Pleite-Griechen: Bürger als Laborratten der Banken
Udo Ulfkotte
Stellen Sie sich vor, Sie sind bankrott. Keiner gibt Ihnen mehr einen Kredit. Unsere Medien berichten derzeit Tag für Tag, wie pleite viele griechische Bürger sind. Sie verschweigen dabei allerdings, dass in Griechenland gerade ein völlig neues Finanzsystem erprobt wird, damit das Ponzi-Schema des ungedeckten Kapitalflusses doch noch eine Weile so weiterlaufen kann. Griechische Banken vergeben jetzt noch ganz schnell viele Pleite-Kredite an völlig bankrotte Pleite-Griechen. Sie haben richtig gelesen: Wer bankrott ist und seine Schulden garantiert nicht zurückzahlen kann, der bekommt jetzt ohne Sicherheiten Sonderkredite für die Rückzahlung von Schulden. Das macht aus Sicht der Banken durchaus Sinn.
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Wer als Grieche Steuerschulden hat, der kann sich jetzt wahrlich glücklich schätzen. Schließlich wissen griechische Banken, dass ihre Schulden ohnehin bald abgeschrieben werden. Warum also sparen? Die EZB spricht doch schon ganz offen darüber, dass griechische Banken gerettet werden und deren Verbindlichkeiten zu mindestens fünfzig Prozent nicht mehr zurückgezahlt werden
müssen. Also gibt es jetzt bei fast allen Banken Kredite für Pleite-Griechen – und zwar ohne Sicherheiten!
Wer als Grieche KFZ-Steuerschulden oder kein Geld für die Begleichung der Sonderabgaben auf Wohnflächen hat, seine Einkommenssteuer oder Gewerbesteuer nicht zahlen kann, dem winkt nun ein verlockendes Angebot: Griechische Banken helfen mit ungesicherten Krediten. Man zahlt nach Angaben der griechischen Zeitung Vrydyni also Schulden jetzt ganz einfach mit neuen Schulden zurück. Bis zu zehn Jahre Laufzeit haben diese neuen Kredite. Sie werden beispielsweise vergeben von der Attica-Bank, von der Piräus-Bank, der Athener Eurobank, der Marfin Egnati Bank und der Emporiki Bank. Das Ponzi-Schema wird allerdings noch absurder, wenn man weiß, dass die Banken für die Inanspruchnahme solcher ungesicherter Kredite zahlungsunfähiger Schuldner auch noch Guthaben auszahlen. Sie haben richtig gelesen: Die Emporiki-Bank verbucht drei Prozent der von einem Pleite-Griechen aufgenommenen Kreditsumme als Guthaben auf dessen Kreditkarte, über das er dann sofort (zusätzlich zur Kreditsumme) verfügen kann. Wenn ein Pleite-Grieche also 10.000 Euro Steuerschulden hat und diese ohne Sicherheiten über einen neuen Kredit beim Finanzamt zurückbezahlt, dann drückt ihm die Emporiki-Bank dafür auch noch 300 Euro Guthaben in die Hand.
Die Idee, mit der die Kunden angelockt werden, klingt auf den ersten Blick einleuchtend. Wer als
griechischer Steuerschuldner seine Verbindlichkeiten sofort und ohne Abzüge bezahlt, dem werden fünf Prozent der Steuerschulden nachgelassen. Vergibt eine Bank einen (ungesicherten) Kredit an einen Steuerschuldner für sechs Prozent, dann zahlt der Steuerschuldner zumindest im ersten Jahr letztlich nur ein Prozent Zinsen. Inhaber von Kreditkarten der griechischen Ableger der Citibank oder Diners Club können jetzt ebenfalls per Kreditkarte (ohne Sicherheiten) auf einen Schlag per Kreditkarte ihre Steuerschulden zurückzahlen. Die Banken wissen ja, dass ihnen von den internationalen Gläubigern der Großteil der Schulden erlassen werden wird. Warum also sparen?
Der Staat kommt so zu seinem Geld, die Banken machen neue Geschäfte und die Schuldner sind ihre Schulden erst einmal wieder für einige Monate los. Man verschiebt den Crash einfach um einige Monate. Und die Steuerschuldner werden so zu einer Art Laborratten der Banken. Dabei kann man das Ergebnis dieser Versuchsreihe der Banken mit Schuldnern wohl schon jetzt voraussagen: Am Ende steht der finale Exitus vieler Griechen. Denn die einfachen Bürger sind auch weiterhin verschuldet, während den Banken die Schulden einfach gestrichen werden. Am Ende gewinnt also nur die Bank.
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