Kauf Dir einen Griechen: Geheimdienstskandal erschüttert Athen
Udo Ulfkotte
Schmiergeld und Vetternwirtschaft gehören zu Griechenland wie die Akropolis zu Athen. Griechenland ist eben eines der korruptesten Länder Europas. Das ist nichts Besonderes. Doch nun ist die Korruption ganz weit oben angekommen – im griechischen Geheimdienst. Peinlicherweise wurden gerade jetzt auch noch viele Einzelheiten bekannt. In Brüssel ist man schockiert.

Es ist bekannt, dass die griechische Regierung seit einigen Monaten unter ausgewählten Regierungsmitgliedern jeden Monat tausend Feinunzen Gold in Münzform verteilt. Es ist ein Bestandteil des Gehalts, das in Krisenzeiten der Vorsorge dienen soll. Zu den Empfängern gehören auch die wichtigsten Vertreter des griechischen Geheimdienstes EYP. Doch einige konnten offenbar den Hals nicht voll genug bekommen. Ausgerechnet einige der für die Korruptionsbekämpfung
zuständigen griechischen Beamten der europäischen Anti-Betrugs-Behörde OLAF aus den Reihen des griechischen Geheimdienstes EYP haben nicht nur für OLAF und EYP, sondern auch noch für mehrere europäische Geheimdienste und für multinationale Konzerne gearbeitet. Im Klartext: Die griechischen Anti-Korruptionsbekämpfer waren korrupt.
Ein griechischer OLAF-Mitarbeiter, der zugleich auch einer der Leiter der griechischen Spionageabwehr war, wurde wegen Landesverrats vom Dienst suspendiert. Er ist nicht der einzige. Besonders brisant: Der Kopf der griechischen Verrätergruppe hatte nicht nur Zugang zu allen Geheimdienstunterlagen. Er hatte von der Brüsseler OLAF-Behörde auch einen Spionagekoffer zum Abhören von Mobiltelefonaten und Aufzeichnen von E-Mails und Faxen bekommen, den man an jedem Ort diskret einsetzen konnte. Die Verräter belauschten damit offenbar griechische Politiker und Unternehmen und verkauften die Erkenntnisse an Unternehmen und andere Geheimdienste. Wichtigster Abnehmer soll der britische Auslandsgeheimdienst MI6 gewesen sein. Auch die Besuche ranghoher EU-Politiker sollen von korrupten griechischen Geheimdienstmitarbeitern beobachtet und belauscht worden sein. Bei einer Durchsuchung des Büros des Leiters der griechischen OLAF-Behörde soll man geheime Verschlusssachen auf seinem Rechner gefunden haben, die er an den britischen Geheimdienst verschickt haben soll. Andere EYP-Mitarbeiter sollen geheime Informationen an ausländische Konzerne verkauft haben. Der Skandal macht deutlich, dass die Korruption in Griechenland nun in höchsten Geheimdienstkreisen vorzufinden ist. Ausländische Medien berichten bislang nicht über den Skandal, der das Land zusätzlich zur Wirtschaftskrise und dem drohenden Staatsbankrott erschüttert.
In Brüssel ist man nun nicht nur in den Reihen der Anti-Korruptionsbehörde wie gelähmt. Auch die EU weiß jetzt, dass möglicherweise viele streng vertrauliche Besprechungen abgehört wurden. Und man hat den Verdacht, dass die Erkenntnisse über die Briten an die Amerikaner weitergegeben wurden. Das Motto der britischen Wühlmäuse lautete offenbar: »Kauf dir einen Griechen!
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