
Die Schweizer Zeitung Blick sorgte schon 2008 mit einem Bericht für Aufsehen, in dem sie über Schweizer berichtete, die Katzen essen. Da hieß es damals beispielsweise:
Stéphanie P.* bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann im Kanton Jura einen Bauernhof. Da leben viele Katzen, und manchmal landet in ihrem Kochtopf eines der Büsi. »Ja, wir essen Katzenfleisch«, gestand sie nun der Zeitung Le Matin. Falsch findet sie das nicht: »Es ist sehr zartes Fleisch. Ich sage immer, es schmeckt wie Kaninchen, aber es ist weniger fasrig.«
Das war keineswegs ein Scherz. Katzenfleisch soll, so behaupten Schweizer, besonders zart sein. Viele Schweizer bekannten sich in den vergangenen Jahren in den Medien dazu, ihre Haustiere
irgendwann zu essen. Jedenfalls findet man erstaunlich viele Berichte dazu im Internet. Und vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Schweizer Hunde und Katzen auch als Weihnachtsbraten in die Röhre geschoben haben. Der Informationsdienst Kopp Exklusiv berichtete ausführlich darüber.
Chinesen, Koreaner und Vietnamesen fühlen sich bei Reisen nach Europa in der Schweiz besonders wohl. Denn dort müssen sie offenkundig nicht auf die in ihrer Heimat gewohnte Kost verzichten: Hunde- und Katzenfleisch. Zumindest im Schweizer Rheintal, im Appenzell oder in der Innerschweiz ist es (so jedenfalls die vielen Schweizer Berichte dazu) »normal«, Hunde und Katzen zu erschlagen – und zu essen. Der renommierte Schweizer Tages-Anzeiger berichtete jetzt ebenfalls groß über das Thema und hob hervor, es gebe keine gesetzlichen Regelungen zum Töten von Hunden und Katzen, die dann gegessen würden – man könne die Tiere auch straflos zu Tode quälen. Und genau das ist es, was Tierschützer auf die Barrikaden bringt. Niemand behauptet, dass alle Schweizer Hunde und Katzen essen. Aber manche sprechen wie Bauer Bruno D. ganz offen darüber. Das Phänomen scheint kein wirklich großes Problem zu sein. Doch trotzdem gibt es Landesteile, wo das alles »normal« zu sein scheint. Der Tages-Anzeiger berichtet:
Die Frage scheint ihr nicht genehm, die Antwort fällt entsprechend schroff aus: »Wie verlogen, so etwas zu fragen! Dann dürfte man auch keine Schweine essen!« So oder ähnlich reagiert nicht nur eine Landwirtin aus dem St. Galler Rheintal auf die Frage des Tages-Anzeigers, warum sie Hundefleisch genieße. Ein Bauer, auch er wohnt im Rheintal, hält es für »nichts Außergewöhnliches«, Hund oder Katze zu essen: »Fleisch ist Fleisch.« Ein Landwirt aus dem Appenzellischen schildert ohne großes Aufheben, wie er Hunde erschießt oder mit einem Knüppel totschlägt. Dann komme ein befreundeter Metzger vorbei, häute das Tier, zerlege es und räuchere das Fleisch. »Serviere ich Mostbröckli, merkt niemand, dass es Hundefleisch ist.« Bei Bauarbeitern etwa seien sie als Pausensnack sehr beliebt.
In der Schweiz darf man seine Hauskatze jederzeit essen – ganz anders ist es in Deutschland. Und es gibt überall Rezepte für die Zubereitung der eigenen Haustiere. Tierschützer fordern seit 2004
den Schweizer Bundesrat dazu auf, Hunde und Katzen endlich zu schützen und deren Verzehr zu verbieten, wie dies in den EU-Ländern längst der Fall sei.
Die Schweizer Lebensmittelverordnung verbiete nur, Fleisch von Hunden und Katzen in Verkehr zu bringen. »Privat aber darf jeder seinen Hund oder die Hauskatze essen und zu diesem zweifelhaften Genuss auch Gäste einladen«, kritisiert der Tierschutz. Und daran wird sich in absehbarer Zeit wohl nichts ändern. Vielleicht sollten jene Schweizer, die Hunde und Katzen essen, sich einmal über den uralten Ernährungskodex in Mitteleuropa informieren.
Denn man stelle sich einmal vor, der Schweizer Bankmanager Josef Ackermann oder ein anderer weltoffener Schweizer lädt Sie als Gast ein – würden Sie nach diesem Artikel noch völlig unbefangen am Grillfest eines Schweizers teilnehmen…? Da bleibt doch irgendwie ein mulmiges Gefühl.
Bei meiner nächsten Reise in die Schweiz werde ich jedenfalls vorsichtshalber ganz sicher auf Fleisch verzichten.
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