriminalität öfter wegschauen
Udo Ulfkotte
In der westlichen Welt zählt das Erfolgsprinzip: Man steckt sich Ziele – und muss diese um jeden Preis erfüllen. In Großbritannien sollen Polizisten nun bei Kriminalität öfter mal wegschauen. Denn nur so kann das offiziell propagierte Ziel, die Kriminalitätsrate zu senken, noch erreicht werden ...
In Großbritannien will die Regierung Erfolge sehen. Weil sich steigende Kriminalitätszahlen im Wahlkampf schlecht machen und von der Opposition ausgeschlachtet werden könnten, hat man nun eine interne Dienstanweisung verbreitet, die allerdings nicht bei jedem Gesetzeshüter auf Beifall stößt: die Polizisten sollen vor allem bei Betrugsfällen und Fahrzeugdiebstählen nach Möglichkeit prüfen, ob man diese Delikte nicht auch als kleinere Vergehen einstufen kann – oder ganz wegschauen. Diese Dienstanweisung wurde aus Norwich bekannt – soll aber für das ganze Land Gültigkeit haben.
So soll im Falle von eingeschlagenen Fahrzeugscheiben nicht mehr geprüft werden, ob es etwa den Versuch eines Fahrzeugdiebstahls gegeben hat. Stattdessen werden die Gesetzeshüter dazu ermuntert, solche Fälle als ein strafrechtlich kleineres Übel einzustufen: Vandalismus. Ein Polizist teilte der Zeitung Telegraph mit, Straftaten, die nicht in die Statistik eingingen, gebe es offiziell nicht. Dieses Bild einer sinkenden Kriminalitätsrate solle öffentlich gezeichnet werden.
Auch bei Wohnungseinbrüchen solle kein Straftatbestand mehr aufgenommen werden, wenn zwar ein Fenster eingeschlagen, eine Tür aufgebrochen – aber nichts gestohlen worden sei, etwa, weil der Täter gestört wurde. Eine Polizeisprecherin sagte dazu, die schriftlichen Anweisungen seien eigentlich keine Anweisungen, sondern »Reflektionen«, die die Gesetzeshüter zum Nachdenken anregen sollten ...
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